Revisionsgericht fordert noch längere Haft für türkischen Journalist Dündar

Das höchste türkische Revisionsgericht hat die fünfjährige Haftstrafe wegen Geheimnisverrats gegen den früheren "Cumhuriyet"-Chefredakteur Can Dündar laut einem Medienbericht als zu milde kassiert. Der derzeit in Deutschland lebende Journalist muss nach Auffassung des Gerichts wegen "Spionage" verurteilt werden, wie die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag meldete. In diesem Fall drohen Dündar 15 bis 20 Jahre Haft.

Dündar war im Mai 2016 unter dem Vorwurf des Geheimnisverrats zu fünf Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Grund war ein Artikel in "Cumhuriyet" aus dem Jahr 2014 über verdeckte Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien.

Dündar war gegen das Urteil in Berufung gegangen. Nachdem er während des Revisionsverfahrens auf freien Fuß gesetzt worden war, reiste er im Juli 2016 nach Deutschland aus. Er äußert sich in Texten und Interviews immer wieder kritisch über die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

In einer Stellungnahme in dem deutsch-türkischen Onlinemagazine "Özgürüz" erklärte Dündar, das Berufungsgericht werde nun Beweise suchen. "Aber die Beweise sind in der Zeitung, in den Nachrichten, die wir schrieben." Dündar ist Gründer des Onlinemagazins.