Renten am Morgen: Notenbanken sorgen für Bondkurs-Absicherung

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Im Verlauf des Montaghandels sind die Kurse der Staatspapiere aus den Kernländern immer stärker unter Abgabedruck geraten. Die Hoffnung auf positive Auswirkungen der Lockerungmaßnahmen, einen Impfstoff und vor allem die Einigung der deutschen Kanzlerin und dem französischen Präsidentin auf die Grundzüge für einen europäischen Wiederaufbaufonds trieben die Renditen der Kernländer nach oben. Dem konnten sich die Semi-Kernländer nicht entziehen.

Lediglich bei den Bonds aus der Peripherie inklusive Griechen blieben Renditerückgänge übrig. Die Nachricht über die Grundzüge eines Wiederaufbaufonds beflügelte besonders die italienischen Staatsanleihen, die über die gesamte Kurve Renditerückgänge zwischen zwölf - langes Ende der Zinskurve - und 21 Basispunkte - kurzes Ende - einfahren konnten.

Das besondere an dem deutsch-französischen Vorschlag für den auf 500 Milliarden Euro geplanten Wiederaufbaufonds ist die Gewährung von Zuschüssen an Länder, die von der Pandemie besonders stark betroffen sind. Damit würde einer zentralen Forderung vieler Südländer inklusive Frankreichs Rechnung getragen.

Das Geld für den Fonds soll von der Europäischen Union aufgenommen werden und dann über den EU-Haushalt zurückgezahlt werden. Damit würde Deutschland als nach Wirtschaftsleistung stärkstes Land den größten Anteil an den Zahlungen übernehmen.

Nun liegt es an der Präsidentin der EU-Kommission, aus diesem Vorschlag einen Kompromiss zu zimmern, den alle 27 EU-Länder mittragen. Um Österreich formiert sich Widerstand. Der österreichische Kanzler hatte sich bereits gegen nicht rückzahlbare Zuschüsse ausgesprochen.

Die von Deutschland und Frankreich vorgestellten Überlegungen dürften außerdem die Zustimmung vieler, wenn nicht sogar aller, Länderparlamente benötigen. Allerdings droht der französischen Präsident gemäß eines Berichts von AFP, seine Mehrheit im Parlament zu verlieren, was die Umsetzung des gemeinsamen Projektes erschweren könnte.

Insgesamt dürfte nach Vorstellung eines Arbeitskonzepts durch die EU-Kommission Ende des Monats einige Zeit verstreichen, bis der Wiederaufbaufonds steht und die Finanzierungs- sowie Ausgabenseite geklärt ist.

Sollte der französisch-deutsche Vorschlag so oder in ähnlicher Form Umsetzung finden, dürfte das tendenziell belastend für die Bondkurse der Länder wirken, die hohen Anteile am EU-Bruttoinlandsprodukt haben und die hohe Nettozahlungen leisten müssen, also nicht nur für Bunds & Co sowie solide dastehende EU-Länder, sondern auch für französische Staatsanleihen.

Da die Zahlungen an den EU-Haushalt jedoch über einen langen Zeitraum gestreckt werden - über die Laufzeit des Fonds ist nichts bekannt - dürften sich die Mehrbelastungen für die einzelnen Länderbudget in Grenzen halten.

Die Zahlen zu den wöchentlichen Anleiheankaufdaten der Europäischen Zentralbank machten einmal mehr deutlich, wie aktiv die Notenbank in der Berichtswoche unterwegs war. Insgesamt wurden im Rahmen des PSPP und PEPP Anleihen und Geldmarktpapiere in einem Umfang von 39,8 Milliarden Euro angekauft, wovon 28,9 Milliarden Euro auf das PEPP entfielen.

Es sind 24,2% der PEPP-Kapazität in Anspruch genommen, was die Diskussion um eine Erhöhung des Volumens bereits am 4. Juni anheizen dürfte. Behält die EZB das aktuelle wöchentliche Ankaufvolumen bei, dürfte die PEPP-Auslastung Anfang Juni bei rund einem Drittel liegen.

Dass sich die EZB von dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von ihrer Strategie abhalten lässt, ist unwahrscheinlich. Das hat die Notenbankpräsidentin in Interviews deutlich klar gestellt. Die Investoren können weiterhin auf die Unterstützung durch die EZB zählen, was die Kurse der Bonds nach unten absichern sollte.

Am Nachmittag wird der US-Notenbankpräsident, Jerome Powell, nach dem US-Finanzminister vor dem Bankenausschuss des Senats die Geldpolitik der Fed erläutern. Ob die Anleger von ihm jedoch Neues hören werden, ist zu bezweifeln.

