Reporter ohne Grenzen: "Cumhuriyet"-Prozess ist "hanebüchen"

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat den am Montag in Istanbul beginnenden Prozess gegen Mitarbeiter der Zeitung "Cumhuriyet" als "hanebüchen" bezeichnet. Das Verfahren sei "an Absurdität nicht zu überbieten, denn was all diese Journalisten verbindet ist, dass sie in erster Linie unabhängig berichtet haben", sagte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, dem Radiosender Bayern 2.

Für Reporter ohne Grenzen hätten sie kritisch gegen die regierende AKP und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan berichtet. "Und das wird hier versucht auszumerzen", sagte Mihr, der als Beobachter nach Istanbul gereist ist. Aus Sicht seiner Organisation handele es sich auch um "einen symbolischen Prozess".

"Cumhuriyet" sei die älteste Zeitung der Türkei und habe "ihre Flagge für die Pressefreiheit in der Türkei immer hochgehalten". Für Reporter ohne Grenzen sei es deshalb wichtig, in Istanbul "Flagge zu zeigen und den Kollegen den Rücken zu stärken und zu sagen: Wir vergessen Euch nicht".

"Cumhuriyet" sei nicht die einzige regierungskritische Zeitung in der Türkei, sagte Mihr. "Es gibt erfreulicherweise noch mehr und deshalb ist es auch wichtig, dass wir die Pressefreiheit in der Türkei nicht für tot erklären", sagte er.

Vor Gericht in Istanbul stehen ab Montag mehrere inhaftierte Journalisten der "Cumhuriyet". Zu den angeklagten Mitarbeitern des regierungskritischen Blatts zählen unter anderen der derzeitige Chefredakteur Murat Sabuncu, der langjährige Kommentator Kadri Gürsel und der Karikaturist Musa Kart. Ihnen wird die Unterstützung "terroristischer Gruppen" vorgeworfen.