Renten am Morgen: EZB ohne Handlungsdruck, Enttäuschung möglich

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: EZB ohne Handlungsdruck, Enttäuschung möglich

(Bloomberg) -- Die italienischen Staatsanleihen haben die Reduzierung der Bonitätsnote durch Fitch am Mittwoch nach anfänglichen Kursverlusten recht gut weggesteckt. Lediglich am langen Ende der Kurve gab es noch leichte Renditeanstiege, während die kurzen Laufzeiten sogar Renditerückgänge um einen Basispunkt verzeichneten.

Unterstützung erhielten die Bonds aus der Peripherie von der Abnahme der Risikoaversion der Investoren, die vor allem die Renditen der Anleihen von der iberischen Halbinsel zurückgehen ließ.

Dass auch die Renditen der Anleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern rückläufig waren, dürfte auf Spekulationen zurückzuführen sein, die Europäische Zentralbank können bereits am heutigen Donnerstag eine erneute Lockerung der Geldpolitik beispielsweise durch eine Erhöhung des PEPP-Ankaufvolumens beschließen.

Notwendig ist die Erhöhung zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch nicht. Trotz des großen Umfangs der Ankäufe im Zuge des PEPP - per letzter Berichtswoche rund 97 Milliarden Euro - ist zum bislang maximalen Volumen von 750 Milliarden Euro noch sehr viel Spielraum, selbst in den Fall, in dem die EZB ihr aktuelles Ankauftempo beibehält.

Vielleicht gibt es Aussagen, ob im PEPP fällig werdende Wertpapiere reinvestiert werden. Diese Frage ist ebenso offen, wie der Wunsch nach mehr Transparenz im Hinblick auf die Zusammensetzung der PEPP-Käufe. Handlungsdruck besteht jedoch auch bei diesen Fragestellungen nicht.

Trotz der wirtschaftlichen Turbulenzen mit starken Wachstumseinbrüchen im Euroraum könnte es zu einer vergleichsweise ereignislosen Pressekonferenz kommen. Schließlich betonte die EZB-Chefin in der Vergangenheit mehrfach, dass man alles unternehmen werde, um die Wirtschaft zu stützen, den Kredittransmissionprozess aufrechtzuerhalten und die Inflation in Richtung ihres Zieles zu schieben.

Fed besorgt

Am Mittwoch stimmte der US-Notenbankchef die Finanzmärkte auf eine lang anhaltende Niedrigzinsphase ein. Die Notenbank wird außerdem alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um die wirtschaftliche Aktivität in den USA zu stützen. Sorge bereitet den Notenbankern vor allem die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaftsleistung der USA. Die Fed scheint zu befürchten, dass sich das Potenzialwachstum verringern könnte.

Zu Länge und weiteren Umfang der Staatsanleiheankäufe durch die Fed gab es keine neuen Informationen. Insgesamt sind die Aussagen als “dovish” einzuordnen, was die Renditen der Treasuries niedrig halten dürfte.

Die Vorgaben für den Handelsstart mit Staatsanleihen aus dem Euroraum sind zwiespältig. Einerseits stiegen die Aktienkurse im asiatischen Handel teils deutlich an. Auch die US-Aktienfutures sowie ihre europäischen Pendants setzten ihre Aufwärtsbewegung am Donnerstagmorgen unter anderen aufgrund der Hoffnung auf ein Medikament zur Eindämmung der Pandemie sowie der Lockerungen der Ausgangssperren zu. Doch andererseits konnten die Kurse der Treasuries am Morgen leichte Kursgewinnen einfahren.

Die Abnahme der Risikoaversion spricht für einen Auftakt mit Kursgewinnen für die Periphriebonds. Die Renditen der Anleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern dürften zurückgehen bzw. um ihren Mittwochschluss notieren.

Mehr Bewegung wird es wahrscheinlich erst mit der EZB-Pressekonferenz geben. Sollten nämlich keine zusätzlichen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen bekanntgegeben werden, dürfte es zumindest temporär für Enttäuschung sorgen. Entsprechend sollte während der Pressekonferenz mit leicht steigenden Renditen bei Staatspapieren gerechnet werden.

Konjunkturdaten

Der Datenkalender ist am Donnerstag sehr gut gefüllt. Am frühen Morgen konnten die chinesischen Einkaufsmanagerindizes nicht völlig überzeugen, denn die Indikatoren für das verarbeitende blieben hinter der Erwartungen zurück.

