"Riot-Hipster" bei G20-Krawallen: Mit dem iPhone gegen den Kapitalismus

Riot-Selfies gehören zu den fragwürdigen “Trends” des G20-Gipfels (Bild: Reuters)

Nur ein Duckface könnte das Selfie noch toppen, das ein junger Mann am Freitagabend bei den Krawallen des G20-Gipfels in Hamburg von sich gemacht hat. Ein Hipster wie er im Buche steht, der inmitten gewalttätiger Autonomer vor einem brennenden Haufen Müll posiert und abdrückt. Im Netz sorgt das Peinlich-Foto für mächtig Wirbel.

Die schreiende Ungerechtigkeit des Systems muss zum Ausdruck gebracht werden – und wie ginge das besser als mit einem iPhone? Ein solches kam nämlich zum Einsatz, als am Freitagabend in der Schanze ein Bild entstand, das so grotesk wie entlarvend ist.

Da steht er, der Hipster mit dem typischen Bart und gegeltem Haar, und schaut in die Kamera seines iPhones wie ein x-beliebiger Tourist, der sich vor Neuschwanstein oder dem Disney-Schloss fotografiert. Im Hintergrund vermummte Gestalten und ein Haufen brennenden Mülls. So sieht Systemkritik also aus.

Die Netzgemeinde macht sich lustig

“Alle wahren Rebellen der Geschichte hielten mitten in ihrer Revolution inne, um ein Selfie zu machen und es auf Instagram zu posten”, schreibt ein Nutzer dazu. “Die Antifa protestiert gegen den Kapitalismus (während sie Selfies auf dem iPhone machen) und für die Umwelt (während sie die Umwelt verschmutzen). Clever”, schreibt ein anderer. Und noch ein anderer legt dem Riot Hipster, der als der “Protestant“ schnell bekannt wurde, folgende Worte in den Mund: “Wartet kurz, Jungs. Ich muss meinen antikapitalistischen Protest unterbrechen, um ein Selfie mit meinem Apple iPhone zu machen.“

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Zuerst getweetet hatte das Bild Torsten Beeck von “Spiegel Online“. Er bestätigte auch, dass es sich dabei keineswegs um eine Fotomontage handelt, wie mancher User gleich unkte. Nachdem er das Selfie gemacht hatte, sei der Bärtige vom Feuer weggezerrt worden.

Gegen das System – wirklich?

Inwieweit der junge Mann tatsächlich in die Krawalle eingebunden war, ist nicht ganz klar. Er könnte auch zur Masse derjeniger gehören, die eher spontan von dem ausufernden Schauspiel angezogen wurden und sich gleich bemüßigt fühlten, einzusteigen. Auch der “Spiegel-Online“-Journalist Sven Becker beobachtete am selben Abend “größere Gruppen von jungen Männern, vermutlich aus den umliegenden Vierteln“, die normale Straßenkleidung getragen und sich der Randale angeschossen hätten.

Auch sie hätten eine Vorliebe für die in der linken Szene verpönten Marken gezeigt und händeweise Artikel aus einem aufgebrochenen o2-Shop und einem Apple-Store herausgetragen. Normale Leute also, denen der Anlass der Krawalle wahrscheinlich herzlich schnurz war, solange am Ende ein bisschen Spaß und ein neues iPhone herausgesprungen sind. Dass die den Autonomen vielleicht sogar selber peinlich sind, hilft dann auch keinem weiter.

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