Der Riese erwacht: Schalkes Traum von einer neuen Ära

Matthias Schreiber, Thorsten Langenbahn

Weihnachtszeit, besinnliche Zeit. Während bei anderen Klubs der Baum brennt, kann man sich beim FC Schalke nach dem Einzug ins Pokal-Achtelfinale und der Vize-Herbstmeisterschaft so bequem wie lange nicht mehr unter die Weihnachtstanne setzen.

Unter Bundesliga-Novize Domenico Tedesco ist königsblauer Fußball nämlich nicht nur ansehnlich, sondern vor allem eines: Erfolgreich.

Dieser Umstand könnte Sportvorstand Christian Heidel nun sogar die nicht mehr für möglich gehaltenen Vertragsverlängerungen von Max Meyer und Leon Goretzka bescheren.

Meyer schließt Schnellschuss aus

Der Fall Meyer: Bezeichnend, dass der 1,73-Meter-Mann das Siegtor gegen Köln ausgerechnet mit dem Kopf erzielte. Unter Markus Weinzierl stagnierte der 22-Jährige Spielmacher noch in seiner Entwicklung.


Domenico Tedesco kam, löste die Blockade indem er den quirligen Mittelfeldmann kurzerhand als Staubsauger vor der Abwehr einsetzte und erweckte Meyer so aus seinem Dornröschenschlaf. Ein genialer Schachzug, der für beide Seiten vollends aufging.


"Ich fühle mich einfach sehr wohl zurzeit beim Trainer, weil ich das Gefühl habe, dass er uns Spieler besser machen kann – wie auch mich. Dieses Gefühl habe ich seit langer Zeit wieder und spüre das jeden Tag", adelt Meyer den 32-jährigen Tedesco.

Einen Schnellschuss in Sachen Vertragsverlängerung schließt der zehnmalige Nationalspieler bei sich allerdings nach wie vor aus: "Der Winter geht ja noch ein bisschen – ich glaube, bis zum 20. März. Bis dahin wird es eine Entscheidung geben, aber keine schnelle", sagte Meyer nach dem Pokalsieg. "Es gibt aber keine Tendenz." 


Heidel setzt auf Wohlfühlfaktor

Etwas anders stellt sich die Gemengelage naturgemäß bei Leon Goretzka dar, vor allem auf finanzieller Ebene.

Der ebenfalls 22-Jährige kann sich im Sommer bei Vertragsende die Top-Vereine aussuchen, könnte ab 1. Januar bei einem anderen Verein unterschreiben.

Ein ablösefreier Wechsel würde dabei nicht nur ein dickes Handgeld für den zentralen Mittelfeldspieler bedeuten, gehandelte Vereine wie der FC Bayern, Real Madrid, Barca oder Manchester United zahlen zudem Gehälter, bei denen Schalke nicht mithalten kann - und möchte. 


"Ich bin da nicht entspannt. Natürlich würden wir gerne mit Beiden weiterarbeiten, aber das Fußballgeschäft ist kein Wunschkonzert. Die Jungs müssen sich das gut überlegen, wenn es so weit ist, und dann nehmen wir es irgendwann zur Kenntnis", erklärte Heidel, der beim derzeit verletzten Goretzka bis an die finanzielle Schmerzgrenze gehen würde.

Der frühere Mainzer setzt bei beiden voll auf den neuen Gelsenkirchener Wohlfühlfaktor: "Das Allerwichtigste ist, dass sie das Gefühl haben, dass sich auf Schalke etwas entwickelt und dass sie Teil davon sein möchten - losgelöst von wirtschaftlichen Dingen. Da können wir inzwischen was bieten, das spüren sie selbst."

Schalke hat Option bei Tedesco

Kopfzerbrechen würde ihm aber auch der Abgang eines seiner Top-Spieler nicht mehr bereiten: "Ich liege jetzt nicht schlaflos im Bett, weil irgendwann eine Entscheidung kommt", sagte Heidel nach dem 13. Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage.

Wohlwissend, dass er mit Domenico Tedesco einen Trainer in der Hinterhand hat, der nachrückende Talente problemlos entwickeln kann und auch im Erfolg auf dem Boden bleibt: "Der Verein ist ein Riese, daher habe ich die Demut", sagte Tedesco nach dem Köln-Spiel.

Wie die Sport Bild berichtet, enthält das Arbeitspapier des 32-Jährigen eine Klausel, die es den Königsblauen erlaubt, die Laufzeit von 2019 bis 2021 zu verlängern.

Sollte Tedesco den Klub bis 2019 in die Europa League führen, würde sich sein Vertrag automatisch um zwei Jahre verlängern. Aber auch bei Ausbleiben des sportlichen Erfolgs hat Schalke die Möglichkeit seinen Vertrag zu verlängern, falls der Klub von Tedesco überzeugt ist.

Dann würde die Konkurrenz, der die erfolgreiche Arbeit von Tedesco sicher nicht verborgen geblieben ist, in die Röhre gucken.