Renten am Morgen: Wie können Haushaltsvetos ausgebremst werden?

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Im Verlauf des Mittwochnachmittags haben die Staatsanleihen aus dem Euroraum ihre leichten Kursgewinne immer weiter abgebaut. Sie schlossen schließlich mit geringen Renditeaufschlägen. Bei Kernländern betrugen sie am langen Ende der Zinskurve rund einen Basispunkt. Leicht höher waren die Verluste der italienischen Staatsanleihen.

Nur die griechischen Bonds konnten mit geringen Renditeabschlägen schließen. Der erweiterte Überwachungsbericht der Europäischen Kommission attestierte Griechenland, dass es trotz der aktuellen widrigen Umstände alle notwendigen Maßnahmen ergriffen hat, um die der Eurogruppe zugesagten Reformschritte einhielt.

Der Bericht könnte die Grundlage für weitere Schuldenerleichterungen für das Land sein, die durch die Eurogruppe beschlossen werden.

Ursache für die übrigen leichten Kursverluste dürfte vor allem die im Tagesverlauf immer weiter zunehmende Risikoneigung der Anleger gewesen sein. Bei den italienischen Bonds könnte auch die zusätzlich geplante Ausweitung der Staatsverschuldung um 20 Milliarden Euro eine Rolle gespielt haben, obwohl es auf die Veröffentlichung der Nachricht hin keine unmittelbaren Kursreaktionen bei den italienischen Staatspapieren gab. Außerdem muss die Conte-Regierung noch die parlamentarische Zustimmung einholen.

Die Stellungnahmen der Europäischen Kommission zu den Haushaltsentwürfen der einzelnen Euroländer blieben am Mittwoch ohne Resonanz an den Finanzmärkten. Aufgrund der gelockerten fiskalischen Regeln für das Jahr 2021 genehmigte die EU-Kommission zwar alle Vorlagen, mahnte von Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien jedoch verstärkte Anstrengungen an, um die mittelfristige Schuldentragfähigkeit zu gewährleisten.

Anleger jedenfalls scheinen das Problem der langfristigen Schuldentragfähigkeit dank des Einsatzes der Europäischen Zentralbank sowie dem Aufbaufonds zurzeit nicht besonders stark in ihren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen.

Lagarde im Fokus

Mit dem Auftritt der EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor Vertretern des Europäischen Parlaments sowie dem virtuellen Treffen des Europäischen Rates stehen zwei Ereignisse in Europa an, die den Renditen eine Richtung geben können.

Die EZB-Chefin dürfte ihrer Linie treu bleiben. Dementsprechend wird sie weiteren geldpolitische Maßnahmen am 10. Dezember ankündigen, da das Inflationsziel weiterhin in weiter Ferne ist und die europäische Wirtschaft auf ein niedriges Zinsniveau mit einem funktionierenden Kredittransmissionsprozess angewiesen ist.

Zugleich dürfte Lagarde erneut daraufhin weisen, dass die präferierten Instrumente die Anleiheankäufe sowie TLTROs sind. Selbst Zinssenkungen dürfte sie als geldpolitisches Mittel nicht ausschließen. Zudem wird sie vermutlich die Notwendigkeit der fiskalischen Unterstützung der Geldpolitik betonen. Der Auftritt bietet darüber hinaus die Möglichkeit, Markterwartungen an umfassende geldpolitische Lockerungen etwas zu dämpfen. Insgesamt dürften die Aussagen der Notenbankpräsidentin die Bondkurse eher stützen.

Bei dem Treffen des Europäischen Rats am Abend dürfte es trotz voller Agenda darum gehen, wie man Polen und Ungarn zum Einlenken beim EU-Haushalt bewegen kann. Ergebnisse sind jedoch unwahrscheinlich, sondern erst auf dem nächsten Treffen am 10./11. Dezember zu erwarten.

Sollte sich abzeichnen, dass mit keinem Einlenken der beiden Länder zu rechnen ist, dürfte das nicht mehr ganz ohne Folgen für die Renditen der Staatsanleihen sein. Zumindest die Renditen der Peripheriebonds dürften dann etwas anziehen, wobei die Auswirkungen sich erst am Freitag zeigten werden, da das virtuelle Treffen erst um 18 Uhr beginnt.

