Rettung aus Afghanistan: Regierung plante Evakuierungsflüge im Juni – und stornierte kurz vor Abflug

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Derzeit fliegen Bundeswehrmaschinen Deutsche und afghanische Ortskräfte ins usbekische Taschkent, von wo sie mit Flugzeuge nach Deutschland besteigen
Derzeit fliegen Bundeswehrmaschinen Deutsche und afghanische Ortskräfte ins usbekische Taschkent, von wo sie mit Flugzeuge nach Deutschland besteigen

Die Rettung von Ortskräften aus Afghanistan hätte offenbar schon vor Wochen anlaufen sollen, scheiterte dann aber wegen bürokratischer Hindernisse, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Demnach sollten am 25. Juni zwei spanische Chartermaschinen 60 Ortskräfte und 300 Angehörige von Masar-i-Scharif, wo die Bundeswehr ihren letzten Standort hatte, nach Deutschland geflogen werden. Vier Tage später zogen die deutschen Soldaten von dort ab.

Doch zu den Flügen kam es nicht. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums liefert folgende Erklärung dafür: "Zu dem geplanten Durchführungszeitpunkt konnten die Voraussetzungen wie Pass und Visa für die sichere Abfertigung der möglichen Passagiere vor Ort nicht mehr erfüllt werden." Dabei sei es vor allem darum gegangen, die Ortskräfte und ihre Angehörigen zweifelsfrei zu identifizieren und vor der Ausreise zu prüfen, ob sie berechtigt seien, nach Deutschland zu kommen.

Besonders das Innenministerium von Horst Seehofer (CSU) hatte sich über Monate geweigert, das Verfahren für die Ortskräfte zu vereinfachen. Erst als sich die Lage zuletzt zuspitzte, soll Seehofer zugestimmt haben, das Verfahren könne auch in Deutschland nachgeholt werden. Doch die deutschen Soldaten vor Ort, die die Reisedokumente erstellen sollten, seien mit dem Abzug beschäftigt und hätten notwendige Geräte wie einen Biometrie-Scanner bereits nicht mehr zur Verfügung gehabt, heißt es. In der Folge wurden die Flüge am 22. Juni storniert. Die Kosten dafür belaufen sich auf 90.000 Euro. Daraufhin seien den Ortskräften und ihren Kernfamilien Einzeltickets für Linienflüge gegeben worden. Ob all diese Personen inzwischen Deutschland erreicht haben, konnte das Ministerium dem SZ-Bericht zufolge nicht beantworten.

Mittlerweile sind die Chancen für Afghanen das Land zu verlassen, rapide gesunken. Die Taliban kontrollieren die Zugänge zum Flughafen von Kabul, von wo die letzten rettenden Flüge ins Ausland starten. Aktuellen Berichten zufolge werden derzeit nur ausländische Staatsbürger zum Flughafen durchgelassen. Afghanen werden gezwungen im Land zu bleiben.

toh

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