Renten am Morgen: Jahr mit immer neuen Renditetiefs geht zu Ende

Dirk Gojny
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Die Papiere aus den Kern- und Semi-Kernländern haben den Handel am Dienstag mit leichten Gewinnen beendet. Von der Risk-on-Bewegung an den asiatischen und europäischen Kapitalmärkten zeigten sich die Investoren wenig beeindruckt.

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie scheinen die Bondanleger trotz des Beginns der Impfungen vorsichtig agieren zu lassen, da kein Ende der Einschränkungen des öffentlichen Lebens absehbar ist und die Zahl der Neuansteckungen in vielen Regionen wieder zunehmen. Gemessen an der Zahl umgesetzter Bund-Future-Kontrakte erfolgte die Bewegung an den Bondmärkten erneut bei weit unterdurchschnittlicher Aktivität.

Die Peripherie gab ein uneinheitliches Bild ab. Die Bonds von der iberischen Halbinsel schlossen im Vortagsvergleich unverändert. Bei Renditen für zehnjährige Papiere leicht über der 0%-Marke scheint die Luft für weitere Kursgewinne zum Jahresende dünner zu werden.

Die italienischen Staatsanleihen mussten Renditeanstiege von rund zwei Basispunkten am langen Ende der Zinskurve hinnehmen. Neben den drohenden Querelen innerhalb der Regierungskoalition wegen der Planungen zum nationalen Wiederaufbauplan dürften die Renditeanstiege auch eine Reaktion auf die Outperformance der BTPs gegenüber ihren Peers am Montag gewesen sein.

Griechische Staatspapiere waren hingegen die Tagesgewinner. Ihre Renditen gingen am langen Ende um rund zwei Basispunkte zurück. Die griechische Regierung plant, weitere Kredite des Internationalen Währungsfonds in Höhe von 3,6 Milliarden Euro vorzeitig zurückzuzahlen. Das dürfte die Zinslast des Landes senken.

Die Kurse der Anleihen aus der Peripherie bleiben insgesamt im kommenden Jahr gut unterstützt, da die Europäische Zentralbank ihre Anleihekäufe fortsetzen und daher eine Ausweitung der Spreads zu den Kernländern und deutliche Renditeanstiege zu unterbinden versuchen wird. Allerdings wird die Fähigkeit der Notenbank, diese Ziele zu erreichen, aufgrund der zu erwartenden starken Emissionstätigkeit im ersten Quartal auf die Probe gestellt. Üblicherweise sind die staatlichen Emittenten im ersten Quartal eines Jahres immer besonders aktiv mit Emissionen. Das muss auf dem aktuellen Rendite- und Spreadniveau erst einmal verdaut werden und könnte für einen holprigen Start mit zunächst steigenden Renditen zu Beginn des Jahres 2021 sorgen.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern dürften aufgrund der Vorgaben aus dem asiatischen Handel mit unveränderten Treasury- sowie uneinheitlichen Aktienmarktnotierungen kaum geändert in den letzten deutschen Handelstag des Jahres starten. Auch die Bonds aus der Peripherie sollten sich zu Handelsbeginn kaum bewegen

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Impulse für den Handel gehen, wenn überhaupt, von den USA aus. Dort sieht es zurzeit nicht so aus, als ob die Forderung des US-Präsidenten nach einer Aufstockung der finanziellen Unterstützung für US-Haushalte auf 2000 Dollar eine Chance auf Erfolg hat. Eine Abstimmung darüber im Senat wurde bislang nicht angesetzt. Außerdem scheint es weiterhin unter den republikanischen Senatoren eine Ablehnung einer weiteren Ausweitung der Staatsverschuldung zu geben, die die Anhebung der Zahlung mit sich bringen würde. Die Schätzung geht von zusätzlichen 464 Milliarden Dollar aus. Sofern sich die ablehnende Haltung gegenüber der Ausweitung erhärten sollte, dürfte das den Treasury-Kursen Auftrieb geben.

Konjunkturdaten

Mit der Schnellschätzung für die Konsumentenpreise in Spanien werden erste Daten zur Entwicklung der Preise im Dezember im Euroraum veröffentlicht. Die von Bloomberg befragten Volkswirte erwarten einen weiteren Monat mit rückläufigen Preisen zum Vorjahr. Deflationssorgen dürfte das auf Eurolandebene aufgrund der expansiven Geldpolitik der Notenbanken nicht auslösen. Reaktionen an den Bondmärkten auf die Daten sind nicht zu erwarten.

Von den US-Daten dürfte lediglich der Chicagoer Einkaufsmanagerindex Einfluss auf die Kursbewegung der Treasuries nehmen können. Mit einem erwarteten Wert von 56,3 Punkten liegt der Indikator weiterhin sehr deutlich in einem Bereich, der auf Wachstum im verarbeitenden Gewerbe hinweist, obwohl er sich im Vergleich zum November um zwei Punkte verschlechtert haben soll. Trotz der Einschränkungen im öffentlichen Leben hält sich das verarbeitende Gewerbe in den USA auf hohem Niveau. Daher dürfte selbst ein Wert für den Chicagoer Einkaufsmanagerindex, der in der Nähe der Prognose ausfällt, durchaus für leichten Druck auf die Treasury-Notierungen sorgen.

Primärmarkt

Es werden lediglich Geldmarktpapiere aus Griechenland angeboten. Das griechische Schatzamt plant, mindestens 625 Millionen Euro mit Kurzläufern mit einer Laufzeit von sechs Monaten einzuwerben. Nachfrageprobleme wird es nicht geben. Das Settlement erfolgt im kommenden Jahr. Unterstützung wird die Platzierung durch die Fälligkeit von 1 Milliarde Euro am 4. Januar erhalten.

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