Renten am Morgen: Billionen Dollar forcieren Reflation Trades

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Die üblichen Kursreaktionen der Staatsanleihen und der Treasuries sind nach dem schwach ausgefallenen US-Arbeitsmarktbericht ausgeblieben. Die Renditen sanken nicht, sondern stiegen. Zugleich wurde die US-Zinskurve erneut steiler, so dass der Spread zwischen 10- und 2-jährigen T-Notes fast 100 Basispunkte beträgt - so hoch wie seit Mitte Juli 2017 nicht mehr.

Der Reflation Trade erhielt mehr Nahrung, da die Investoren nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht von einem umfangreichen weiteren fiskalischen Stützungspaket ausgehen. Der designierte US-Präsident Joe Biden kündigte am Freitag an, er werde seine Vorschläge am Donnerstag dieser Woche vorlegen.

Seinen Aussagen zu Folge werde der Umfand im Billionen-Dollar-Bereich liegen. Zu seinen Plänen gehört auch eine Anhebung des Mindestlohns auf 15 Dollar pro Stunde. Sowohl zusätzlicher fiskalischer Stimulus als auch eine potenzielle Anhebung des Mindestlohns treiben die Inflationserwartungen. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass der vor allem von der Erwartung fiskalischer Maßnahmen getriebene Anstieg der US-Renditen seine Fortsetzung finden wird.

Bislang zeigten sich die Staatsanleihen aus dem Euroraum gegenüber dem Sog der Treasury-Renditen robust, was sich beispielsweise in der Ausweitung der Zinsdifferenz zwischen 10-jährigen US-Treasuries und Bunds ablesen lässt. Am vergangenen Freitag schlossen die Kernlandbonds trotz des US-Renditeanstiegs kaum verändert zum Vortagsschluss.

Zum einen sind es die unterschiedlichen Wachstums- und Inflationserwartungen zwischen den USA und dem Euroraum, die die Zinsdifferenz nach oben treiben. Zum anderen dürfte die Aktivtät der Europäischen Zentralbank mit ihren umfangreichen Anleihekäufen zu einer Abschirmung gegen die Renditeanstiege der Treasuries beitragen. Am Montagnachmittag werden die Ankaufdaten für die ersten Tage des Jahres 2021 veröffentlicht. Diese Daten könnten erste Hinweise geben, ob die Notenbank aufgrund des US-Zinsanstiegs gezwungen wurde, etwas mehr anzukaufen.

Die Peripherie zeigte sogar eine Outperformance. Mit rund drei Basispunkten verzeichneten die Renditen der italienischen und portugiesischen Staatsanleihen am langen Ende der Zinskurven die stärksten Renditerückgänge.

Portugal entschied sich wohl aufgrund des etwas geringeren Finanzierungsbedarfs gegen eine neue syndizierte Anleihe. Es wird in der laufenden Woche auf den üblichen Platzierungsmechanismus mit der Aufstockung von zwei Anleihen zurückgegriffen.

Die schwelende Regierungskrise in Rom konnte den Renditerückgang der italienischen Staatsanleihen nicht stoppen. Trotz der Nachbesserungen hinsichtlich Verwendung der Mittel aus dem Aufbaufonds bleibt offen, ob Viva Italia die Pläne unterstützen wird. Im Laufe der Woche werden die Pläne im Kabinett diskutiert. Die Anleger können sich scheinbar nicht vorstellen, dass Viva Italia der Regierung die Unterstützung entzieht. Bei darauf folgenden potenziellen Neuwahlen würden die aktuellen Regierungsparteien zu den Verlierern zählen.

Außerdem will Rom gemäß Finanzminister Roberto Gualtieri das Parlament um die Zustimmung zu einer weiteren Anhebung des Haushaltsdefizits um 24 Milliarden Euro bitten. Diese zusätzlichen Ausgaben sind in den Haushaltsplanungen für das laufende Jahr noch nicht enthalten. Sie würden das geplante Defizit von 7% des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Die Investoren dürften zumindest kurzzeitig ein wenig verschreckt auf diese Nachricht reagieren, so dass die Renditen der BTPs zu Handelsbeginn am Dienstag gegenüber den Peers underperformen dürften.

