"Riesiger Fehler, dass der Vertrag verlängert wurde": Warum die Eigentümer-Familien Porsche und Piëch VW-Chef Diess gefeuert haben

Noch-VW-Chef Herbert Diess - Copyright:  picture alliance/KEYSTONE | GIAN EHRENZELLER
Noch-VW-Chef Herbert Diess - Copyright: picture alliance/KEYSTONE | GIAN EHRENZELLER

Sogar Top-Manager aus dem VW-Imperium wurden von der Nachricht überrascht: Der mächtige Automanager Herbert Diess verliert zum September seinen Chefposten. Ohne jegliche Vorzeichen, wie es zumindest auf den ersten Blick scheint. Doch es brodelte schon lange in Wolfsburg.

In der offiziellen Pressemitteilung von VW gibt sich der Autobauer versöhnlich über den Abgang des eigenen Chefs. Man habe sich im "gegenseitigen Einvernehmen" getrennt. Diess habe "eindrucksvoll bewiesen, mit welchem Tempo und mit welcher Konsequenz er tiefgreifende Transformationsprozesse umsetzen kann", kommentierte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch den Abschied.

Also alles gut? Überhaupt nicht. Denn wie Business Insider aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, haben die Eigentümer-Familien Porsche und Piech dem Automanager den Stecker gezogen.

Reihe von Fehltritten führte zu Rauswurf

Dass Diess ausgerechnet jetzt seinen Posten verliert, ist offenbar keinem einzelnen Fehler geschuldet. Viel mehr ist es das Ergebnis einer Reihe Fehltritte, die sich Diess in den vergangenen Jahren geleistet hat. Die Familien hätten gemerkt, dass die Stimmung in Wolfsburg gegenüber Diess kippt – und schmissen ihn vom Thron.

Aus Aufsichtsratskreisen heißt es, er habe eine "eklatante Führungsschwäche", ihm fehle "sämtliches diplomatisches Geschick" und er sei ein "Egozentriker" – Klartext im Gegensatz zur Pressemitteilung. Als "Ankündigungsweltmeister" habe er zwar "große Interviews" gegeben, aber am Ende nichts geliefert. "Dass der Vertrag verlängert worden ist, war ein riesiger Fehler. Lieber zieht man jetzt im Sommer den Stecker als das Ganze weiterlaufen zu lassen", heißt es.

Dabei wird immer wieder sein Führungsstil kritisiert. Er habe seine Top-Manager schlecht behandelt, teilweise sogar gedemütigt. In größeren Runde habe er demnach die hochbezahlten VW-Leute attackiert und vorgeführt. Der Unmut sei zuletzt massiv gewachsen. Diess habe in seinem Umfeld zudem kein Korrektiv gehabt, das ihn eingebremst habe. Nachfolger Blume gilt hingegen als Führungskraft, der gut kommuniziert und die Belegschaft mitnehmen kann.

Kein Widerstand der Arbeitnehmer-Vertreter

Dass die Arbeitnehmervertreter nach Business-Insider-Informationen keinen Widerstand gegen die Absetzung leisteten, ist nicht verwunderlich. Zu Arbeitnehmern hatte Herbert Diess schon immer eine komplizierte Beziehung – und stand mehrmals vor dem Rauswurf.

Es war eine interne E-Mail, die das Vertrauen in Diess zerstört hat, über die Business Insider im vergangenen Herbst berichtete. Darum ging es: In der Nachricht brachte Diess den Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen in Wolfsburg ins Gespräch. Das Schreiben wurde an die Arbeitnehmervertretung durchgestochen und diese trug es zum Aufsichtsrat. Schließlich zwang das Präsidium Diess dazu, den Auftrag aus der E-Mail zurückzuziehen.

Betriebsräte kritisierten immer wieder den Kommunikationsstil Diess‘ und fühlten sich von ihm laufend provoziert. Kaum noch jemand in Wolfsburg glaubte an eine Lernkurve des CEOs.

Software-Tochter Cariad sorgte für Probleme

Hinzu kamen die Probleme mit Volkswagens Software-Tochter Cariad. Das Ziel mit Cariad: Eine einheitliche Elektronik und IT-Plattform zu schaffen, aus der sich alle VW-Marken baukastenartig bedienen können. Doch hier kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten.

Abweichungen im Entwicklungsstand, unterschiedliche Vorstellungen der Marken und Schwierigkeiten bei der Kompatibilität. Eigentlich sollte es weit früher auf eine Software-Einheitsplattform hinauslaufen. Doch Diess scheiterte am Softwareprojekt.

Trotz seines Abgangs als CEO bleibt Diess aber weiterhin Topverdiener auf der VW-Gehaltsrechnung. Laut Business-Insider-Informationen soll Diess bis Vertragsende im Jahr 2025 weiterhin sein Fixgehalt in Höhe von knapp 2,2 Millionen Euro erhalten – ohne dafür arbeiten zu müssen.

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