"Rheuma kann in jedem Lebensalter auftreten"

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"Rheuma kann in jedem Lebensalter auftreten"
Auch jüngere Menschen können von Rheuma betroffen sein (Bild: Pexels, Andrea Piacquadio, 3771115)
Auch jüngere Menschen können von Rheuma betroffen sein (Bild: Pexels, Andrea Piacquadio, 3771115)

Mit Rheuma verbinden viele Menschen vor allem eine Alterskrankheit. Aber Rheuma hat viele Gesichter und betrifft alle Generationen: "Es ist ein Irrglaube, dass Rheuma nur ältere Menschen betrifft. Rheuma kann in jedem Lebensalter auftreten. Eine häufige Form von Rheuma ist die axiale Spondyloarthritis, auch Morbus Bechterew genannt, an der vor allem jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren erkranken", erklärt Dr. Philipp Klemm vom Rheumazentrum der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim.

Wenn der Rücken schmerzt, aber nicht die Bandscheibe schuld ist

Morbus Bechterew ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die besonders die Wirbel im Beckenbereich betrifft. Daraus entstehen Schmerzen, die zunächst oft als Hexenschuss oder Bandscheibenprobleme verkannt werden. "Das Hauptsymptom ist ein vor dem 45. Lebensjahr auftretender tiefsitzender Rückenschmerz im Lendenwirbelsäulen-Beckenbereich, der nächtlich-frühmorgendlich besonders stark ist und bei Bewegung besser wird", erklärt der Rheumatologe. Ein charakteristisches Anzeichen ist auch die sogenannte Morgensteifigkeit: Nach dem Aufwachen ist der Rücken mindestens 30 Minuten lang steif und unbeweglich - Besserung setzt auch hier durch Bewegung ein.

"Oftmals dauert es leider im Schnitt immer noch mehrere Jahre, bis die Erkrankung diagnostiziert wird. Das liegt wiederum daran, dass gerade jüngere Betroffene erst mal nicht an eine Entzündung denken. Deshalb rate ich allen, die bereits in jungen Jahren an chronischen tiefsitzenden Rückenschmerzen leiden, diese ernst zu nehmen und frühzeitig abklären zu lassen", empfiehlt Dr. Klemm.

Die richtige Behandlung verhindert Spätschäden und erhält die Lebensqualität

Doch bevor die passende Therapie angesetzt werden kann, braucht es zunächst die richtige Diagnose: "Nach Aufnahme der Krankengeschichte und Untersuchung kann ein Bluttest helfen zu klären, ob eine genetische Veranlagung vorliegt, was bei rund 90 Prozent der Betroffenen der Fall ist", sagt der Rheuma-Experte. Während die entzündlichen Veränderungen an den Wirbeln im Verlauf auch schon im Röntgenbild zu sehen sind, ist das in frühen Stadien leider nicht der Fall: "In diesen Fällen bringt eine Magnetresonanztomografie, kurz MRT genannt, den Nachweis."

Steht die Diagnose, kann die passende Therapie helfen, die Entzündungen an den Wirbelkörpern einzudämmen und einer dauerhaften Versteifung entgegenzuwirken. Neben Entzündungshemmern wie Ibuprofen und Diclofenac ist eine Physiotherapie eine wichtige Säule der Behandlung. "Zeigt sich keine Linderung, können sogenannte Biologika verordnet werden," erklärt Dr. Klemm. "Diese fangen bestimmte Botenstoffe im Körper ab und vermindern so insgesamt die Entzündung im Körper."

Es lohnt sich also, bei chronischen Rückenschmerzen hartnäckig nach der richtigen Diagnose zu suchen und auch die Möglichkeit einer rheumatischen Erkrankung nicht außer Acht zu lassen. Denn erst eine passgenaue Therapie bringt Linderung und erhöht damit die Lebensqualität.

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