Das Dienstleistungsgewerbe erholte sich hingegen im April erneut. Insgesamt scheint sich die chinesische Wirtschaft nicht ganz so schnell zu erholen. Das dürfte an der Produktion und dem Konsum liegen, der in zahlreichen Exportmärkten zum Erliegen gekommen sind. Dass es in China zu einem V-förmigen Aufschwung kommen wird, ist mit Fragezeichen behaftet.

Aus dem Euroraum werden Schnellschätzungen für Konsumentenpreisdaten für den April sowie vorläufige Wachstumsdaten für das erste Quartal 2020 veröffentlicht. Die von Bloomberg befragten Volkswirte gehen von einem starken Schrumpfen der Wirtschaftsleistung aus.

Die ersten Auswirkungen der Lockdowns waren bereits im ersten Quartal deutlich zu spüren. Allerdings dürften die Einschnitte im laufenden, zweiten Quartal noch viel deutlicher ausfallen, weil die wirtschaftliche Aktivität in den meisten Euroländern völlig zum Erliegen kam und Beschränkungen erst sehr langsam gelockert werden.

Dementsprechend dürften die Auswirkungen schwacher Q1-Wachstumszahlen auf die Renditeentwicklung überschaubar ausfallen. Sehr schwache Daten dürften die Renditen etwas nach unten drücken.

Die Inflationsdaten dürften zwar weitestgehend ignoriert werden. Der Preisauftrieb im Euroraum soll sich aber merklich verlangsamt haben, was zum Teil sicher auf die Energiepreisentwicklung zurückzuführen sein wird. Allerdings soll die Kernrate ebenfalls nur noch mit 0,7% zum Vorjahr zulegen. Die Sorgen vor deflationären Tendenzen dürften zunehmen, wenn sich die Nachfrage nicht bald wieder belebt.

Außerdem dürfte die Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt von Interesse sein. Trotz rezessiver Tendenzen soll die Arbeitslosigkeit im April kaum gestiegen sein, was auf die Nutzung von Kurzarbeit zurückzuführen sein dürfte. Daher wären aktuelle Informationen zum Kurzarbeiterstand von Interesse. Die Wirkung auf die Bondrenditen dürfte sich jedoch in Grenzen halten. Nur ein überraschend starker Anstieg der Arbeitslosigkeit wird die Bondkurse zulegen lassen.

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeistlosenhilfe soll sich weiter ermäßigt haben, aber dennoch erneut im Millionenbereich liegen. Die persönlichen Ausgaben und Einkommen werden im März rückläufig erwartet, was zu Lasten des privaten Verbrauchs gehen wird.

Der Einbruch im verarbeitenden Gewerbe soll sich gemäß der Prognosen für den Chicagoer PMI am Donnerstag und den ISM am Freitag vertieft haben. Das wäre zwar wenig überraschend, dürfte die Kurse der Treasuries dennoch tendenziell steigen lassen.

Primärmarkt

Emissionen am Geld- und Kapitalmarkt aus Ländern des Euroraums pausieren am Donnerstag. Am Abend wird das US-Treasury sowohl mit Geldmarktpapieren mit Laufzeiten von einem und zwei Monaten - zusammen 160 Milliarden Dollar - als auch Cash Management Bills mit einem Volumen von 30 Milliarden Dollar aktiv. Die Refinanzierung der fiskalischen Maßnahmen zur Abmilderung der Auswirkung der Pandemie ist deutlich zu spüren. Bislang gab es jedoch kaum Probleme, die Kurzläufer abzusetzen.

Bonitätseinschätzungen (Freitag)

Es ist lediglich die Veröffentlichung einer Aktualisierung einer Bonitätseinschätzung eines Landes aus dem Euroraum geplant. Moody’s will einen Blick auf die Kreditwürdigkeit der Niederlande werfen.

Derzeit gewährt der Bonitätswächter dem Land mit einem “AAAu” und einem stabilen Ausblick die Bestnote. Trotz der erheblichen Ausdehnung der Verschuldung aufgrund fiskalischer Maßnahmen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Auswirkungen der konjunkturellen Krise durch die Virusinfektion dürfte es kaum eine Änderung der Bonitätseinschätzung geben.

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