Richterin zollt Respekt: Einbruchsopfer vertrieb Täter mit mutigem Einsatz

48-Jährige bekommt Lob für beherztes Vorgehen – Täter zu Bewährungsstrafe verurteilt.

Greta S. (48, Name geändert) ist eine schlanke, zierliche Frau von eher unauffällig-sympathischem Äußeren. In ihren eigenen vier Wänden mutierte sie erst zum Einbruchs-Opfer und dann zur kämpferischen Heldin, der die Prozessbeteiligten im Gerichtssaal einhellig Respekt, Hochachtung und Bewunderung zollten. „Ist das mutig“, entfuhr es der Staatsanwältin, als sie die Akte las, und die Richterin schloss sich an: „Das hätte ich mich nie im Leben getraut. Ich hätte mich eher totgestellt und eingeschlossen.“

Geräusche aus dem Schlafzimmer

Es war ein Freitagabend im September vergangenen Jahres im Rechtsrheinischen, kurz vor den Tagesthemen: Die Personalmanagerin saß in ihrem Arbeitszimmer noch am Computer, draußen war es bereits dunkel, als die allein lebende Frau plötzlich in ihrem Schlafzimmer ein Geräusch hörte, das nur eines bedeuten konnte: „Das war die Schiebetür meines Kleiderschranks, den Klang kannte ich. Da war also jemand unbekanntes in meiner Wohnung“, stellte Greta S. lakonisch fest.

Sie habe beschlossen, „intuitiv zu handeln“. Immerhin habe sie vor Jahren einen Selbstverteidigungskurs für Frauen absolviert: „Da ging es weniger um Technik als um psychologische Faktoren.“ Der Gedanke, „bei mir liegt die Entscheidung: kämpfen oder fliehen. Das gibt ein Gefühl der Sicherheit“, erinnerte sich S. und fügte hinzu: „Ich habe nie für möglich gehalten, dass dieses Gefühl der inneren Stärke nach immerhin zwölf Jahren noch so abrufbar ist.“

Durchs Fenster verschwunden

Greta S. hatte an jenem Abend das Schlafzimmerfenster ihrer Erdgeschosswohnung zum Lüften weit geöffnet, wohlweislich aus Sicherheitsgründen die Tür aber abgeschlossen. Sie wusste also, dass der Einbrecher nur aus dem Fenster die Flucht antreten konnte. Zunächst hatte sie lärmend auf sich aufmerksam gemacht, die Klospülung betätigt, das Badezimmerfenster mit einem lautem Knall geschlossen. Doch ihr Verhalten animierte den Täter keineswegs, die Wohnung zu verlassen. Da entschloss sich S. zur Flucht nach vorn: „Klar war da im ersten Moment ein Gefühl der Angst. Aber ich hatte mich ja bewusst dafür entschieden“, sagt sie heute. „Ich hätte jahrelang nicht mehr ruhig schlafen können, hätte ich anders gehandelt.“

Unbeeindruckt kam der Täter auf sie zu

Sie habe „erst einmal mit Kawumm die Schlafzimmertür geöffnet, die flog mit lautem Knall gegen die Wand“. Der Einbrecher stand vor ihrem geöffneten Kleiderschrank, hatte ein Geschirrtuch in der Hand und sämtliche Fächer durchwühlt. „Sofort raus hier“ – schrie S. und merkte gleichzeitig: „Er versteht kein Deutsch, spricht meine Sprache nicht.“

Unbeeindruckt kam der Täter auf sie zu. „Er schaute mich an, als würde er gleich fragen: »Kann ich eine Tasse Kaffee haben?«“, erinnerte sich S. an die Absurdität der Situation. „Als er mir bis auf Armeslänge nahekam“, schlug sie zu, versetzte ihm mit der Faust einen Kinnhaken: „Die Technik war nicht perfekt, aber ich wollte mich zur Wehr setzen.“ Der Einbrecher schlug zurück, traf sie mit der flachen Hand im Gesicht. Doch Greta S. ließ sich nicht unterkriegen: „Der kommt mir nicht durch die Wohnung und geht da wieder raus, wo er reingekommen ist“, habe sie entschieden – und dem Mann beim anschließenden Handgemenge deutlich zu verstehen gegeben, wie ernst es ihr war.

Täter in Nachbarstraße festgenommen

Der Einbrecher verstand schließlich und verschwand durchs Fenster. Bei Nachbarn alarmierte Greta S. sofort die Polizei, die drei Streifenwagen losschickten und den Täter zwei Straßen weiter auf einer Mauer sitzend festnahm. Die Nachbarn hatten übrigens gedacht, der von Greta S. absichtlich verursachte Lärm sei der gewohnte Ehekrach der Mietpartei von gegenüber und nicht weiter reagiert.

Auf die Frage, ob sie wieder so handeln würde, ließ Greta S. im Gerichtssaal nicht den geringsten Zweifel. Es sei für sie „eine Frage der Lebensqualität, ob ich in Angst lebe oder mich bewusst einer Situation stelle“. Aus dem Grund habe sie seinerzeit auch den Selbstverteidigungskurs gebucht. „Ich will mich nicht fürchten, wenn ich abends alleine auf der Straße unterwegs bin“.

In ihrer Firma mit über 50 Prozent weiblichen Mitarbeitern will die leitende Angestellte jetzt darauf drängen, auf Kosten des Arbeitgebers einen Selbstverteidigungskurs anzubieten. Im Prozess gab sie zu, aufgeregt zu sein. Nicht wegen des Täters, der gar nicht erst erschien, sondern „weil ich zum ersten Mal in meinem Leben vor Gericht stehe“. Der Einbrecher, ein gebürtiger Rumäne, wurde in Abwesenheit zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta