Renten am Morgen: Risk-on dank Aussicht auf Phase-1-Abkommen

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Risk-on dank Aussicht auf Phase-1-Abkommen

(Bloomberg) -- Nach den ganzen Tweets des US-Präsidenten, wonach ein Handelsabkommen mit China in greifbarer Nähe sei, war auf seine Nachricht vom Donnerstagnachmittag hin durchaus Skepsis geboten. Bislang war nach solchen Ankündigungen der Abschluss eines Abkommens ausgeblieben.

Doch mit der Meldung von Dow Jones, wonach die US-Unterhändler der chinesischen Seite bei den bereits bestehenden Zölle entgegen kamen, verdichteten sich die Hinweise, dass es dieses Mal tatsächlich zu einer Einigung kommen könnte. Schließlich war eine zentrale Forderung Pekings die Aufhebung der bereits bestehenden Zölle gewesen und nicht nur die Aussetzung derjenigen, die ab dem 15. Dezember zusätzlich erhoben werden sollen.

Vor diesem Hintergrund schossen die Renditen der Treasuries bis zum Handelsschluss teilweise um mehr als zehn Basispunkten hoch und zogen die Renditen der Staatsanleihen aus dem Euroraum ebenfalls mit nach oben, wenn auch in abgeschwächter Form.

Dass es zu einem ersten Handelsabkommen zwischen den USA und China kommen kann, ist für die weltwirtschaftlichen Perspektiven sicher eine gute Nachricht. Handelskonflikte wird von vielen Institutionen wie Internationalem Währungsfonds, OECD oder den Notenbanken als eines der zentralen Risiken für die künftige Konjunkturentwicklung angeführt.

Was jetzt jedoch noch fehlt, sind die Details zur ersten Handelsvereinbarung. Der US-Präsident habe dem Deal zugestimmt und Einzelheiten könnten im Laufe des Tages bekannt gegeben werden, verlautete aus Kreisen. Erst danach kann beurteilt werden, wie viel Verbesserung diese Einigung tatsächlich bringen wird. Und es sei daran erinnert, dass China und die USA bereits einmal vor dem Abschluss einer umfassenden Vereinbarung standen. Diese wurde aber gekippt.

Mit den Nachrichten aus den USA verblasste die erste Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank mit Christine Lagarde als Präsidenten schnell. Geldpolitisch hatte sie erwartungsgemäß nichts Neues im Gepäck, so dass erst einmal alles beim alten bleibt. Der Fokus der nächsten Monate wird vor allem auf der Strategie-Überprüfung liegen.

Allerdings werden sich die Zentralbank-Beobachter seit Donnerstagnachmittag mit einer neuen Kategorie von Notenbankern auseinandersetzen müssen. Falken und Tauben werden um “Eulen“ ergänzt. So jedenfalls sieht sich Lagarde. Sie bat in der Pressekonferenz darum, nicht zu viel in die Aussagen aus der EZB zusätzlich hineinzuinterpretieren. Sie scheint sich als Moderatorin zu sehen, die die Einschätzungen der einzelnen Mitglieder des EZB-Rats zusammenführt.

Brexit-Drama vor Ende

Der Wahlausgang in Großbritannien dürfte das Brexit-Drama endlich beenden. Die konservative Partei sicherte sich die absolute Mehrheit im Parlament, so dass die Zustimmung zu dem von der britischen Regierung mit der Europäischen Kommission ausgehandelten Austrittsabkommen nur noch eine Formsache sein sollte. Großbritannien wird die Europäische Union dann mit Ablauf des 31. Januar 2020 verlassen.

Damit scheint das langjährige Brexit-Drama zu enden, was allenthalben zum Aufatmen führ: ein ungeordneter Brexit dürfte vom Tisch sein. Das sollte sich positiv auf die Stimmung der Unternehmen und Konsumenten in Großbritannien und der der EU auswirken. Dennoch dürften die ökonomischen Folgen des Austritts der Briten aus der EU spürbar werden, wenn auch in abgemilderter Form.

