Ringen um Nachfolge des Neun-Euro-Tickets geht weiter

Die Bundesregierung hat sich für eine Nachfolgeregelung für das Neun-Euro-Ticket ausgesprochen, das Ringen um die Ausgestaltung und Finanzierung des Angebots geht jedoch weiter. Die Grünen forderten am Montag ein Monatsticket zum Preis von 49 Euro. Die SPD schlug reduzierte Preise für Empfängerinnen und Empfänger von Sozialhilfe vor. Die Verkehrsverbünde forderten ihrerseits mehr Geld, um ihr Fahrplanangebot beizubehalten oder auszubauen.

Die Ampelkoalition hatte am Sonntag ein neues Entlastungspaket im Volumen von 65 Milliarden Euro vorgestellt, das unter anderem eine Nachfolge für das Neun-Euro-Ticket vorsieht. Der Bund will sich demnach mit 1,5 Milliarden Euro im Jahr an dem Ticket beteiligen - wenn die Länder ihrerseits zur Finanzierung beitragen. Das bundesweite Ticket soll dann zwischen 49 und 69 Euro kosten.

Eine Sprecherin des FDP-geführten Verkehrsministeriums sagte, der Preis hänge am Ende davon ab,"was die Länder bereit sind, an finanziellen Mitteln hinzuzufügen". In jedem Fall werde aber ein deutschlandweit gültiges Ticket zu einem einheitlichen Preis angestrebt.

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann zeigte sich zuversichtlich, dass sich ein Ticket für 49 Euro realisieren lasse. Das wäre ein "sehr wichtiges Signal im Bereich der Mobilität". Auch wenn der Preis deutlich über dem Neun-Euro-Ticket liege, rechne sie bei 49 Euro mit einer "großen Nachfrage".

Das Aktivisten-Netzwerk Campact forderte ein noch deutlich preiswerteres Ticket: "Nur ein 29-Euro-Ticket bringt für die Menschen relevante Entlastung und lässt sie fürs Klima vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen", sagte Campact-Chef Christoph Bautz der Nachrichtenagentur AFP. "Ein monatliches 69-Euro-Ticket wäre hingegen das doppelte, was im Hartz-IV-Regelsatz für Mobilität vorgesehen ist."

SPD-Chefin Saskia Esken sagte, der Preis könne "durch Leistungen des Sozialstaats auch nochmal gemildert werden". Darauf müssten sich dann Bund und Länder einigen.

Die Verkehrsverbünde begrüßten die Einigung der Bundesregierung auf eine Nachfolgeregelung für das Neun-Euro-Ticket grundsätzlich, forderten jedoch zusätzliche Finanzmittel. Mit einem einheitlichen landesweiten Ticket "wird der ÖPNV in Deutschland deutlich attraktiver und seine Nutzung für viele erheblich einfacher", erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbands Schienennahververkehr, Frank Zerban. Doch um es umzusetzen sei "spätestens im Oktober dieses Jahres eine Vereinbarung über zusätzliche Regionalisierungsmittel für 2022 und 2023" nötig.

"Andernfalls müssen im kommenden Jahr umfassend Leistungen abbestellt werden, da diese mit den vorhandenen Mitteln nicht mehr finanziert werden können", mahnte der Verbandsvorsitzende. Wegen steigender Energie-, Material- und Personalkosten sei der Schienenpersonennahverkehr bereits unterfinanziert.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sprach sich neben einem neuen Ticketangebot auch für Investitionen in die Infrastruktur der Bahn aus. "Wir brauchen beides, und wir tun beides", sagte Wissing dem Sender RTL/ntv. Details nannte er zunächst nicht.

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