Riesiges Loch in der Antarktis dehnt sich weiter aus - ein Grund zur Sorge?

Im antarktischen Eis ist ein Loch in der Größe von Irland entstanden. (Bild: ddp images)

Die beunruhigenden Phänomene in der Antarktis setzen sich fort: In der eigentlich ständig gefrorenen Eisschicht auf dem Weddell-Meer hatte sich im September ein Loch gebildet, das sich immer weiter ausdehnt. Mittlerweile hat es mit rund 80.000 Quadratkilometern fast die Größe von Irland erreicht.

Bereits im September entdeckten Wissenschaftler auf Satellitenbildern das Loch im Eis. Der Vorfall ereignete sich im Weddell-Meer und trat bereits im vorigen Jahr für einige Wochen auf. Eigentlich sind solche Löcher, die auch Polynjen genannt werden, nichts Ungewöhnliches. Der Klimaforscher Professor Mojib Latif erklärt im Gespräch mit „Focus“, dass dabei eine kalte, salzarme Wasserschicht über einer wärmeren und salzhaltigeren liege. In bestimmten Fällen könne das wärmere Wasser ähnlich einem Überdruckventil an die Oberfläche kommen und dort das Eis schmelzen.

Solche Öffnungen bilden sich eigentlich an der Grenze von Eisschild und Wasser – und nicht hunderte Kilometer von dieser Grenze entfernt. Zuletzt hatte sich das Eis Mitte der 70er-Jahre geöffnet – also vor rund vier Jahrzehnten. Inzwischen ist die Größe des Lochs auf rund 80.000 Quadratkilometer angewachsen. Im September hatte es noch eine Fläche von 60.000 Quadratkilometern. In einer Animation sieht man die enorme Ausdehnung des Naturereignisses.

Sind diese Besonderheiten ein Hinweis darauf, dass der Klimawandel einen Einfluss darauf hat? Diese Frage lässt sich laut den Experten des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel noch nicht abschließend klären. Es gäbe, werden die Forscher im „Focus“ zitiert, Theorien, dass der Klimawandel Polynjen eher verhindere, da schmelzendes Eiswasser die beiden Wasserschichten, die für die Löcher verantwortlich sind, gar nicht aufeinandertreffen lasse. Auch die Daten des sogenannten Kiel-Klima-Modells sprächen eher für natürliche Schwankungen.

Auch Professor Kent Moore von der Universität Toronto hält es im Interview mit dem Onlinemagazin „Motherboard“ für voreilig, das riesige Loch auf den Klimawandel zu schieben. Eine größere Auswirkung auf die Ozeane sei aber sicher. Doch noch werden weitere Daten von unterschiedlichen Forschern ausgewertet, um klarere Aussagen treffen zu können.