Reolink Argus Review

Sascha Koesch
(engadget)


Ich gebe zu, ich bin nicht paranoid. Aber wenn die Welt um einen herum schon immer mehr Überwachung einsetzt, kann man ja selber auch mal mitrüsten. Meine letzten Erfahrungen mit Überwachungskameras sind noch aus der Zeit, als man Webkameras an Standrechner angeschlossen hat und sich über eine E-Mail hat benachrichtigen lassen, um ein verschwommen pixelig, ruckeliges Bild zu bekommen, das meistens gar nichts zeigte, außer einem Fehlalarm. Das Prinzip der Reolink Argus ist natürlich ähnlich, aber schon beim Auspacken fällt einem auf, das es hier nicht nur edler und eleganter zugeht, sondern irgendwie entwickelt man auch gleich mehr Vertrauen.



Auch wenn man beim Öffnen des Kartons, dem Anblick der Schrauben und Dübel, den wenigen Kleinteilen erst mal ein kleines "Puh" ausstößt, beim Gedanken daran, was das nun alles wieder für Installationskünste erfordert, die Installation dieser Überwachungskamera war die smootheste Erfahrung seit Langem. Überhaupt.



Man zieht die blaue Folie von der Linse und dem Sensor, setzt die vier Batterien im etwas ungewöhnlichen CR 123A Fotobatterie-Format ein (gut sicher wirkender Verschluss übrigens, der dennoch leichtgängig ist), stellt die Kamera auf den massiven Magnetfuß (Wandinstallation kann man dann später tun) und schon begrüßt sie einen, mit Worten! App aus dem Store ziehen, damit den QR-Code scannen, von der Argus den QR-Code auf dem Smartphone scannen lassen, durch ein paar Menu-Punkte klicken (immer geleitet von der Stimme der Kamera), fertig. Überwachung läuft! Geschmeidiger kann ich mir das gar nicht vorstellen und obendrein vermittelt es sofort das Gefühl, dass die Sicherheit hier gut bedacht wurde.





Der Stream in der App ist gestochen scharf, wenn man mag kann man aus der Kamera heraus sprechen (sehr deutlich), an der Seite gib es einen Schlitz für eine microSD-Karte für die Überwachungsaufnahmen und da sie komplett auf Batterie läuft ist sie quasi universell dort einsetzbar, wo es WiFi gibt. Und dann beginnt das Warten. Denn sinnvollerweise stellt man die Kamera ja da auf, wo nur ab und an jemand vorbeiläuft. Die Sensitivität lässt sich in drei Stufen einstellen (4/6/8 Meter für bewegende Objekte). Um falschen Alarm zu vermeiden soll man die Kamera nicht auf Lampen richten und den Winkel gut anpassen (der Sensor hat 120°).



Apropos Alarm. Es gibt nicht nur die Möglichkeit Push-Nachrichten zu bekommen, sondern man kann sich auch über E-Mail informieren lassen, wenn vor der Kamera Action ist. Natürlich nimmt sie dann intern auf, wenn man will. Aber man kann auch jederzeit Live reinschalten, Videos oder Fotos selber schießen, Zeitpläne einrichten, wann die Kamera was tun soll und eine Sirene lässt sich auf der Kamera auch noch einstellen, falls man wirklich jemand zusätzlich erschrecken will.



Die Batterie soll bis zu 180 Stunden im Standby aushalten und in Aktion 840 Minuten. Für besonders nervöse Überwacher empfiehlt es sich also, sich diese Foto-Batterien aufladbar zu kaufen, es wird aber ein Set mitgeliefert. An Strom lässt sie sich nicht anschließen. Als Beilagen gibt es neben dem sehr schweren und stabilen magnetischen Standfuß, den man auch irgendwo verschrauben kann, zusätzlich einen Ständer mit einem Gewinde, der sich auch an kniffligeren Positionen in der Wand verschrauben lässt.



Und man muss nicht nur auf eine dieser Kameras setzen, sondern kann bis zu 16 in einer einzigen App gleichzeitig überwachen. Das geht sowohl auf Android, iOS als auch auf dem Rechner, wobei hier die Installation etwas kniffliger ist und man wohl dazu neigt, zu oft reinzusehen und die Batterie schnell zu leeren.





Die Videoqualität ist mit 1080p sehr gut und man kann wählen zwischen besonders flüssiger Aufnahme oder gestochen scharf. Aufgenommene Passagen besonders spannender Einbruchsversuche kann man sich natürlich auch über die App recht übersichtlich ansehen, wobei die Timeline auf der sie verzeichnet sind, vielleicht nicht die beste Darstellung ist, ansonsten lässt die App aber an Übersichtlichkeit wenig zu wünschen übrig, auch wenn das Design etwas ausgeglichener wirken könnte.



Nachts wird Infrarot hinzugeschaltet und man sieht wirklich alles, selbst bei kompletter Abwesenheit von Licht, was durch einen Ring von LEDs ermöglicht wird, die rings um die Kamera sitzen. Die Audioqualität ist auch in Ordnung, allerdings ist der eingebaute Lautsprecher nicht sonderlich laut, so dass ein Einsatz z.B. als Videogegensprechanlage sicher weniger sinnvoll ist, wenn man die Kamera auf einer befahrenen Straße positioniert. Dort wäre aber auch die Bewegung der Autos etwas irritierend, auch wenn man die Sensitivität gut einstellen kann. Wind und Wetter interessieren die Kamera wenig, da sie mit IP65 ziemlich gut geschützt ist. Bemerkbar gemacht hat sich mein Argus in seiner Testphase ziemlich zuverlässig bei Bewegungen, die Fehlmeldungen hielten sich in sehr engen Grenzen.





In den USA kostet die Reolink Argus 100 Dollar, in Kürze soll sie auch in Deutschland über Amazon erhältlich sein. Den genauen Preis kennen wir noch nicht. Sollte es aber bei diesem Preis bleiben, dann ist das eine wirklich lohnende rundum sorglos Investition die sich für jeden lohnt, der sich ein wenig mehr Sicherheit zu Hause wünscht oder einfach nur die Hauskatzen in ihrem natürlichen Habitat beobachten möchte, wenn er mal nicht daheim ist.

Reolink