Wieso längst nicht alle Kölner von Funkel begeistert sind

Reinhard Franke
·Lesedauer: 5 Min.

Friedhelm Funkel übernimmt als Trainer beim 1. FC Köln. Nach SPORT1-Infos löst der Trainerwechsel auch Streit aus. Peter Neururer glaubt fest an Funkel.

Der 1. FC Köln hat schnell reagiert und mit Friedhelm Funkel den neuen Cheftrainer und Nachfolger von Markus Gisdol gefunden, für den die 2:3-Heimniederlage am Sonntagabend gegen Mainz 05 bei den Geißböcken das letzte Spiel an der Seitenlinie war.

2019 war Gisdol gekommen und rettete den FC anschließend vor dem Abstieg, im vergangenen Sommer verlängerte Sportvorstand Horst Heldt den Vertrag vorzeitig bis 2023 - nun aber folgte die Trennung.

Der FC belegt nach 28 Spieltagen Rang 17 und liegt drei Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz. Es brennt am Geißbockheim. Funkel wird für die letzten sechs Spiele übernehmen. Auch im Falle des Klassenerhalts wird er danach jedoch nicht weitermachen.

Friedhelm Funkel wird zum zweiten Mal Cheftrainer beim 1. FC Köln. (Bild:Reuters)
Friedhelm Funkel wird zum zweiten Mal Cheftrainer beim 1. FC Köln. (Bild:Reuters)

Am Montagvormittag gab es ein Treffen zwischen ihm und Heldt. Man einigte sich schnell. Die Mission Rettung wird Funkel fürstlich vergütet, die Rede ist von einer Million Euro. Funkel wurde nach SPORT1-Informationen schon vor einigen Wochen über einen Mittelsmann des Vereins angefragt, ob er helfen wolle. Er hatte schon damals Lust auf die Mission Klassenerhalt.

Köln-Ikone Engels ist skeptisch

Stefan Engels, von 1978 bis 1989 für den FC aktiv, ist skeptisch, ob die Entscheidung gegen Gisdol die richtige ist. Die Zeit drängt, die Frage, ob die Trennung nicht zu spät kommt, beantwortet Engels klar: "Die Entlassung von Gisdol kommt für mich nicht zu spät, wir hätten das Spiel gegen Mainz auch gewinnen können. Der FC war nicht die schlechtere Mannschaft, es fehlte nur das Spielglück." 

Der 60-Jährige ergänzt: "Die Jungs haben alles gegeben, auch in Wolfsburg eine Stunde wirklich gut gespielt. Ich glaube auch nicht, dass die Spieler, die in der 2. Reihe stehen und gefrustet sind, jetzt beim neuen Trainer auf den Platz kommen und weiterhelfen werden. Sie haben nicht umsonst in der Vergangenheit nicht gespielt."

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Er habe immer ein Team gesehen, "das dem Trainer gefolgt ist und deswegen ist der Trainerwechsel für mich nicht zu spät. Ich hätte mit Gisdol weitergemacht. Es bleiben jetzt nicht viele Trainer übrig und man weiß, was man bekommt, wenn man Friedhelm Funkel holt. Dass er auf die Defensive achtet und mit schnellen Spielern kontern will, ist sein Ansatz. Zuerst einmal ist Friedhelm als Abwehr-Spezialist bekannt. Ob wir das Personal für seine Spielphilosophie haben, da bleibe ich skeptisch, hoffe aber natürlich, dass wir die Klasse halten."

Köln: Zoff in der Chefetage

Nach SPORT1-Informationen wollten einige Herren in der Chefetage das Duo Funkel und Peter Hermann. Beide haben bei Fortuna Düsseldorf erfolgreich zusammengearbeitet. Es soll intern Diskussionen gegeben haben, ob Funkel die Mission Klassenerhalt alleine überhaupt schafft. Doch Hermann ist seit zwei Wochen interimsmäßig Co-Trainer von Hannes Wolf bei Bayer Leverkusen und nicht zu bekommen.

SPORT1-Experte Peter Neururer glaubt dennoch an den Erfolg mit Funkel.

"Ob die Entlassung zu spät kommt, will ich nicht beurteilen. Friedhelm muss ich gar nichts raten, er hat genug Erfahrung als Trainer. Ich wünsche ihm viel, viel Glück für diese schwere Mission", sagt der 65-Jährige SPORT1 und ergänzt: "Der FC ist mir seit Kindesbeinen ans Herz gewachsen und ich wünsche dem Klub mit Friedhelm alles Gute. Er hat schon oft gezeigt, dass er ein Retter sein kann, jetzt wünsche ich ihm, dass er das auch in Köln wieder zeigt. Ich habe zu Saisonbeginn getippt, dass der FC mit Gisdol die Klasse halten wird, mit Friedhelm wird das mit Sicherheit gelingen."

Umdenken bei Funkel

Kürzlich hatte Funkel im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 bereits ein Umdenken angedeutet, was eine eventuelle Fortsetzung seiner eigentlich bereits für beendet erklärten Trainerkarriere anging.

"Ich würde nicht ausschließen, irgendwann kurzfristig zu helfen, wenn Interesse besteht", sagte Funkel Mitte März für den Fall, dass ein Bundesligist bei ihm anfragen sollte. Dass der langjährige Bundesligatrainer überhaupt noch einmal ins Grübeln kam, lag offenbar auch an Corona.

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"Aufgrund der Pandemie hat sich meine Situation ja verändert, nachdem ich gesagt habe, ich mache keinen Trainer mehr. Ich wäre ja im Normalfall irgendwo mit meiner Frau im Urlaub oder schon ein paar Mal im Urlaub gewesen, aber das geht ja alles nicht", hatte Funkel vor zwei Wochen bei Sky erklärt.

Erst am vergangenen Freitag bestätigte Funkel sein grundsätzliches Interesse an einem weiteren Trainerjob in der Bundesliga.

"Wenn sie etwas mit mir zu klären haben, werden sie sicherlich auf mich zukommen", sagte er der Rheinischen Post. "Ich habe ja schon einmal gesagt, dass es mich durchaus noch einmal reizen würde, an der Seitenlinie zu stehen. Ob sich ein Projekt auch tatsächlich realisieren lässt, muss man sehen, wenn es so weit ist. Ich muss nichts mehr annehmen, ich kann. Das ist ein ungeheurer Luxus."

Funkel hatte auch Anfrage von Schalke 04

Funkel hatte in der laufenden Saison bereits eine Anfrage von Schalke, wie er im März im CHECK24 Doppelpass verriet. "Es hat vor einigen Wochen mal über einen Mittelsmann Kontakt zum FC Schalke gegeben", erklärte Funkel damals: "Das ist aber schon einige Wochen her. Das ist nach der Beurlaubung von Manuel Baum gewesen."

Nach SPORT1-Informationen galt Funkel schon Ende Januar als möglicher "Feuerwehrmann" im Falle einer Entlassung Gisdols. Dieser hatte allerdings in der Folge immer wieder in richtungsweisenden Spielen seinen Kopf aus der Schlinge gezogen.

Das gelang im Spiel gegen den direkten Abstiegskonkurrenten aus Mainz am Sonntagabend jedoch nicht mehr.

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