Renten am Morgen: Emissionstätigkeit schwillt an, ESM kein Thema

Dirk Gojny

(Bloomberg) -- Am Donnerstag sind die Kurse der Staatsanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern aufgrund einer Zunahme der Risikoaversion gestiegen. Die Bonds aus der Peripherie notierten abgesehen von italienischen Staatspapieren um ihren Vortagsschluss.

Dass Spanien die Nettokreditaufnahme über die Kapitalmärkte im laufenden Jahr im Vergleich zur ursprünglichen Planung vervierfachen will, war dagegen keine Überraschung. Die zahlreichen fiskalpolitischen Maßnahmen der spanischen Regierung müssen schließlich refinanziert werden. Die Spreads spanischer zu deutschen Staatsanleihen bewegten sich per Saldo kaum. Allerdings kommen derzeit weder für Spanien noch Italien die Nutzung des ESM in Frage, obwohl es für beider Länder erhebliche Zinsvorteile bieten würde.

Die Outperformance der italienischen Bonds dürfte auf die Platzierung der BTP Italia zurückzuführen sein. Sie ist als voller Erfolg zu werten, denn insgesamt gab es Orders für rund 22,3 Milliarden Euro. Davon entfielen auf Privatkunden rund 14 Milliarden Euro und auf institutionelle Anleger 8,3 Milliarden Euro.

Sowohl private als auch institutionelle Investoren ließen sich durch die Verschuldungssituation des Landes nicht verunsichern. Die attraktiven Konditionen für die Emission dürften ebenfalls für die starke Nachfrage verantwortlich gewesen sein.

Die Wirtschaftsdaten dürften ebenfalls einen Beitrag zu der Renditebewegung geleistet haben. Die Schnellschätzungen der Markit Einkaufsmanagerindizes zeigten im Mai zwar eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vormonat. Sie wiesen jedoch weiterhin auf eine starke Kontraktion der wirtschaftlichen Aktivität hin.

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung fiel am Donnerstagnachmittag wenig erfreulich aus. Mehr als 2,4 Millionen Personen beantragen diese. Sollte es nicht bald eine Kehrtwende geben, wird der Arbeitsmarktbericht für den Mai erneut sehr schwach ausfallen.

Die Anleger warten weiterhin auf den Gegenvorschlag zu den deutsch-französischen Überlegungen zur Ausgestaltung des Wiederaufbaufonds, der durch Österreich, die Niederlande, Dänemark und Schweden erarbeitet wird. Die Veröffentlichung des Gegenvorschlags dürfte die Kurse der Staatsanleihen aus der Peripherie vor allem in dem Fall unter Druck bringen, in dem es überhaupt keine Gemeinsamkeiten zwischen beiden Überlegungen gibt. Das würde einen Kompromiss erheblich erschweren.

Außerdem ist bislang nicht klar, unter welchen Bedingungen Zuschüsse aus dem deutsch-französischen Vorschlag fließen würden. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Zuschüsse nicht an Restriktionen gebunden werden, die engmaschig überwacht werden. Dazu dürfte spätestens der Vorschlag der Europäischen Kommission, der am 27. Mai veröffentlicht wird, mehr Auskunft geben.

Zunehmende Spannungen zwischen den USA und China - unter anderem wegen der Bekanntgabe neuer Sicherheitsgesetze für Hongkong im Zuge des Beginns des China’s National People’s Congress sowie Anschuldigungen des US-Präsidenten in Richtung China wegen der Ausbreitung der Pandemie - sorgten für nachgebende Aktienkurse im frühen asiatischen Handel. Außerdem nennt die chinesische Administration für das laufende Jahr aufgrund der hohen Unsicherheit kein Wachstumsziel.

Die US- und europäischen Aktienfutures gaben nach, während die Kurse der Treasuries über die gesamte Kurve im Plus notieren.

Die Vorgaben sollten den Kursen der Bonds aus den Kernländern zum Handelsbeginn Auftrieb geben. Die Renditen der Staatspapiere aus der Peripherie dürften bestenfalls kaum geändert in den Tag starten.

Konjunkturdaten

Wirtschaftsdaten sind am Freitag Mangelware. Von der Zusammenfassung des letzten Treffens des EZB-Rats dürften keine Impulse für die Rentenmärkte ausgehen. Nach ihrer letzten Tagung signalisierten die europäischen Zentralbanker trotz des Urteils des BVerfG immer wieder die Bereitschaft, weitere geldpolitische Maßnahmen in die Wege zu leiten, um auf das mittelfristige Inflationsziel hinzuarbeiten. Die geldpolitische Ausrichtung bleibt eindeutig. Das wird für ein anhaltendes Niedrigzinsniveau im Euroraum sorgen.

Entsprechend dürfte es vom Auftritt des Chefvolkswirts der EZB, Philip Lane, am späten Freitagnachmittag keine neuen Botschaften geben. Hinsichtlich geldpolitischer Ausrichtung wird er altbekanntes Wiederholen.

Bonitätseinschätzungen

Am Freitagabend werden Aktualisierungen für nur zwei Länder aus dem Euroraum erwartet. Lettland wird sowohl von DBRS Morningstar als auch Moody’s näher betrachtet. Fitch will sich mit Portugal auseinandersetzen.

DBRS Morningstar könnte den positiven Ausblick auf das Rating von Lettland aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen auf stabil ändern. Da Moody’s das Rating des Landes mit einem stabilen Ausblick versieht, dürfte es keine Änderung der Bonitätsnote geben, sondern allenfalls eine Anpassung des Ausblicks.

Die Einschätzung von Fitch zu Portugal dürfte wenig Neues bringen. Schließlich hatte der Bonitätswächter den Ausblick auf das “BBB”-Rating außerplanmäßig am 17. April von positiv auf stabil gesenkt. Daher ist es durchaus möglich, dass es keine Aktualisierung der aktuellen Einschätzungen geben wird, also Fitch den Termin ohne Urteil verstreichen lässt.

MEHR: Der Tag mit Bloomberg: Spannungen um Hongkong, China im Blick

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