Renten am Morgen: US-Präsident als Treiber für die Bondkurse

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Bis zum Handelsschluss am Dienstag haben die Staatsanleihen aus dem Euroraum und die Treasuries einen Großteil ihrer Kursgewinne gehalten, obwohl während der europäischen Handelsstunden eine Risk-on-Stimmung vorherrschte. Dabei verzeichneten die Papiere aus den Kernländern eine Outperformance gegenüber den übrigen Bonds aus anderen Euroländern. Zugleich wurden die Zinskurven etwas flacher.

An den Bondmärkten spielte die Verunsicherung aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie mit der Virusmutation offensichtlich eine größere Rolle als an den Aktienmärkten.

Die Anleger werden am heutigen Mittwoch einmal mehr den Fortgang der Gespräche zwischen der Europäischen Union und Großbritannien im Hinblick auf ein Freihandelsabkommen verfolgen. Ausgang: ungewiss. Die Aussagen des EU-Verhandlungsführers, wonach bis Weihnachten ein Abkommen erreichbar sei, sind letztlich nur Wiederholungen von Bekanntem.

Seit Monaten wird davon gesprochen, es könne zu einer Vereinbarung kommen, ohne dass etwas Zählbares dabei heraus kam. Immerhin will Frankreich seine Grenzen für die Verkehre mit Großbritannien wieder öffnen, so dass die Versorgung der Insel auch auf dem Landweg wieder sichergestellt ist. Große Reaktionen an den Bondmärkten wird das jedoch nicht hervorrufen.

Dazu müssten sich die Unterhändler auf ein Freihandelsabkommen verständigen. Aber selbst dann dürften sich Reaktionen an den Bondmärkten in Grenzen halten. Schließlich müsste es noch von allen EU-Ländern sowie dem EU-Parlament ratifiziert werden. Da die britische Seite eine Verlängerung der Übergangsfrist bisher kategorisch ausschließt, nimmt die Wahrscheinlichkeit für den Austritt ohne Handelsabkommen zu.

Für noch mehr Verunsicherung als die ungeklärte Frage nach einem Handelsabkommen sorgt die Aussage des US-Präsidenten, dass er das von Demokraten und Republikanern ausgehandelte Fiskalpaket in der aktuellen Form nicht unterzeichnen wolle. Er verlangt Nachbesserungen. Ob sich der Kongress darauf einlassen wird, ist völlig offen. Bislang scheinen die Finanzmärkte davon auszugehen, dass der US-Präsident das Paket doch noch unterschreiben wird. Die Verluste der US-Aktienfutures sind ebenso gering wie die Renditerückgänge bei den Treasuries im frühen asiatischen Handel.

Die Demokraten planen zwar, am Donnerstag eine Abstimmung im Repräsentantenhaus über den Gesetzentwurf mit einer Erhöhung der Zahlung an die berechtigen Haushalte vornehmen zu lassen. Die Position des republikanisch dominierten Senats ist jedoch unbekannt. Gerade die Republikaner wehrten sich bislang gegen höhere Ausgaben. Zudem droht ohne Unterzeichnung des Gesetzes ab dem 29. Dezember um Mitternacht ein Shutdown der öffentlichen Verwaltung. Bis dahin ist die Finanzierung durch einen Überbrückungshaushalt gesichert. Es dürfte über Weihnachten also sehr unruhig in Washington werden.

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Daher dürften die Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraum mit leichten Kursgewinnen in den Mittwoch starten. Die Underperformance der Peripherie sollte sich fortsetzen. Sofern sich die Weigerung des US-Präsidenten im Lauf des Mittwochs erhärten wird, das Fiskalpaket nicht zu unterzeichnen, dürften die Anleihen aus den Kernländern Kursgewinne weiter ausbauen.

Konjunkturdaten

Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum werden erneut kaum eine Bedeutung für die Bewegung der Renditen der Staatsanleihen haben. Von lokalem Interesse werden allenfalls die italienischen Stimmungsindikatoren aus dem Dezember sein. Sofern Prognosen für ihre Werte vorliegen, werden sie weitestgehend unverändert zum Vormonat erwartet. Sofern es tatsächlich keine Stimmungsverschlechterung geben sollte, dürften die Kurse der italienischen Staatspapiere nach Veröffentlichung der Daten kurzzeitig ganz leicht nachgeben.

Aus dem sehr gut gefüllten US-Datenkalender werden die wöchentlichen Daten zum Arbeitsmarkt, die Einkommenssituation der US-Bürger sowie die Zahl verkaufter Neubauten am meisten Interesse auf sich ziehen. Aus den Arbeitsmarktdaten dürfte hervorgehen, dass sich der Arbeitsplatzaufbau zusehends verlangsamt. Die US-Notenbanker, die immer wieder vor der fragilen Situation auf dem Arbeitsmarkt warnten und den endgültigen Wegfall vieler Stellen im Niedriglohnsegment erwarteten, dürften sich bestätigt fühlen.

Die Schwäche des Arbeitsmarkts bleibt auch nicht ohne Folgen für die persönlichen Einkommen und Ausgaben, die für den privaten Konsum sehr viel Bedeutung haben. Beide Werte sollen gemäß der Volkswirteschätzungen im November rückläufig ausgefallen sein, was zumindest einen Teil der schwachen Einzelhandelsumsätze erklären würde. Fallen gegen Ende des Jahres weitere staatliche Zahlungen weg, dürfte sich die Situation der privaten Haushalte in den USA weiter verschlechtern.

Sowohl die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten also auch die Einkommenssituation der Verbraucher sollten den Treasury-Kursen Auftrieb geben, wenn sie so ausfallen wie geschätzt.

Immerhin hält der Boom am Immobilienmarkt an. Die Zahl verkaufter Bestandsimmobilien fiel im November zwar, was aber unter anderem auf den starken Preisanstieg und die mangelnde Verfügbarkeit von Objekten zurückzuführen ist.

Der Immobilienmarkt profitiert vor allem von den niedrigen Hypothekenzinsen. Das sollte sich bei der Zahl verkaufter Neubauten im November ebenfalls zeigen. Sie soll auf hohem Niveau verharren. Größere Auswirkungen auf die Treasury-Renditen werden diese Daten jedoch nicht haben, da offen ist, ob sich der Immobilienboom in den kommenden Monaten ohne weitere Aufhellung der wirtschaftlichen Perspektiven in den USA fortsetzen wird.

Primärmarkt

Die Aufstockung des aktuellen 2-jährigen Floaters um 24 Milliarden Dollar durch das Treasury wird ohne Schwierigkeiten und Zugeständnisse zu platzieren sein. Durch die auf absehbare Zeit fixierte Fed Funds Zielzone sind kaum Flukuationen am kurzen Ende der US-Zinskurve zu erwarten, was die Aufnahme der Bonds unterstützen wird.

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