Renten am Morgen: Spreadeinengungen sind wahrscheinlich

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Spreadeinengungen sind wahrscheinlich

(Bloomberg) -- Während Staatsanleihen aus den Kernländern nach leichten Kursgewinnen zu Handelsbeginn am Freitag letztlich kaum geändert in das Wochenende gegangen sind, haben die Kurse der italienischen Staatsanleihen über die gesamte Kurve deutlich zugelegt. Die Bonds von der iberischen Halbinsel verbuchten zwar ebenfalls Renditerückgänge, sie fielen im Vergleich zu ihren italienischen Pendants jedoch bescheiden aus.

Die Sorgen vor den Auswirkungen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts wurden in den Hintergrund gedrängt. Die weitere Aufhellung des Risikosentiments dürfte die Peripheriebonds ebenfalls gestützt haben.

Der katastrophale US-Arbeitsmarktbericht hinterließ dagegen keine Spuren, obwohl die Unterbeschäftigungsquote auf den höchsten Stand seit Erfassung der Daten stieg. Zudem deutet die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe darauf hin, dass die Krise am US-Arbeitsmarkt noch nicht überwunden ist. Die Auswirkungen auf den privaten Verbrauch werden trotz der staatlichen Unterstützung dramatisch ausfallen.

Am Freitag brachte die Eurogruppe die ESM-Hilfen endgültig auf den Weg, die den einzelnen Ländern frühestens ab 15. Mai zur Verfügung stehen sollen. Damit ist es den einzelnen Euroländern möglich, sich bis in Höhe von 2% ihres Bruttoinlandsprodukts Kredite beim ESM zu sehr günstigen Konditionen zu beschaffen.

Allerdings werden die Kredite auf die Verschuldung der Länder angerechnet. Aufgrund der günstigen Konditionen - der Leiter des ESM, Klaus Regling, geht von Zinsen um 0,1% aus - dürfte die Schuldentragfähigkeit der schwächeren Euroländer nicht beeinträchtigt werden.

Der italienische Ministerpräsident steht der Inanspruchnahme des ESM weiterhin skeptisch gegenüber, schließt sie jedoch nicht aus. Italien könnte mit der ESM-Nutzung die Refinanzierungskosten deutlich senken, was beispielsweise bei der Refinanzierung von zumindest einigen Teilen des nächsten Konjunkturpakets helfen könnte.

Die italienische Regierung setzt weiterhin auf den Wiederaufbaufonds, zu dem es jedoch bislang keine weitere Einzelheiten gibt. Der Wunsch einiger Euroländer, er könne durch gesamtschuldnerische Haftung refinanziert werden und nicht rückzahlbare Zuschüsse enthalten, dürfte jedoch nur schwerlich umsetzbar sein. Nichtsdestoweniger sollte die Möglichkeit, den ESM zu nutzen, die Bondkurse aus der Peripherie stützen.

Gerade die italienischen Staatsanleihen sollten am Montagmorgen von dem Ausbleiben einer neuen Bonitätsbetrachtung durch Moody’s profitieren. Die Ratingsgentur übersprang die Bekanntgabe neuer Bonitätseinschätzungen für Italien und Griechenland am Freitag.

Dementsprechend ist das Risiko einer weiteren Annäherung an das Sub Investment Grade für Italien vorerst gebannt. Die römische Regierung erhielt nun weitere Zeit, um den Nachweis zu führen, dass sie die Verschuldung des Landes nach Abklingen der konjunkturellen und fiskalischen Auswirkungen der Pandemie zurückfahren will.

DBRS senkte dagegen Italiens Ratingausblick von stabil auf negativ. Das “BBB (high)”-Rating hat weiterhin Bestand. DBRS führte in seinen Erläuterungen als einen Grund für das Beibehalten des Ratings die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank an. Der Bonitätswächter geht nicht davon aus, dass das BVerfG-Urteil in naher Zukunft Einfluss auf die Ankaufprogramme nehmen wird.

Eine Ratingabstufung gab es dennoch am Freitag. Die Einschätzung für die Slowakei wurde Fitch von “A+ stabil” auf “A stabil” gesenkt. Die Auswirkungen auf Spreads und Renditen slowakischer Anleihen dürften sich zwar in Grenzen halten. Die Aktion des Bonitätswächters zeigt jedoch seine Handlungsbereitschaft, denn die Abstufung wurde ohne den Zwischenschritt der Absenkung des Ausblicks auf negativ vorgenommen.

Das Urteil des BVerfG beschäftigt Europa weiterhin. Die EZB-Präsidentin betone am Freitag jedoch erneut, dass die Notenbank ihre Rolle zur Bekämpfung der Auswirkungen der Pandemie spielen werde. Möglicherweise werden die Notenbanker zu Demonstration ihrer Unabhängigket das Volumen für die PEPP bald erhöhen.

