Renten am Morgen: Optimismus der Anleger lässt Bonds bisher kalt

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Am ersten Handelstag nach Weihnachten haben die Kurse der Staatspapiere aus dem Euroraum trotz sehr guter Stimmung an den Finanzmärkten zulegen können. Die Bewegung erfolgte jedoch bei sehr geringer Handelsaktivität. Es wurden nicht einmal 200.000 Bund Future-Kontrakte gehandelt, was auch auf den Feiertag in Großbritannien zurückzuführen sein dürfte. Man muss schon bis Ende vergangenen Jahres zurückgehen, um ähnlich geringe Umsatzaktivität zu finden.

Besonders gesucht waren Staatsanleihen aus der Peripherie angeführt von italienischen Bonds. Nach den leichten Renditeanstiegen vor Weihnachten scheinen doch noch einige Anleger das erhöhte Renditeniveau kurz vor dem Jahreswechsel genutzt zu haben, um kleinere Positionen aufzubauen.

Dadurch, dass die Europäische Zentralbank im kommenden Jahr stetiger Aufkäufer bleiben und wahrscheinlich das Nettoangebot Staatsanleihen absorbieren wird, bleibt das Niedrigrenditeumfeld erhalten. Zudem werden die Zentralbanker weiterhin dafür Sorge tragen, dass die Spreads mindestens stabil bleiben.

Allerdings droht in Italien einmal mehr politisches Ungemach. Am Montagabend drohte der Parteichef von Italia Viva, Matteo Renzi, damit, die Minister seiner Partei aus dem Kabinett in Rom zurückzuziehen, sollte es keine Einigung zum Wiederaufbauplan für Italien geben.

Das käme dann einem Bruch der Koalition gleich, was Neuwahlen zur Folge haben könnte. Die Aussagen von Renzi deuten jedoch nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Auflösung der Conte-Regierung hin. Zudem dürfte allen Beteiligten klar sein, dass die vorzeitige Auflösung der Regierung mit anschließenden Neuwahlen zu überwiegend deutlichen Stimmeneinbussen und einen Rechtsruck führen würde.

Die Renditen der italienischen Staatsanleihen könnten die Äußerungen dennoch etwas nach oben schieben, so dass zumindest zu Handelsbeginn mit einer leichten Underperformance der BTPs gegenüber ihren Peers gerechnet werden muss.

In der letzten Woche, in der das System Europäischer Zentralbanken noch mit Ankäufen aktiv war, wurden Anleihen öffentlicher Emittenten mit einem Volumen von rund 5 Milliarden Euro gekauft. Die Ankäufe wurden zwar am in der Vorwoche eingestellt und werden erst am 4. Januar wieder aufgenommen.

Da die EZB jedoch immer nur die Ankaufvolumina bis Mittwoch einer Woche berichtet, handelt es sich bei den Informationen um die Ankäufe, die am 17. und 18. Dezember getätigt wurden. Sonderlich hoch fielen sie nicht aus, was zum Jahresende auch nicht notwendig war.

Die gute Stimmung an den Finanzmärkten setzte sich im asiatischen Handel fort. Die US- und europäischen Aktienfutures legten zu, ohne dass es jedoch zu starken Kursverkusten bei den Treasuries kam. Am langen Ende zogen die Treasury-Renditen seit dem US-Schluss um etwas mehr als einen Basispunkt an.

Der Tag mit Bloomberg: Globale Rekordjagd; IPO von SAP-Tochter

Der Optimismus der Investoren dürfte durch den Beschluss des Repräsentantenhauses, die Soforthilfen für bestimmten US-Bürger von 600 auf 2.000 Dollar anzuheben, beflügelt worden sein, insbesondere weil auch einige republikanische Kongressabgeordnete dem Gesetz zustimmten.

Ob und wann der Senat über die Vorlage des Kongress abstimmen wird, ist ebenso offen, wie eine Mehrheit für die Anhebung der Unterstützung im Senat. Die republikanischen Senatoren hatten sich mehrheitlich gegen hohe Unterstützungsleistungen bzw. eine höhere US-Verschuldung ausgesprochen.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern dürften bei erneut sehr überschaubarer Umsatzaktivität kaum geändert zum Vortagsschluss in den vorletzten Handelstag des Jahres starten. Sollte es Bewegung in den USA hinsichtlich einer höheren Hilfszahlung im Tagesverlauf geben, dürften die Treasury-Kurse und mit ihnen etwas abgemildert die Kernlandanleihen etwas nachgeben.

Die Peripherie könnte noch einmal von der guten Stimmung an den Finanzmärkten profitieren, wobei die Luft für portugiesische und spanische 10-jährige Staatsanleihen aufgrund ihrer erneuten Annäherung an die Nullprozentlinie allmählich dünner wird.

Konjunkturdaten

Die Daten aus dem Euroraum werden auch am Dienstag keinen Einfluss auf die Bewegung der Renditen nehmen. Die Immobilienpreisdaten für den Oktober aus den USA dürften ebenfalls kaum neue Impulse geben. Die Preise stiegen aufgrund der starken Nachfrage sowie der Knappheit an Bestandsimmobilien, die zum Verkauf stehen, weiter an. Der Wohnimmobilienmarkt zeigt sich trotz der schwierigen Einkommenssituation und anhaltend vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit robust gegenüber den weiterhin eingetrübten wirtschaftlichen Perspektiven der USA.

Primärmarkt

Am Geldmarkt wird Italien letztmalig in diesem Jahr mit der Platzierung von 6,5 Milliarden Euro an Papieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten aktiv. Das Settlement erfolgt erst in 2021. Platzierungsprobleme sind für die Kurzläufer nicht zu erwarten. Außerdem werden am 31. Dezember rund 7,2 Milliarden Euro an Geldmarktpapieren fällig, was die Emission zusätzlich unterstützen wird.

Am Abend wird das Treasury mit der Platzierung von 59 Milliarden Dollar an neuen 7-jährigen T-Notes die Refinanzierung am Kapitalmarkt im laufenden Jahr beenden. Die beiden Auktionen von kürzer laufenden Papieren am Montag wurden zwar gut aufgenommen. Aber erst nach Abschluss der beiden Transaktionen ging es mit den Treasury-Renditen über die gesamte Kurve wieder abwärts. Auch wenn die Renditezugeständnisse, die die Investoren vor den Auktionen eingefordert gering waren, lasteten die beiden Platzierungen augenscheinlich auf der US-Zinskurve.

Ähnlich wie bei den kürzer laufenden Papieren, die am Montag unter die Anleger gebracht wurden, wird es so kurz vor Jahresschluss kaum ohne Renditezugeständnisse möglich sein, ein so hohes Volumen zu platzieren. Der mittlere Teil der US-Zinskurve dürfte im Tagesverlauf unter Abgabedruck stehen.

Außerdem werden den Geldmarktinvestoren 34 Milliarden Dollar an 1-jährigen T-Bills sowie Cash Management Bills angeboten.

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2020 Bloomberg L.P.