Der wahrscheinliche Abschluss eines ersten Handelsabkommens zwischen China und den USA und das baldige Ende des Brexit-Sackgasse nach dem deutlichen Wahlsieg der Konservativen bei den Parlamentswahlen in Großbritannien werden für einen von Risk-on geprägten Handelsstart in Europa sorgen. Immherin stiegen die Renditen der Treasuries im asiatischen Handel nur noch um ein bis zwei Basispunkte an. Der Renditeanstieg verlor also etwas an Fahrt.

Nichtsdestotrotz dürften die Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums am stärksten unter Abgabedruck geraten. Mit der Aussicht auf die Lösung eines Teils der Probleme, die auf den wirtschaftlichen Perspektiven nicht nur des Euroraums lasten, wird die Risiko-Prämie schrumpfen, von der Treasuries sowie Bunds & Co profitierten.

Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen könnte ihren Aufwärtstrend wieder aufnehmen, den sie jüngst unterbrochen hat. Auch die 0% wären dann wieder in Reichweite. Letztlich wird es auch darauf ankommen, wie viel an Sicherung von Gewinnen durch die Investoren jetzt noch erfolgen wird.

Entsprechend dürften nicht nur die Renditen der Kern- und Semi-Kernländer zu Handelbeginn in Europa kräftig anziehen, sondern auch diejenigen der Peripherie. Sofern es tatsächlich zu umfangreicheren Gewinnsicherungsmaßnahmen kommen sollte, könnte der Anstieg der Renditen einen zusätzlich Schub erhalten, weil die Liquidität zum Jahresende vergleichsweise gering ist.

Konjunkturdaten

Im Euroraum werden lediglich endgültige Preisdaten aus Spanien für den November sowie Informationen zu Auftragseingängen bei der italienischen Industrie ebenfalls für Oktober bekannt gegeben. Wahrscheinlich werden die Zahlen aufgrund der Dominanz des Themas ‘Handel’ ignoriert werden.

Während den Daten zu Import- und Exportpreisen aus den USA für November ein ähnliches Schicksal bevorsteht wie den Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum, werden die Einzelhandelsumsätze aber nicht vollständig ignoriert werden.

In den Umsatzdaten der US-Einzelhändler vom November sind die Aktivitäten vom Black Friday und Cyber Monday enthalten. Die Meldungen zu den beiden Tagen, die den Auftakt zum Weihnachtsgeschäft machen, sprachen von ausgezeichneten Umsätzen an beiden Tagen. Die von Bloomberg befragten Volkswirte gehen jedenfalls davon aus, dass die Umsätze im Vormonatsvergleich deutlich angezogen sind - um 0,5% insgesamt bzw. um 0,4% ohne Fahrzeug- und Benzinverkäufe.

Sofern die Einzelhandelsumsätze enttäuschen sollte, dürften die Treasury-Kurse kurzzeitig etwas zulegen. Stärkere Werte sollten dagegen kaum ein Reaktion auslösen, weil sie von der Entspannung im Handelskonflikt überlagert werden.

Bonitätsüberprüfungen

Für den Freitagabend ist die Veröffentlichung der Ergebnisse der Prüfung der Kreditwürdigkeit von drei Ländern des Euroraums geplant. Fitch will neue Informationen zu Frankreich und Spanien veröffentlichen. Von S&P Global wird das Ergebnis der Prüfung von Slowenien erwartet. Änderungen der Bonitätseinstufungen dürfte es nicht geben, da alle drei Ratings mit einem stabilen Ausblick versehen sind.

Die Einschätzungen von Fitch zu Frankreich und Spanien sind aber dennoch von Interesse. Bei Frankreich wäre Aussagen des Bonitätswächters zur Haushaltsplanung des Landes sowie dessen Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit von Interesse. Bei Spanien geht es vor allem darum, wie Fitch die wirtschaftlichen und fiskalischen Auswirkungen der Zeit ohne eine vom Parlament bestätigten Regierung einschätzt und welche Risiken es für die fiskalische Position des Landes sieht.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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