Ende einer Ära: Große Lücke im deutschen Volleyball

Katharina Hosser

Fast 400 Spiele für den SSC Palmberg Schwerin, 245 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft, sechs Meistertitel, drei Pokalsiege, drei Supercup-Erfolge, zweimal MVP der Liga, einmal Vize-Europameisterin und unzählige weitere nationale und internationale Erfolge.

Denise Hanke war eine Institution im deutschen Volleyball - aber jetzt ist für sie Schluss mit dem Profi-Sport. Ab August übernimmt die 30-Jährige eine Führungsrolle im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements in Schwerin.

Nach Hankes Karriereende müssen die Führungsrollen auf dem Feld nun andere übernehmen - sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft.


Schwerin: Imoudu folgt auf Hanke

In Schwerin wurde bereits eine Nachfolgerin gefunden: Namensvetterin Denise Imoudu wird ab sofort die Strippen beim Volleyball-Rekordmeister ziehen.

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Imoudu hatte bereits 2013 bis 2015 in Schwerin gespielt. Nun kommt die 24-Jährige nach Stationen in Hamburg, Aachen und Potsdam zurück in den Norden. In Potsdam kam die Zuspielerin damals nicht auf die gewünschten Einsatzzeiten, jetzt wagt sie einen Neuanfang an altbekannter Stelle.

Trainer Felix Koslowski lobt die Rückkehrerin: "Sie ist in den letzten Jahren auf ihren verschiedenen Bundesliga-Stationen sehr gereift, ist eine sehr athletische, dynamische Spielerin mit nun schon einiger Erfahrung."

Dabei war gar nicht klar, ob Imoudu eine weitere Saison überhaupt noch auf sich nimmt. Im Volleytalk bei SPORT1 hatte Hanke nämlich verraten: "Ich hoffe, dass sie hier die Möglichkeit bekommt, ihr Potenzial noch einmal auszuschöpfen. Bei ihr war es auch eine Entscheidung zwischen Aufhören oder nochmals Gas geben."


Imoudu auch für die Nationalmannschaft?

Der logische Schritt wäre es, wenn Imoudu auch in der Nationalmannschaft die Regie übernehmen würde. Doch auch Hanke weiß: "Schwieriges Thema, die Zuspiel-Position in der Nationalmannschaft."

Hinter Hanke sollte eigentlich Pia Kästner in die Rolle wachsen, doch die Spielerin des Allianz MTV Stuttgart verpasste die komplette vergangene Saison aufgrund einer hartnäckigen Rückenverletzung. Was die Zukunft der 21-Jährigen bringt, ist demnach offen.

Bei der Olympia-Qualifikation im Januar hatte die erfahrene Lena Möllers ausgeholfen, doch deren Rückkehr war wohl nur auf dieses eine Turnier begrenzt.

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"Es gibt natürlich Optionen, es kommen immer wieder Talente nach, man muss die Augen offen halten. Hoffen, dass jemand den Ehrgeiz und den Mut hat, sich auch die nächsten Jahre dahinzustellen," sagte Hanke mit Blick auf die Zukunft.

Fehlende Vergütung und Wertschätzung

Die Entbehrungen für Nationalspieler in einem Sport wie Volleyball sind jedenfalls groß. Geld verdienen sie kaum, wenn sie ihren Sommer und ihre Freizeit gegen Nations League, Europa- oder Weltmeisterschaften eintauschen.


Und was fehlt noch? "Im Allgemeinen die Wertschätzung dafür, was man für sein Land leistet," sagt Hanke, die 13 Jahre lang das Trikot der Nationalmannschaft trug. Für ihre Kolleginnen hofft sie, "dass es lukrativer wird und Volleyball in Deutschland einen anderen Stellenwert bekommt."

Wie auch immer: Wer genau Hankes Position ausfüllen wird, bleibt offen. Doch die 30-Jährige hat eine Idee: "Ich hoffe, dass mit der Verpflichtung von Denise Imoudu in Schwerin sie vielleicht die Chance hat, in der Nationalmannschaft ein bisschen weiter einzusteigen, wenn sie das wirklich will und vielleicht dann im neuen Olympia-Zyklus angreift."

Überraschend wäre es nicht, sollte Imoudu auch im Nationalteam in die Fußstapfen ihrer Namensvetterin treten. Vereinstrainer Koslowski stünde dann auch gleichzeitig als ihr Bundestrainer an der Seitenlinie.