Die neuen Zahlen zu den Ankäufen in der abgelaufenen Berichtswoche könnten dazu Hinweise liefern. Insbesondere wenn die EZB ihr Ankauftempo der letzten Wochen beibehielt, dürften die sich die Erwartungen an eine baldige Volumensanhebung mehren. Hohe Ankaufvolumina in der Vorwoche könnte zumindest den Renditen der Peripherieanleihen am Nachmittag zusätzlich Abwärtsschub verleihen.

Die Hoffnung auf ein schnelles Anfahren der Wirtschaft überwiegt am Montagmorgen die Sorgen vor einer zweiten Pandemiewelle und einer erneuten Eskalation des Zollkonflikts zwischen den USA und China. Die Risikofreude der Anleger nahm gemessen an den steigenden Aktienkursen im asiatischen Handel zu. Außerdem signalisierte die People’s Bank of China weiteren Stimulus.

Die Aktienfutures für die USA wie auch die europäischen Märkte lagen leicht im Plus, während die Renditen der Treasuries nahezu unverändert notierten.

Die Staatspapiere aus den Kernländern des Euroraums dürften mit geringfügigen Kursverlusten in den Tag starten. Die Peripherie angeführt von Italien sollte den Wochenauftakt dagegen mit rückläufigen Renditen beginnen. Aufgrund der Entscheidung von Moody’s dürfte es vor allem am kurzen Ende der BTP-Kurve zu sinkenden Renditen kommen.

Konjunkturdaten

Nach dem US-Arbeitsmarktbericht herrscht oft ein paar Tage Ebbe im Datenkalender. Das ist zu Beginn dieser Woche nicht anders. Aus den Euroraum sind allenfalls die Informationen zur Industrieproduktion Italiens und Griechenlands für den März zu beachten. Unstrittig ist jedoch, dass sie sehr schwach ausfallen werden. Daher dürften die Daten letztlich doch kaum Einfluss auf die Renditeentwickung der Staatsanleihen aus beiden Ländern oder darüber hinaus nehmen.

Daten aus den USA werden keine neuen Wirtschaftsdaten gemeldet. Der Auftritt von Raphael Bostic (nicht stimmberechtigt) dürfte nichts Neues zur US-Geldpolitik zu Tage bringen. Die Fed ist nun, wie zahlreiche andere Notenbanken, auf ein lang anhaltendes Niedrigzinsniveau festgelegt. Möglicherweise wird sich der US-Notenbanker gegen die Spekulationen stemmen, die Fed Funds könnte unterhalb unterhalb der Nulllinie abrutschen, wie es die Fed Funds Futures zwischenzeitlich signalisierten.

Primärmarkt

Kein Euroland wird bereits am Montag den Kapitalmarkt anzapfen. Es stehen lediglich Geldmarkttransaktionen auf der Agenda. Dennoch darf auch in der laufenden Woche neben den geplanten Emissionen wieder mit Platzierungen via Syndikat gerechnet werden. Die ersten Bekundungen könnten bereits im Verlauf des Montags erfolgen.

Deutschland will sich wieder 4 Milliarden Euro mit Papieren mit sechs Monaten Laufzeit holen. Frankreich ist mit insgesamt 9,5 Milliarden Euro mit vier Geldmarktpapieren mit Laufzeiten zwischen 84 und 343 Tagen am Start. Das niederländische Schatzamt plant mit einem Emissionsvolumen von insgesamt 5 Milliarden Euro mit drei Kurzläufer, die Laufzeiten zwischen 139 und 351 Tagen aufweisen.

Lediglich die französischen Emissionen erhalten Unterstützung durch Fälligkeiten am 13. Mai in Höhe von 5,1 Milliarden Euro. Insgesamt wird den Geldmärkten im Zuge der Refinanzierung der Ausgaben für die Abfederung der Pandemierisiken erneut reichlich Liquidität entzogen. Die Laufzeiten sind alle aber allesamt über das PEPP ankaufbar.

Am Abend geht das US-Schatzamt mit den Laufzeiten von drei und sechs Monaten an den Geldmarkt. Bei Fälligkeiten von 181,4 Milliarden Dollar am 12. Mai sollen 117 Milliarden eingeworben werden. Außerdem wird eine neue 3-jährige T-Note emittiert, die 42 Milliarden Dollar in die Kasse des Treasuries spülen soll.

Sollten die Spekulationen auf negative Fed Funds Renditen anhalten, dürfte der Bond auf eine stabile Nachfrage treffen, auch wenn die US-Kurve aufgrund guter Stimmung der Anleger tendenziell ansteigen sollte. Allerdings werden die Treasuries mit weniger Unterstützung durch die Fed auskommen müssen. Die Ankäufe werden in der laufenden Woche auf 7 Milliarden Dollar pro Tag reduziert. In der Vorwochen war es noch 1 Milliarde Dollar mehr.

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