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Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel mit leichten Gewinne bei den Treasuries sowie kaum geänderten US-Aktienfuture deuten auf ein behauptete Eröffnung der Kurse der Staatsanleihen aus den Kernländern hin.

Bei der Peripherie dürften sich die Investoren in Zurückhaltung üben und erst einmal die Ergebnisse der Gespräche des Europäischen Rats abwarten.

Konjunkturdaten

Die Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum werden keine Beachtung an den Finanzmärkten finden. Für die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosengeld sowie Philly Fed und Kansas City Fed Indikatoren trifft das jedoch ebenso wenig zu wie für die Zahl verkaufter Bestandsimmobilien.

Gemäß der Prognosen der von Bloomberg befragten Volkswirte soll die Zahl wöchentlicher Anträge auf Arbeitslosenunterstützung nur geringfügig zurückgegangen sein. Die Werte beider regionaler Fed-Indikatoren sollen sich im November vermutlich als Reaktion auf die zunehmende Einschränkung des öffentlichen Lebens erheblich verringert haben.

Zudem wird eine etwas geringerer Zahl an verkauften Bestandsimmobilien im Oktober erwartet. Die auf das Jahr hochgerechnete Erwartung von 6,46 Millionen Immobilien ist im historischen Vergleich jedoch immer noch sehr hoch. Tritt die Prognose ein, kann kaum von einem Ende des Immobilienbooms gesprochen werden.

Dennoch dürften die Daten bei Eintreffen der Schätzungen die Treasury-Kurse insgesamt eher stützen.

Primärmarkt

Frankreich und Spanien werden den Investoren heute zahlreiche Aufstockungen anbieten. Das französische Schatzamt wird den Anleger drei Anleihen mit festem Kupon und drei Linker anbieten. Bei den Fixkuponanleihen konzentriert sich die Emissionstätigkeit mit Laufzeiten 2023, 2026 und 2027 auf den mittleren Bereich der Zinskurve. Insgesamt sollen mit diesen drei Anleihen bis zu 8,5 Milliarden Euro in die Staatskassen fließen.

Bei den Linkern konzentriert sich das französische Treasury auf mittlere und lange Laufzeiten. Dadurch sollen zusätzlich bis zu 1,5 Milliarden Euro eingeworben werden, so dass das Gesamtemissionsvolumen bis zu 10 Milliarden Euro betragen wird.

Das spanische Tesoro wird mit Anleihen mit Laufzeiten bis 2026 und 2027 ebenfalls den mittleren Teil der Zinskurve anzapfen. Mit bis zu 2,5 Milliarden Euro ist das Emissionsvolumen jedoch überschaubar.

Die Platzierungen beider Länder müssen ohne die unmittelbare Unterstützung durch Fälligkeiten auskommen. Erst Mitte der kommenden Woche wird eine OAT mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro fällig.

Durch die Konzentration auf den mittleren Bereich der Zinskurven dürfte es dort bei beiden Ländern zu einer leichten Underperformance gegenüber den Peers bis zum Abschluss der Transaktionen kommen. Die spanischen Bonds sollten aufgrund des geringen Aufstockungsvolumens trotz der politischen Probleme im Land, die auch auf die Wirtschaft durchschlagen, mit geringen Zugeständnissen ohne Probleme von den Investoren aufgenommen werden.

Die Aufschläge bei den französischen Bonds dürften aufgrund des Volumens dagegen etwas höher ausfallen.

Außerdem wird Irland den Geldmarkt mit einem fünf Monate laufenden Papier anzapfen. Dadurch sollen bis zu 0,75 Milliarden Euro eingeworben werden. Obwohl der die Transaktion ohne die Unterstützung von Fälligkeiten auskommen muss, sollte die Platzierung der Kursläufer ohne Friktionen verlaufen.

Neben 65 Milliarden Dollar an T-Bills mit Laufzeiten von vier und acht Wochen wird das Treasury die Aufstockung der aktuellen 10-jährigen TIPS um 12 Miliarden Dollar anbieten. Die Inflationserwartungen gemessen mit dem 5-Jahre, 5-Jahre Inflations Forward Swap bildeten sich in den vergangenen Wochen kaum zurück. Entsprechend dürfte sich sich die Linker gut platzieren lassen.

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