Revolut will 50 Millionen Kunden – in fünf Jahren


Der Fünfjahresplan von Nikolay Storonsky ist alles andere als bescheiden: 50 Millionen Kunden soll sein Finanztechnologie-Start-up Revolut bis Ende 2022 zählen. Die erste Million ist ihm zwei Jahre nach dem Marktstart bereits sicher. Wie der 33-Jährige dem Handelsblatt bestätigte, hat die Banking-App diese Schwelle gerade durchbrochen.

Aktuell sollen pro Tag zwischen 3.000 und 3.500 neue Kunden hinzukommen. Dieses Wachstum ist zwar beachtlich, doch wenn es in dem Tempo weitergeht, hätte Storonsky in fünf Jahren bestenfalls knapp 7,5 Millionen Kunden. Er glaubt jedoch an eine weitere Beschleunigung. Dazu soll der Eintritt in neue Märkte beitragen. „Im kommenden Jahr werden wir nach Nordamerika, Asien, Australien und Neuseeland expandieren“, sagt der Unternehmer.

Revolut lockt seine Kunden vor allem mit Bankdienstleistungen, die günstiger zu haben sind als bei den traditionellen Instituten. Mit einem Revolut-Konto können Kunden über Länder- und Währungsgrenzen hinaus kostenlos Geld transferieren. Die Wechselkurse sollen dabei den Interbanken-Kursen entsprechen, zusätzliche Gebühren fallen nicht an. Optional gibt es dazu eine Prepaid-Mastercard. Aktuell ist das Angebot in 42 europäischen Ländern verfügbar, seit September auch in Deutschland.

Storonsky hat Revolut 2015 gemeinsam mit Vlad Yatsenko in London gegründet, der Gesellschafter und Technischer Direktor bei Revolut ist. Zuvor hat der gebürtige Russe Storonsky bei Lehman Brothers und als Derivatehändler bei der Credit Suisse gearbeitet. Er ist bekannt als Arbeitstier und sagt im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Eigentlich bin ich immer im Büro.“


Der internationale Währungsverkehr wird bislang noch von Banken und Dienstleistern wie Western Union und MoneyGram dominiert. Sie verlangen für den Geldtransfer meist hohe Gebühren. Fintechs bilden nun eine neue Gruppe von Wettbewerbern.

Ähnliche Leistungen wie Revolut bietet das ebenfalls aus London stammende Fintech Transferwise, das bereits 2011 gegründet wurde und nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Kunden hat. Bei beiden Unternehmen erhalten Kunden auch vollwertige Konten. Damit stehen sie zugleich im Wettbewerb mit Smartphone-Banken wie N26 oder Kontist. N26 hat innerhalb von zweieinhalb Jahren 500.000 Kunden gewonnen.

Revolut-Gründer Storonsky will aus seinem Fintech „ein Amazon fürs Banking“ machen – sowohl für Privatleute als auch für Unternehmer. Dafür hat er kürzlich eine europäische Vollbanklizenz bei der Aufsicht in Litauen beantragt. „Wir rechnen damit, dass wir die Lizenz im ersten Halbjahr 2018 erhalten“, sagt Storonsky. Damit will Revolut dann auch selbst Kredite vergeben. „Auf unserer Agenda steht außerdem die Einbindung von Kryptowährungen, eine Reiseversicherung und ein Investmentprodukt“, so der Gründer. Eine guthabenbasierte Mastercard gibt es bereits. „Wir wissen, was unsere Kunden wollen“, so Storonsky.



Um sich bei Verbrauchern bekannt zu machen, setzt Revolut auf ungewöhnliche Mittel. „Wir schalten keine Werbung und haben das auch in Zukunft nicht vor“, verspricht der Firmenchef. „Das Geld, das wir für Anzeigen beispielsweise an Google und Facebook zahlen müssten, investieren wir lieber in unsere Infrastruktur.“ Stattdessen setzt das Unternehmen auf Mund-zu-Mund-Propaganda und auf eigene Werbeaktionen. So hat das deutsche Team auf dem diesjährigen Oktoberfest in München nach eigener Aussage täglich mehrere Tausend Revolut-Mastercards verteilt. „Von den Interessenten werden aber nur diejenigen als Kunden gezählt, die sich mit der Karte auch bei uns angemeldet haben“, sagt Claudio Wilhelmer, der bei Revolut neben dem deutschen auch den österreichischen und den Schweizer Markt verantwortet.

Von den insgesamt eine Million Kunden soll die Hälfte aus dem Heimatmarkt Großbritannien stammen. In Deutschland sollen es 50.000 sein, in Frankreich schon 150.000. Bei Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 5,7 Milliarden Euro sollen Kunden bisher bereits 135 Millionen Euro Gebühren gespart haben – bei Kartenzahlungen im Ausland, dem internationalen Geldtransfer sowie beim Bargeldbezug an Automaten weltweit. Um selbst Gewinne zu erzielen, bietet Revolut einen kostenpflichtigen Premium-Account an.

KONTEXT

Tipps für erfolgreiche Fintech-Kooperationen

Flucht aus den vier Wänden

Ein eigenes Innovationslabor innerhalb eines Start-up-Ökosystems kann helfen, sich von organisatorischen und kulturellen Zwängen zu lösen. Komplett abgeschnitten von der Hauptorganisation sollte dies aber auch nicht sein, eine umsichtige Verbindung fördert den wirtschaftlichen Erfolg.

Schneller Anbindungsprozess

Große Organisationen sollten flexible Prozesse bereithalten, um Fintechs schnell einzugliedern.

Pragmatischer Umgang mit intellektuellem Eigentum

Lizenzbedingungen gewinnen an Bedeutung. Deshalb sollten Banken auch hier einen flexiblen Ansatz wählen.

Koordinierte Innovationsstrategie

Fintechs werden immer unterschiedlicher und Fintech-Zentren entwickeln sich global. Multinationale Banken brauchen deshalb einen koordinierten Plan und eine zentrale Wissensbasis, um die attraktivsten Innovationen zu identifizieren.

Die Partner kennen

Bevor Banken mit einem Fintech kooperieren, sollten sie die Gründer persönlich kennenlernen. Das bringt mehr Erkenntnisse als beispielsweise ein 200-seitiger Fragebogen.

Das richtige Investmentmodel

Zunächst einen Minderheitsanteil an einem Fintech zu erwerben kann sinnvoller sein als das junge Unternehmen gleich komplett zu übernehmen. So wird vermieden, dass Innovationen ausgebremst werden.

Quelle

Simmons & Simmons, Hyperfinance, April 2017