Renten am Morgen: Lockdown-Erwartungen haben Bondmärkte im Griff

Dirk Gojny
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Die Staatsanleihen aus dem Euroraum haben ihre anfänglichen Kursgewinne am Montag nicht bis zum Handelsschluss halten können, obwohl die Treasury-Renditen den Rückwärtsgang einlegten und der Handel von Risikoscheu geprägt wurde. Selbst die italienischen und griechischen Bonds konnten nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der Bonitätsprüfungen ihre Kursgewinne nicht halten.

Wahrscheinlich setzten bei Renditenrückgängen von mehr als sieben Basispunkten bei italienischen Bonds bereits erste Gewinnmitnahmen ein. Vor der Veröffentlichung der Ergebnisse der Tagung des EZB-Rats sowie der anschließenden Pressekonferenz am Donnerstag scheinen die Anleger etwas vorsichtiger zu agieren. Neuerliche geldpolitische Lockerungen sind jetzt noch nicht zu erwarten. Die Notenbanker dürften sie allenfalls vorbereiten.

Außerdem könnten die seit Mitte Oktober wieder leicht anziehenden Inflationserwartungen gemessen mit dem 5 Jahre, 5 Jahre Inflationsforwardswap die Renditen etwas nach oben gezogen haben.

In der abgelaufenen Berichtswoche kaufte das System Europäischer Zentralbanken mit rund 23 Milliarden Euro an öffentlichen Anleihen im Rahmen des PSPP und des PEPP etwas mehr Bonds an als in der Vorwoche. Dabei blieb das PEPP-Ankaufvolumen mit rund 16,3 Milliarden Euro im Vergleich zur Vorwoche nahezu unverändert. Trotz der etwas stärkeren Renditeschwankungen hielt sich die Notenbank mit Anleihekäufen also zurück.

Das Volumen der PSPP-Käufe wurde dagegen auf 6,7 Milliarden Euro hochgefahren. Das dürfte vor allem auf die Wiederanlage fälliger Wertpapiere zurückzuführen sein, da zuvor das PSPP-Bestandsvolumen sogar schrumpfte. Insgesamt bewegte sich der Umfang der Ankäufe öffentlicher Anleihen in dem Rahmen der letzten Wochen. Eine besonders starke Aktivität der Zentralbank lässt sich nicht ausmachen.

Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel mit etwas höheren Notierungen der US- und europäischen Aktienfutures sowie weitgehend unveränderten Treasury-Renditen deuten auf einen wenig geänderten Start der Staatsanleihen aus den Kernländern hin. Außerdem dürften sich die Investoren von der Verabschiedung eines neuen Fiskalpakets eine Woche vor der Wahl wohl endgültig verabschieden.

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Da Europa immer weiter auf zusätzliche Beschränkungen des öffentlichen Lebens zusteuert, die die wirtschaftliche Erholung mindestens abbremsen werden, sind die Bondkurse aus den Kernländern auf dem aktuell niedrigen Renditeniveau sehr gut unterstützt. Das gilt ebenfalls für die Staatspapiere aus der Peripherie und den Semi-Kernländern.

Solange es keine Zweifel an der Unterstützung der einzelnen Euroländer durch die EZB und die Europäische Union gibt, werden sich Renditeanstiege in Grenzen halten, obwohl sich die finanzwirtschaftliche Situation der Länder, die eine schwächere Bonität aufweisen, durch die zweite Pandemiewelle noch einmal verschlechtern dürfte. Tendenziell dürfte sich die Suche nach Rendite fortsetzen, was für eine Outperformance der Peripherieländer gegenüber Kern- und Semi-Kern sorgen sollte.

Konjunkturdaten

Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum werden keine Rolle für die Bewegung der Renditen spielen. Das Wachstum der Geldmenge M3 wird ignoriert werden.

Die Schnellschätzung für die Auftragseingänge an langlebigen Wirtschaftsgütern wird ebenfalls kaum Beachtung finden. Im September sollen die Auftrageingänge im Vergleich zum Vormonat zum fünften mal in Folge zugelegt haben.

Auf etwas mehr Interesse werden dagegen die Daten zur Immobilienpreisentwicklung stoßen. Der Immobilienboom, der sich an der Zahl verkaufter Bestandsimmobilien und Neubauten ablesen lässt, dürfte zu spürbaren Preissteigerungen führen - allerdings vor allem außerhalb der Ballungszentren.

Ob die Stimmung der Konsumenten aufgrund des Ausbleibens eines weiteren Konjunkturpakets Schaden genommen hat, dürfte sich im Verbrauchervertrauen des Conference Boards widerspiegeln. Die von Bloomberg befragten Volkswirte erwarten jedenfalls nur noch eine sehr geringe Verbesserung der Stimmung. Sollte sie ausbleiben, dürften die Treasury-Kurse zulegen.

Primärmarkt

Die Verlockung für die Emission von Staatsanleihen oder auch weiteren Emissionen der Europäischen Union zur Refinanzierung von SURE dürfte in dieser Woche erneut groß sein. Schließlich gab es am vergangenen Sonntag eine umfangreiche Fälligkeit aus Frankreich und heute wird ein italienischer Linker mit einem Volumen von 7,5 Milliarden Euro fällig. Dazu kommen am nächsten Wochenende Fälligkeiten aus Spanien und Italien in einem Umfang von rund 32,5 Milliarden Euro alles jeweils zuzüglich Zinszahlungen. Für opportunistische Refinanzierungen ist das Umfeld also ideal.

Italien wird mit geplanten Aufstockungen an die Investoren herantreten. Das umlaufende Volumen des aktuellen 5-jährigen Linkers soll um bis zu 0,75 Milliarden Euro erhöht werden. Der 2-jährige Zero wird um bis zu 2,5 Milliarden Euro aufgestockt.

Beides sind keine Größenordnungen, die die Aufnahmebereitschaft der Finanzmärkte ernsthaft testen werden. Durch die Anhebung des Ausblicks auf das BBB-Rating auf stabil durch S&P Global wird die Nachfrage nach italienischen Papiere sowieso stabil bleiben.

Am Geldmarkt wird Griechenland aktiv. Mit einem sechs Monate laufenden Papier sollten mindestens 625 Millionen Euro eingeworben werden, was bei einer Fälligkeit von 1,6 Milliarden Euro kein Problem sein sollte.

Am Abend wird das Treasury die Refinanzierung am Kapitalmarkt mit der Emission einer neuen 2-jährigen T-Note beginnen. Das durch die Geldpolitik der Fed fest zementierte Kurse Ende der Zinskurve wird für eine problemlose Aufnahme der 54 Milliarden Dollar schweren Transaktion beitragen, obwohl sie 2 Milliarden Dollar umfangreicher ist als die letzte Platzierung dieser Laufzeit.

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