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Mit den Vorgaben aus dem asiatischen Handel, mit nachgebenden US-Aktienkursen sowie leichten Verlusten bei ihren europäischen Pendants und einem Anstieg des Treasury-Futures - Cash Marktnotierungen sind aufgrund des japanischen Feiertags noch nicht vorhanden - dürften die Kernlandbonds mit Kursgewinnen in den Handelstag starten. Die Emissionstätigkeit in der ersten Woche des Jahres wurde zwar gut verdaut. Doch die Erwartung weiterer syndizierter Emissionen - eventuell auch von der Europäischen Union im Zuge der SURE-Refinanzierung - dürfte die Kursanstiege begrenzen. Die Peripherie dürfte abgesehen von italienischen Bonds gesucht sein.

Konjunkturdaten

Im Dezember machten die Preisdaten in China auf Jahresbasis im Vergleich zum Vormonat einen großen Sprung. Dennoch zeigen die Erzeugerpreise weiterhin deflatorische Tendenzen. Die Konsumentenpreise schafften es zwar ganz leicht über die Nulllinie. Die Preisentwicklung lässt trotz der meist positiven Wirtschaftsdaten aus China ein wenig an der Stärke des Aufschwungs zweifeln. Sondereffekte?

Ansonsten gibt der Datenkalender am Montag nicht viel her. Den Sentix Stimmungsindikator dürfte aufgrund der sehr guten Performance der Finanzmärkte zugelegt haben. Das wird die Renditen kaum bewegen. Ähnliches gilt für die Informationen zur Industrieproduktion aus Spanien für den November.

Am Abend werden Raphael Bostic (stimmberechtigt) und Robert Kaplan erneut auftreten. Beide werden eine Ausblick auf die wirtschaftlichen Perspektiven und die Geldpolitik geben. Vermutlich werden sie wenig Neues zu den ökonomischen Entwicklungen der USA sagen. Erneut wird es wahrscheinlich vor allem um Äußerungen zur Zukunft der Anleihekäufe im laufenden Jahr gehen. Bostic kann sich den Start des Taperings im Verlauf des Jhres vorstellen. Eine einheitliche Einschätzung dazu gibt es innerhalb der Fed jedoch nicht. Der Vizepräsident der Fed, Richard Clarida, erwartet nämlich keine Reduzierung des Volumens an Anleihekäufe im laufenden Jahr. Vermutlich wird er auf einer Linie mit dem Notenbankchef sein, der sich in diesem Jahr jedoch noch nicht äußerte.

Primärmarkt

Aus dem Euroraum sind für den Montag lediglich Geldmarkttransaktionen aus Deutschland und Frankreich vorgesehen. Die deutsche Finanzagentur wird Papiere mit Laufzeiten von rund fünf und elf Monaten anbieten, mit denen zusammen bis zu 7 Milliarden Euro erlöst werden sollen.

Im Gegensatz zu den deutschen Emissionen werden die französischen Platzierungen von Rückzahlungen in Höhe von 8 Milliarden Euro begleitet. Das französische Schatzamt wird den Anleger drei Papiere mit Laufzeiten von drei bis zwölf Monaten anbieten. Das Platzierungsvolumen wird bis zu 6 Milliarden Euro betragen. Einmal mehr werden sich die Geldmarktpapiere erfolgreich an die Investoren bringen lassen.

Das Treasury wird am Abend die Refinanzierung am Kapitalmarkt mit dem Angebot einer neuen 3-jährigen T-Note mit einem Umfang von 58 Milliarden Dollar eröffnen. Die kurzen Laufzeiten dürften sich vergleichsweise problemlos am Kapitalmarkt unterbringen lassen, da das kurze Ende der Zinskurve durch die Geldpolitik auf absehbare Zeit fest verankert ist.

Außerdem werden wie in den Vorwochen 105 Milliarden Dollar an T-Bills mit drei und sechs Monaten Laufzeit angeboten.

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