"Report Mainz": Mehr als 1500 Stellen im Strafvollzug nicht besetzt

Im Strafvollzug sind nach Recherchen von "Report Mainz" über 1500 Stellen nicht besetzt. Laut einer Umfrage unter den Justizministerien der 16 Bundesländer haben vor allem die Stadtstaaten Besetzungsprobleme, wie das ARD-Magazin am Dienstag berichtete. Allein in Berlin seien derzeit nach städtischen Angaben 279 Stellen unbesetzt - damit fehle jeder zehnte vorgesehene Beamte. Auch in Hamburg sei fast jede zehnte Stelle unbesetzt.

Zudem ist dem Magazin zufolge der Krankenstand unter den Bediensteten des Strafvollzugs überdurchschnittlich hoch. So fallen demnach in Brandenburg pro Jahr nach Angaben des Landesjustizministeriums durchschnittlich 17 Prozent der Bediensteten krankheitsbedingt aus, in Berlin 16 Prozent. Insgesamt sind im Strafvollzug in Deutschland knapp 30.000 Planstellen vorgesehen.

Angesichts der Personalknappheit klagen laut dem Bericht zahlreiche Häftlinge über fehlende Resozialisierungsangebote in den Justizvollzugsanstalten. So würden in der Justizvollzugsanstalt Diez in Rheinland-Pfalz zum Beispiel regelmäßig soziale Angebote wegfallen, weil es an Personal fehle. Das Justizministerium in Rheinland-Pfalz bestätigte dem Magazin zufolge, dass es personalbedingt Auswirkungen auf die Gestaltung der Behandlungs- und Freizeitangebote der Gefangenen geben könne.

Ein ehemaliger Häftling beklagte im Interview mit "Report Mainz", dass er mehr als ein Jahr lang auf einen Kurs zur Alkoholtherapie habe warten müssen - obwohl er wegen alkoholbedingter Straftaten verurteilt worden war und sich therapiewillig zeigte. "Da passiert auch keine Wiedereingliederung, keine Resozialisierung, wie es so schön heißt. Es wird dir nicht geholfen. Wenn du Hilfe möchtest, musst du dir selber helfen."

Der Strafvollzugsexperte Bernd Maelicke sprach sogar von Staatsversagen: Dies gefährde sowohl die Sicherheit als auch die Qualität von Resozialisierung. "Beide Aufgaben des Gefängnisses werden damit gefährdet oder können nicht optimal erfüllt werden", Maelicke.