Reportage: Weserstraße in Neukölln: Zwischen Nostalgie und Aufbruch

Er hat hier seine Bühne: Michael Brenncke (M.) betreibt an der Weserstraße das Theater im Keller, ein Travestietheater. Über die Touristen freut er sich

Geboren am 9. September 1899, 1710 Meter lang, 156 Wohnhäuser, viele Gesichter: Früher und heute, Montag, Sonnabend oder Sonntag. Morgens, mittags, abends, nachts. Die Weserstraße wird gehasst und geliebt und verklärt und verdammt. Sie ist Bühne für Romanzen, Komödien und für Dramen. Für Rechte, Linke, Touristen und Hipster.

Manchmal spuckt ein Fernbus eine Ladung Touristen aus, die dann in sie einfallen. Weil sie in allen Reiseführern steht. Weil alle denken, das ist jetzt der Place to be. Sie geben Geld im Tattoostudio aus oder im Vintage-Laden. Sie trinken Matcha Latte, Fairtrade, Cocktails oder zu viel Bier, sie grölen oder köpfen Piccolos, die dann offen auf der Straße liegen.

Diese Leute haben der Weserstraße ein neues Gesicht gegeben. Aber das andere, alte, ist auch noch da. Echt, rough, dirty. Launische Tresenfrauen zapfen Frühschoppen in der Eckkneipe. Heruntergekommene Bauten brechen sanierte Häuserketten auf.

Aber von vorn. Dort, am Kottbusser Damm, hat die Weserstraße nicht viel zu melden. Da steht neben einer Volksbank, weißes V auf Blau-Orange, nicht viel. Eigentlich fängt die Weserstraße erst einen Block weiter hinten an, beim Wesereck. Ein Bierbauchträger grummelt in seinen Bart, die Frau am Tresen will auch ihre Ruhe haben. Auch wenn immer mehr Studenten und Touristen zum Vorglühen oder auf einen Absacker kommen, sind die Stammgäste, "echte Neuköllner", noch da.

Bild Nr. 1:

Die eröffnung eines Bioladens im Kiez brachte die leute auf die Barrikaden

Zum Glück, sagt Marion Ziehr...

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