Rettung für den Riesenflieger


Die Fluggesellschaft Emirates hat einen Milliardendeal mit Airbus zum Kauf weiterer Passagiermaschinen vom Typ A380 erzielt. Sie erwerbe 20 zusätzliche Maschinen mit einer Option für 16 weitere A380, teilte die Airline am Donnerstag in Dubai mit. Die Flugzeuge haben einem Listenpreis von insgesamt 16 Milliarden Dollar (rund 13,1 Milliarden Euro). Die Auslieferung der Maschinen soll im Jahr 2020 beginnen.

Airbus bestätigte den Deal. Er sei am Donnerstagmorgen in der Emirates-Zentrale in Dubai unterzeichnet worden, teilte der Luftfahrtkonzern in einer Erklärung mit. Man freue sich über die Zusage von Emirates. Die Aktionäre zeigten sich erfreut: Die Airbus-Aktien legten mehr als zwei Prozent zu und notierten nahe ihrem Rekordhoch.

Der Wert der neuen Order nach Listenpreisen liegt bei 16 Milliarden US-Dollar, wobei satte Rabatte üblich sind. Angesichts einer zwischenzeitlich sehr verhaltenen Nachfrage nach dem riesigen Flugzeug bedeutet der Auftrag faktisch die Rettung für das Modell, über dessen Produktionsstopp seit Monaten öffentlich spekuliert wird.

Airbus zeigte sich nun überzeugt, dass der A380 bis „weit ins übernächste Jahrzehnt“ gebaut wird. Er erwarte weitere Bestellungen, sagte der scheidende Verkaufschef John Leahy. Noch am Montag hatte der Manager bekannt: „Ganz ehrlich: Wenn wir keinen Deal mit Emirates aushandeln können, gibt es glaube ich keine andere Wahl, als das Programm zu beenden.“ Jetzt haben Airbus und die Mitarbeiter Gewissheit, dass es mit der A380 weitergeht.


Als Mitte November die Dubai Air Show 2017 zu Ende ging, war die Enttäuschung bei Airbus noch riesig: Keine einzige Bestellung für seinen Riesen-Vogel A380 von Dubais Airline Emirates. Dafür hatte die weltgrößte Fluggesellschaft 40 Boeing 787-10 Dreamliners – also die Konkurrenz – bestellt. Emirates hatte von Europas Flugzeugbauer immer wieder gefordert, sich zu verpflichten, das A380-Programm nicht nur fortzuführen, sondern den Super-Jumbo auch technisch weiterzuentwickeln.

Im vergangenen Jahr lieferte Airbus zwar 15 Maschinen des Typs aus, verbuchte aber keine einzige Bestellung und kassierte obendrein zwei Stornierungen. Bis Ende vergangenen Jahres waren 222 Maschinen ausgeliefert; doch das Auftragsbuch schrumpfte – auf nur noch 95 Flugzeuge bis Mitte Januar. Airbus wollte die Produktion im laufenden Jahr vor dem Emirates-Auftrag auf zwölf Maschinen und 2019 auf nur noch acht A380 senken.

Vor allem für Airbus langjährigen Verkaufschef John Leahy war dies eine Blamage: Er hatte immer wieder die Hoffnung genährt, Emirates würde seine Flotte des fliegenden Doppeldeckers von aktuell 101 A380 (plus bisher 41 Bestellungen und Optionen) auf 178 erhöhen. Nun ist es quasi ein Abschiedsgeschenk seines Edelkunden aus den Vereinigten Arabischen Emiraten für den am Monatsende scheidenden 67-jährigen Amerikaner im Spitzenteam des europäischen Flugzeugbauers.

Er lässt Airbus und Emirates zurück mit dem Problem, welche Triebwerke den A380 künftig antreiben sollen. Rolls-Royce, dessen bisheriger Manager Eric Schulz am 1. Februar Leahys Job übernimmt, muss nach dem Willen von Emirates verbesserte Turbinen entwickeln, leiser, spritsparender und noch wartungsärmer. So zumindest heißt es in Dubai, man habe entsprechende Zusagen erhalten und deshalb nun für umgerechnet 13 Milliarden Euro Listenpreis geordert.


Bei der Produktion könnte Airbus auf bis zu sechs Flieger pro Jahr heruntergehen, sagte der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Fabrice Brégier. Airbus hat sich nie zu Kosten und Mitarbeitern des Programms geäußert. Allerdings dürfte die Produktion nach früheren Aussagen schon bei der anvisierten Reduzierung nicht mehr ganz kostendeckend sein, also jedes Jahr einen Verlust verursachen. Emirates hatte bisher – die neue Order noch nicht eingerechnet – insgesamt 142 A380 bestellt und mehr als 100 davon schon erhalten.

Zuletzt hatte Airbus für das Geschäftsjahr 2017 ebenfalls positive Nachrichten zu verkünden. So hängte der europäische Flugzeugbauer seinen größeren Rivalen Boeing aus den USA bei den Flugzeugbestellungen ein weiteres Mal ab. Glänzend verkauften sich allerdings vor allem die modernisierten Mittelstreckenjets aus der A320neo-Reihe.

Insgesamt verbuchte der Hersteller Aufträge über 1109 Verkehrsflugzeuge und damit 197 mehr als Boeing. Zwar blieben die Amerikaner mit 763 Auslieferungen auch 2017 der weltgrößte Flugzeugbauer. Airbus gelang mit einer Steigerung von 688 auf 718 ausgelieferten Maschinen dennoch ein eigener Produktionsrekord. Im laufenden Jahr könnten es dann an die 800 Flugzeuge werden, sagte Brégier. Damit würde Airbus endgültig an Boeings Thron wackeln.

Insgesamt zeichneten die Mittelstreckenjets wie üblich für den Löwenanteil bei Aufträgen und Auslieferungen verantwortlich. Airbus verbuchte Bestellungen über 926 „neos“ und 128 Jets aus der herkömmlichen A320-Modellfamilie. Für die zweistrahligen Langstreckenjets der Typen A330, A330neo und A350 kamen zusammen nur 57 Aufträge herein – für die vierstrahlige A380 kein einziger. Die Maschine kann in ihrer aktuellen Ausführung bis zu 853 Fluggäste befördern. Üblich sind etwa 544 Sitzplätze. Damit ist die A380 das größte Passagierflugzeug der Welt.


Boeings Konkurrenzmodell, der Jumbo-Jet 747-8, hat ähnliche Absatzprobleme und verkauft sich praktisch nur noch in der Frachtversion. Im Passagiergeschäft setzen Airlines inzwischen vor allem auf mittelgroße Langstreckenjets wie die Boeing 787 „Dreamliner“ und den Airbus A350, die sich auch auf weniger stark gefragten Strecken rentabel einsetzen lassen. So sieht sich Airbus auf Kurs, von seinem jüngsten Spross A350 von Ende 2018 an monatlich zehn Exemplare auszuliefern. 2017 waren es insgesamt 78 Maschinen.

Brégier und Leahy werden dann bei Airbus nicht mehr an Bord sein. So gibt der 67-jährige Leahy seinen Posten als Verkaufschef am 25. Januar nach rund 24 Jahren an den bisherigen Rolls-Royce-Manager Eric Schulz ab. Brégier verlässt den Konzern im ersten Schritt eines Management-Umbaus im Februar. Sein Nachfolger an der Spitze des Verkehrsflugzeug-Geschäfts wird der bisherige Chef der Hubschrauber-Sparte Guillaume Faury.