Powell dürfte erneut sehr eindringlich vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie warnen und mehr fiskalische Aktivität einfordern. Zugleich wird er versichern, dass die US-Notenbank alles unternehmen werde, um die Wirtschaft zu stützen und dabei auf ihre weiteren Möglichkeiten hinweisen. Das konnte der bereits veröffentlichten Erklärung entnommen werden.

Letztlich kann die Fed eine weitere Ausweitung des US-Haushaltsdefizits durch eine Erhöhung des Ankaufvolumens an Treasuries alimentieren, obwohl die Notenbank die Käufe auf inzwischen 6 Milliarden Dollar pro Tag herunterfuhr.

Bei dem Thema negative Fund Funds wird er erneut zurückhaltend sein und argumentieren, dass es keine klare Evidenz für ihre positive Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung gäbe. Sollte Weitere US-Notenbanker wie Neel Kashkari (stimmberechtigt) oder Eric Rosengren dürften ähnliche Botschaften zur wirtschaftlichen Entwicklung sowie dem Einsatz von negativen Zinsen parat haben.

Nach dem deutlichen Renditeanstieg am Montag konnte sich die Treasury-Kurse am Dienstagmorgen im asiatischen Handel ein wenig erholen. Die asiatischen Aktienmärkte legten zu, während die US- und europäischen Aktienfutures um ihren Vortagsschluss liegen.

Die Staatspapiere aus den Kernländern dürften kaum geändert in den Tag starten. Sollte sich massive Gegenwehr gegen den Vorschlag zum Wiederaufbaufonds formieren, dürfte sich das positiv auf die Kurse der Staatsanleihen aus den Kernländern auswirken. Auch die Peripheriebonds dürften erst einmal kaum geändert in den Tag starten. Letztlich ist der Weg bis zu Zuschüssen aus einem neuen EU-Topf noch weit.

Konjunkturdaten

Die einzigen Daten aus dem Euroraum, die am Dienstag Beachtung finden werden, sind die ZEW-Indikatoten für Deutschland und den Euroraum. Alles andere als eine Verbesserung des Wertes wäre ein böse Überraschung. Schließlich konnten sich die Kapitalmärkte erholen. Zugleich sollte das absehbare Anfahren der wirtschaftlichen Aktivität die Stimmung verbessert haben.

Ein Anstieg des Indikators sollte jedoch nicht überbewertet werden, da noch nicht absehbar ist, wie ein künftiger Aufschwung ausfallen könnte. Nichtsdestoweniger dürfte die Bondkurse der Kernländern bei einem deutlichen Anstieg kurzfristig mit Abschläge reagieren.

Die US-Bauaktivität wird im April erneut von der wirtschaftlichen Krise geprägt sein. Die Zahl der Baubeginne und Baugenehmigen soll im Vormonatsvergleich um jeweils rund 25% eingebrochen sein. Von dieser Seite ist also auch mit keiner Belebung der privaten Verbrauchs zu rechnen.

Primärmarkt

Im Zuge der am Montag erneut aktualisierten Emissionsplanungen prüft Frankreich die Emission eines 20-jährigen Bonds via Syndikat. Außerdem werden eine neue 10-jährige OAT, ein Linker mit einer Laufzeiten zwischen 10 und 15 Jahren sowie ein Linker mit 5 Jahren Laufzeit in den kommenden Monaten neu emittiert.

Die italienische Politik scheint mit ihrer optimistischen Einschätzung hinsichtlich der Aufnahme der BTP Italia bei den Privatkunden richtig zu liegen. Bis zu Montagabend betrug das Ordervolumen bereits etwas mehr als 4 Milliarden Euro.

Bei früheren BTP Italia Platzierungen war zu beobachten, dass die Nachfrage an den ersten beiden Platzierungstagen eher schleppend verlief. Davon kann dieses mal keine Rede sein. Die attraktive Ausstattung des Linkers dürften ebenfalls ihren Teil zur hohen Nachfrage beitragen.

Nach etwas Emissionsaktivität zum Wochenauftakt am Kapitalmarkt geht es Dienstag vergleichsweise ruhig zu. Es ist lediglich Geldmarktaktivität zu verzeichnen. So wird sich der ESM bis zu 2 Milliarden Euro für sechs Monate sichern.

Am Abend wird das US-Schatz Cash Management Bills in einem Umfanf von 105 Milliarden Dollar sowie zwölf Monate laufende T-Bills mit einem Volumen von 31 Milliarden Dollar. Insgesamt werden in der laufende Woche 355 Milliarden Dollar an Kurzläufern fällig.

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