Renten am Morgen: Sicherheit wird am Montag gefragt sein

Dirk Gojny
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Trotz einiger Schwankungen sind die Kurse der Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums am Freitag kaum geändert aus dem Handel gegangen. Zum Wochenschluss wurden die Investoren letztlich vorsichtiger, weil sich weder ein Durchbruch bei den Gesprächen zum Handelsabkommen zwischen Europäischer Union und Großbritannien noch eine Einigung auf ein US-Fiskalpaket abzeichnet. Letzteres dürfte am heutigen Montag aller Voraussicht nach auf den Weg gebracht werden.

Die Vorsicht der Anleger hinterließ bei den Peripherieanleihen deutlichere Spuren. In den vergangenen Tagen kamen vor allem die Staatspapiere von der iberischen Halbinsel unter etwas stärkeren Abgabedruck verglichen mit ihren Peers. Am Freitag gaben die Kurse der italienischen und vor allem der griechischen Staatsanleihen etwas kräftiger nach. Ihr Renditeanstieg betrug bis zu rund sieben Basispunkte.

Die steigenden italienischen Renditen könnten außerdem durch wieder einmal aufkeimende Unstimmigkeiten innerhalb der Regierungskoalition in Rom mitverursacht worden sein. Die auf Intervention ausgelegte Wirtschaftspolitik sowie die Planungen für die Verwendung der Mittel aus dem Aufbaufonds sind innerhalb der Koalition durchaus umstritten.

Dass es zu einem Bruch der Conte-Regierung kommen wird, bleibt jedoch unwahrscheinlich. Die regierenden Parteien müssten bei Neuwahlen mit deutlichen Stimmverlusten rechnen und würden ihre Mehrheit wohl an eine rechtsgerichtete Koalition verlieren. Insgesamt bleiben Peripheriebonds aufgrund ihrer Spreads gegenüber den Kernländern attraktiv, auch wenn die Europäische Zentralbank ab heute die Anleihekäufe für zwei Wochen einstellt.

Bereits am Freitagabend hatte der US-Kongress die Finanzierung der öffentlichen Verwaltung für zwei weitere Tage sichergestellt. Am frühen Montagmorgen wurde diese Finanzierung um einen weiteren Tag verlängert, weil der Kongress noch immer nicht über das Fiskalpaket, dessen Bestandteil auch der Haushalt ist, abgestimmt hatte.

Gemäß Aussagen der Spitzenvertreter von Demokraten und Republikaner einigten sich die beiden Parteien auf ein Fiskalpaket mit einem Volumen von etwa 900 Milliarden Dollar, über das im Verlauf des Montags im Kongress abgestimmt werden soll. Die ganz große Erleichterung über das Paket dürfte an den Finanzmärkten ausbleiben, denn das Volumen ist im Vergleich zu dem, was beispielsweise die Demokraten lange Zeit forderten, überschaubar. Mehr als eine Pflichterfüllung ist es nicht, da ansonsten einige Programme zum Jahresende ausgelaufen würden, die den privaten Verbrauch bislang stützten. Dementsprechend ist nicht damit zu rechnen, dass eine Verabschiedung des Pakets zu größeren Kursverlusten bei den Treasuries führen wird.

Keine Fortschritte gab es dagegen bei den Gesprächen zu einem Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien. Es wird weiter verhandelt. Ob es zu einer Vereinbarung bis zum 31. Dezember kommen wird, bleibt offen. Selbst bei einer Einigung dürfte die Ratifizierung erst im kommenden Jahr erfolgen, so dass eine zusätzliche Übergangsfrist notwendig wird. Die ungeklärte Situation zwischen Großbritannien und der EU wird die Kurse der Staatsanleihen aus den Kernländern heute zusätzlich stützen.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern werden mit Kursgewinnen in die Weihnachtswoche starten. Dafür sorgte die Ausbreitung der Mutation des Virus in Großbritannien und in ersten anderen Ländern des Euroraums.

Der Tag mit Bloomberg: Virus-Mutation, keine Brexit-Fortschritte

Die wirtschaftlichen Folgen geraten wieder in den Fokus trotz der erwarteten Zulassung des ersten Impfstoffes in der EU und der Aussicht auf eine weitere Zulassung zu Beginn des kommenden Jahres. Die Kurse der Bonds aus der Peripherie dürften zum Handelsstart nachgeben. Sicherheit wird trotz der Renditeaufschläge, den die Peripherie gegen Kernländern bieten, im Fokus stehen.

Konjunkturdaten

Der Datenkalender ist am Montag nahezu leer. Lediglich die Schnellschätzung des Wertes für das Konsumentenvertrauen im Dezember der Europäischen Kommission sowie der Chicagoer Einkaufsmanagerindex aus dem November könnten ein wenig von Interesse sein.

Gemäß der Volkswirteprognosen soll sich das Konsumentenvertrauen ganz leicht aufgehellt haben. In Anbetracht der Gesamtsituation im Euroraum erscheint das jedoch fraglich. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in vielen Ländern des Euroraums wurden kaum gelockert, sondern eher verschärft. Das dürfte auf die Stimmung der Konsumenten gedrückt haben. Beide Daten werden keinen nachhaltigen Eindruck an den Bondmärkten hinterlassen.

Primärmarkt

Das Treasury wird den aktuellen 20-jährigen T-Bond um 24 Milliarden Dollar aufstocken. Das wird ein erster Test werden, ob die unveränderte Anleiheankaufstrategie der US-Notenbank funktioniert oder ob die Investoren höhere Kompensationen für den Ankauf langer Laufzeiten verlangen. In einem von verringerter Liquidität geprägtem Umfeld wird die Platzierung ohne Renditezugeständnisse sowieso nicht erfolgen. Daher dürfte das lange Ende der US-Zinskurve am Montag unter Abgabedruck stehen.

Die T-Bills mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten mit einem Volumen von 105 Milliarden Dollar werden sich dagegen einmal mehr ohne Schwierigkeiten im Geldmarkt platzieren lassen.

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