Rhein-Energie-Stadion: Fußball-Standort Müngersdorf droht nach fast 100 Jahren das Aus

Die gewünschte Erweiterung sei baulich möglich, aber mit großen Hürden verbunden.

Verlässt der 1. FC Köln den Traditionsstandort Müngersdorf? Baut der Verein an anderer Stelle, womöglich außerhalb der Stadt ein größeres Stadion, um dort nach Auslaufen des Pachtvertrages von 2024 an seine Heimspiele auszutragen? Ein Gedankenspiel, das Fans erzürnen lässt – und gleichwohl in den Diskussionen um die Zukunft des Bundesligisten an Bedeutung gewinnen wird.

Denn ein Ausbau des Rhein-Energie-Stadions auf die vom FC für nötig erachteten 75.000 Plätze kommt wegen der hohen Kosten und der zusätzlichen Lärmbelastung wohl nicht in Frage. Das ist das Ergebnis einer Studie des Planungsbüros Albert Speer und Partner. Auch weniger umfangreiche Erweiterungen der 50.000 Fans fassenden Ränge lassen sich offenbar nur mit einem so hohen Aufwand umsetzen, dass der FC zurückschreckt.

Ausbau ist nur schwer realisierbar

Die städtische Sportstätten GmbH hat die Untersuchung der Frankfurter Planer am Mittwoch ihrem Aufsichtsrat vorgelegt. Ein Ausbau des Rhein-Energie-Stadions sei „theoretisch möglich, aufgrund der erheblichen planungsrechtlichen und wirtschaftlichen Risiken aber selbst in einer Minimalvariante nur sehr schwer realisierbar“, sagte FC-Präsident Werner Spinner.

„Diese Aussage ist aus Sicht des FC natürlich bedauerlich“, fügte er hinzu. FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle bezeichnete das Ergebnis der Studie als „sehr ernüchternd – die Fachplaner haben ganz klar gesagt, dass es nicht empfehlenswert ist, das Stadion auszubauen“. Man habe zwar „neue Fakten, doch oftmals haben Theorie und Praxis wenig miteinander zu tun“.

FC prüft alternative Standorte

Wird also 2024 die dann 101-jährige Geschichte des Sportparks Müngersdorf enden? „Das können wir jetzt noch nicht sagen, aber aus unserer Sicht ist ein Ausbau schwer realisierbar“, betont Wehrle. Präsident Spinner will zwar den „positiven Dialog mit der Oberbürgermeisterin und der Stadt Köln fortführen, um eine Zukunftslösung zu finden, die sowohl für den FC als auch für die Stadt tragbar ist“.

Zugleich teilt er mit, es sei „für den 1. FC Köln wichtig, parallel die Frage nach alternativen Standorten für einen möglichen Stadionneubau intensiv zu prüfen“. Der FC hatte eben jene Firma Speer, von der die Ausbau-Studie stammt, vorsorglich nach möglichen Ausweichgrundstücken innerhalb und außerhalb der Stadtgrenzen suchen lassen. Mögliche Standorte nennt der Verein nicht.

Kleinere Erweiterungen sind nicht ausgeschlossen

Oberbürgermeisterin Henriette Reker äußerte sich zurückhaltend, wenngleich nicht ganz so ablehnend wie die FC-Spitze. „Wir wissen nun, dass eine Erweiterung am Standort nach dem Ergebnis der Machbarkeitsstudie technisch und baulich möglich ist. Ob sie sinnvoll und wirtschaftlich ist, muss nun mit allen Beteiligten diskutiert werden.“ Wie zu erfahren war, soll selbst eine Erweiterung auf 58.000 Plätze laut grober Schätzung mehr als 90 Millionen Euro kosten.

Nach Auffassung der Sportstätten-Gesellschaft geht aus der Konzeption des Büros Speer hervor, „dass eine Erweiterung des Rhein-Energie-Stadions auf eine Kapazität von 75 000 Plätzen nicht möglich scheint“. Kleinere Erweiterungs-Varianten seien indes nicht ausgeschlossen; darüber wolle das Unternehmen „in engem Austausch“ mit dem FC und der Stadt bleiben. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Sportstätten GmbH, Martin Schoser (CDU) sagte, es sei das „klare Ziel, den historischen Standort Müngersdorf zu erhalten“. Der Stadtrat vertritt die gleiche Position.

Stadioneigentümer könnte vor finanziellen Problemen stehen

Der FC zahlt dem kommunalen Unternehmen als Erstligist jährlich 7,9 Millionen Euro Pacht. Ein Auszug seines Hauptmieters würde den Eigentümer des Stadions in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Die 2004 eröffnete, rund 120 Millionen Euro teure Arena würde einen Großteil ihrer Einnahmen verlieren. Mit Rockkonzerten und sonstigen Veranstaltungen ließe sich das Minus nicht ansatzweise ausgleichen. 

Die Fans hatten bereits in vorigen Mai eine unmissverständliche Botschaft an die Vereinsführung gerichtet. „Standort Müngersdorf unverhandelbar!“ – so war es beim Spiel gegen Bremen auf einem Banner in der Südkurve zu lesen. 

Reaktionen aus der Politik

„Jetzt ist die Vereinsführung des 1. FC Köln gefragt. Bekennt sich der FC zum Standort Müngersdorf, spielen wir in einer Mannschaft. Wenn sich die Vereinsführung für eine der Ausbau-Varianten und somit für den Verbleib in Müngersdorf entscheidet, sind wir gerne bereit, das Projekt gemeinsam mit allen Beteiligten voranzutreiben.“

CDU-Fraktionsgeschäftsführer Niklas Kienitz

„Es scheint Ansätze für einen Ausbau in Müngersdorf zu geben, die jetzt intensiv verfolgt werden müssen. Das Thema muss darum als absolute Chefsache vorangetrieben werden. Wir begrüßen, dass der FC den positiven Dialog mit der Stadt fortführen will. Hier muss Oberbürgermeisterin Reker jetzt Führung übernehmen. Leider spricht der Umstand, dass die Stadtspitze und die städtische Tochter Kölner Sportstätten GmbH gleichzeitig Pressemitteilungen mit unterschiedlichem Tenor veröffentlichen, nicht dafür, dass die Stadt dem FC als starkem Verhandlungspartner auf Augenhöhe begegnen kann.“

Martin Börschel, SPD-Fraktionsvorsitzender

„Für eine geringere Erhöhung der Kapazität können die technischen und planungsrechtlichen Anforderungen offenbar erfüllt werden. Ein Ausbau im Einklang mit dem Lärm-, Baum-, Landschafts- und Denkmalschutz erscheint ebenso wie ein umweltverträgliches Verkehrskonzept machbar. Der Lärmschutz für die dort wohnende Bevölkerung und die Beibehaltung des Landschaftsschutzes sind für uns unabdingbar. Auch das zusätzliche Verkehrsaufkommen muss verträglich beherrschbar sein. Daher setzen wir auf einen umweltfreundlichen Verkehrsmix mit einem größeren Anteil für den öffentlichen Personen-Nahverkehr und den Radverkehr.“

Grünen-Fraktionsvorsitzende Kirsten Jahn

„Wir wollen dem FC helfen mit allem, was uns zur Verfügung steht – aber nur bei einer Lösung am angestammten Standort in Müngersdorf.“

FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite ...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta