Renten am Morgen: US-Notenbanker holen den Geist aus der Flasche

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Montag war einer der seltenen Tage, an denen Staatsanleihen aus dem Euroraum und Treasuries nicht von einem Risk-off profitiert haben. Vielmehr mussten die Staatspapiere aus dem Euroraum Renditeanstiege zwischen zwei und fünf Basispunkten bei gleichzeitig steiler werdenden Zinskurven hinnehmen. Die durchaus überraschende Bewegung dürften auf drei Ursachen zurückzuführen sein.

Dem Reflation Trade konnten sich insbesondere die Anleihen aus den Kernländern nicht vollständig entziehen - trotz Abschirmung durch die EZB und unterschiedlicher Konjunkturerwartungen. Das hohe Durationsangebot, das heute auf die Investoren zukommen wird, dürfte trotz der Aufnahmebereitschaft der mit hohen Liquiditätsbeständen ausgestatteten Anleger ebenfalls auf die Notierungen gedrückt haben. Zudem wird mit weiteren Syndizierungen im Laufe der Woche gerechnet.

Mit italienischen und griechischen Staatsanleihen wiesen die Emissionen der beiden bonitätsschwächsten Euroländer innerhalb der Peripherie die stärksten Renditeanstiege auf. Dabei kann es sich durchaus um ein paar Gewinnmitnahmen gehandelt haben.

Schließlich hatten die Staatsanleihen beider Länder in 2020 eine ausgezeichnete Performance hingelegt. Zudem erreichte die Rendite der 10-jährigen BTPs am vergangenen Freitag innerhalb des Tages einen neuen Tiefstand.

Das Volumen der Käufe an öffentlichen Anleihen im Rahmen von PSPP und PEPP fiel aufgrund der Rumpfwoche, die durch die Daten per Ende vergangenen Woche erfasst wurde, nicht sonderlich hoch aus.

Der Bestand an öffentlichen Anleihen beim PSPP sank erneut um 0,5 Milliarden Euro. Im Zuge des PEPP wurden jedoch immerhin in den ersten Handelstagen des Jahres 8,8 Milliarden Euro angekauft. Zudem müssen noch Fälligkeiten aus den Vorwochen ausgeglichen werden. Ein vollständigeres Bild über die EZB-Aktivitäten dürfte es erst mit den Daten für die laufende Woche geben.

Im Fokus der Investoren werden heute Aussagen der US-Notenbanker sowie potenzielle neue Informationen zu dem nächsten US-Fiskalpaket stehen. Mit Esther George und Eric Rosengren (nicht stimmberechtigt) werden sich zwei Notenbanker zu den wirtschaftlichen Entwicklungen in den USA äußern. Ihr Bild dürfte sich allenfalls geringfügig von demjenigen der übrigen US-Notenbanker unterscheiden. Außerdem wird sich Lael Brainard (stimmberechtigt) erstmals in diesem Jahr zu Wort melden. Freilich ist offen, ob sie auf einem Symposium zur Artificial Intelligence das Thema streifen wird, das die Finanzmärkte am meisten interessiert - die Zukunft der Anleihekäufe durch die Fed.

Am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag wiederholten sowohl Raphael Bostic als auch Robert Kaplan ihre Einschätzungen zum Tapering. Dieser Geist wird sich nicht mehr in die Flasche zurückdrängen lassen, es sei denn, die wirtschaftlichen Perspektiven der USA würden sich über das erste Halbjahr 2021 noch einmal dramatisch verschlechtern. Der Anstieg der Treasury-Renditen dürfte also noch nicht zu Ende sein. Die US-Zinskurve zwischen 10 und 2 Jahren, die sich im frühen Handel asiatischen Handel auf mehr als 100 Basispunkte ausweitete, dürfte also ebenfalls noch steiler werden.

Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel deuten auf eine Fortsetzung der Kursschwäche der Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums hin. Allerdings könnte es bei einer Rendite von um -0,5% für 10-jährigen Bunds doch zu ersten Käufen kommen.

Der Tag mit Bloomberg: Mehr Vorsicht bei Investoren; Gold steigt

Die Peripherie dürfte mit Ausnahme italienischer Staatsanleihen behauptet in den Tag starten. Die BTPs dürften unter leichtem Abgabedruck bleiben. Die politischen Querelen um die Verwendung der Mittel aus dem Aufbaufonds scheinen immer noch nicht gelöst zu sein, da die Überlegung des Parteichefs von Italia Viva, Matteo Renzi, die Regierungskoalition zu verlassen, anhalten. Allerdings kann auch Renzi kein Interesse an Neuwahlen haben, da dann die rechtsgerichteten Parteien wohl die Regierungsmehrheit erreichen könnten.

Konjunkturdaten

Der Datenkalender enthält erneut keine Informationen, die die Rentenmärkte stärker bewegen könnten. Am Mittag wird lediglich der Stimmungsindikator zu beachten sein, der den Sentiment der Kleinunternehmer in den USA misst. Sie sollen im Dezember etwas pessimistischer geworden sein. Reaktionen an den Bondmärkten wird das nicht auslösen, da alsbald mit einem zusätzlichen Konjunkturpaket gerechnet wird, das gegen die Schwächen der US-Wirtschaft vorgeht.

Primärmarkt

An geplanten Auftritten am Kapitalmarkt steht heute die Aufstockung der niederländischen Staatsanleihe mit Laufzeit Januar 2052 um bis zu 2 Milliarden Euro auf der Agenda. Größere Schwierigkeiten sollte es bei der Platzierung des Bonds aufgrund der anhaltend starken Nachfrage nach neuem Material nicht geben.

Auch Österreich wird mit der Anhebung des umlaufenden Volumens von zwei Anleihen an den Start gehen. Angeboten werden den Investoren Laufzeiten bis Februar 2030 und März 2051. Mit der Konzentration auf das lange Kurvenende sollen bis zu 1,38 Milliarden Euro bei den Investoren eingeworben werden. Auch diese Aufstockungen dürften die Aufnahmebereitschaft der Kapitalmärkte kaum vor Herausforderungen stellen, zumal das 30-jährige Papier eine positive Rendite aufweist.

Außerdem wird die deutsche Finanzagentur zwei Linker aufstocken. Von der 2030er Laufzeit sollen zusätzliche 200 Millionen Euro platziert werden, von der 2046er 400 Millionen Euro.

Der Zug “syndizierte Platzierungen” kommt auch in Fahrt. Am Montag mandatierte Belgien ein Konsortium für die Begebung einer neuen 10-jährigen Anleihe. Reaktionen zeigten die belgischen Renditen auf die Ankündigung hin nicht, so dass von einer reibungslosen Platzierung mit großem Orderbuch ausgegangen werden kann. Die Renditeanstiege der Eurolandbonds bis zum Handelsschluss am Montagabend dürften ebenfalls dazu beitragen, dass alle Emissionen gut aufgenommen werden.

Zu den Kapitalmarktemissionen kommen zahlreiche Geldmarkttransaktionen. Das belgische Schatzamt plant mit Laufzeiten von vier und zwölf Monaten zusammen bis zu 3,2 Milliarden Euro einzunehmen. Das finnische Treasury wird Laufzeiten von sieben und elf Monaten anbieten. Das Platzierungsvolumen beträgt bis zu 2 Milliarden Euro.

Italien geht mit einem 12-Monatspapier an den Start, das einen Umfang von sieben Milliarden Euro hat. Spanien wird den Anlegern zwei Papiere mit sechs und zwölf Monaten Laufzeit anbieten. Das Emissionsvolumen beträgt maximal 6,5 Milliarden Euro. Slowenien wird Papiere mit drei, sechs und zwölf Monaten Laufzeit anbieten.

Dem stehen große Fälligkeiten in den nächsten Tagen gegenüber: Belgien mit 9 Milliarden Euro, Finnland mit 4 Milliarden Euro, Italien 7 mit Milliarden Euro, Spanien mit 8,5 Milliarden Euro und Slowenien mit 92 Millionen Euro. Dementsprechend wird der Anlagedruck auf dem Geldmarkt noch zunehmen.

Am Abend wird das Treasury die nächste Runde Kapitalmarktfinanzierung starten. Nach dem erfolgreichen Verlauf der Emission der 3-jährigen T-Notes steht mit der Aufstockung der aktuellen 10-jährigen T-Notes um 38 Milliarden Euro eine viel größere Herausforderung auf der Agenda. Die anhaltenden Reflation Trades werden Renditezugeständnisse erfordern, so dass das lange Laufzeitsegment der US-Zinskurve erneut unter Abgabedruck stehen dürfte.

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