Renten am Morgen: Abkoppelung der Eurolandbonds gut begründet

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Der Anstieg der Treasury-Renditen am langen Ende der US-Zinskurve hat sich am Donnerstag fortgesetzt. Auch im frühen asiatischen Handel am Freitag ging es mit den Renditen weiter aufwärts, so dass sie für 10-jährige T-Notes inzwischen bei rund 1,1% liegt. Die US-Zinskurve wurde aufgrund der festen Verankerung des kurzen Endes wegen der auf absehbarer Zeit unveränderten Geldpolitik der US-Notenbank steiler.

Dem Sog der T-Notes konnten sich die Staatsanleihen aus dem Euroraum nicht völlig entziehen. Dennoch schlossen die Kurse der Papiere aus dem Euroraum im Vergleich zum Mittwoch weitestgehend unverändert. Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den steigenden US-Renditen dürfte auf die unterschiedlichen Erwartungen der Anleger im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung in beiden Regionen zurückzuführen sein.

Mit einem weiteren US-Fiskalprogramm sowie möglicherweise umfassenden Ausgaben für Infrastruktur usw. in den USA setzen die Finanzmärkte auf eine deutlich schnellere und umfangreichere Erholung der wirtschaftlichen Aktivität im Land, als es für den Euroraum erwartet wird. Zugleich erwarten die Anleger ein Anziehen der US-Inflation, was sich sowohl an den steigenden Breakeven-Renditen als auch den 5 Jahre, 5 Jahre Inflations Swap Sätzen zu erkennen lässt.

Damit diese Bewegung dauerhaft Bestand haben kann, müsste sich die Beschleunigung der Teuerungsdynamik alsbald auch in realisierten Inflationsdaten niederschlagen. Aus den jüngsten Aussagen der US-Notenbanker geht hingegen bisher nicht hervor, dass sie mit mehr Preisdynamik rechnen.

Obwohl die Inflationserwartungen im Euroraum ebenfalls anzogen, wird wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie hierzulande von einer weiterhin gedämpften Teuerungsentwicklung ausgegangen. Das entspricht den Prognosen der Europäischen Zentralbank, die ihr Inflationsziel auf absehbare Zeit nicht zu erreichen glaubt.

Die divergente Bewegung zwischen den US- und den Kernlandrenditen könnte sich also durchaus weiterlaufen. Sofern die Renditen der Treasuries ihren Anstieg fortsetzen, wird das nicht ohne Folgen insbesondere für die Kernlandbonds bleiben. Eine komplette Abkoppelung von der Bewegung der US-Bonds scheint unwahrscheinlich. Neben den unterschiedlichen Wirtschaftserwartungen dürfte die Aktivität der EZB im Bondmarkt jedoch deutlichere Renditeanstiege verhindern.

Aus den gestrigen Aussagen der US-Notenbanker lässt sich ableiten, dass die Anleiheankäufe vorerst mit unverändertem Volumen fortgesetzt werden. Die Tapering-Diskussion innerhalb der Fed dürfte aber angestoßen sein, obwohl die Aussagen zum Beginn der Verringerung der Käufe sehr vage gehalten werden. Der Dallas Fed-Präsident, Robert Kaplan, sprach sich gegen Eingriffe der Fed zur Verlangsamung eines Renditeanstiegs aus, sofern diese und die Verteilung der Zinskurve auf verbesserten konjunkturellen Perspektiven zurückzuführen sind.

Handlungsbedarf hinsichtlich einer zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik durch eine Ausweitung der Anleihekäufe scheinen die Notenbanker nicht mehr zu sehen. Allerdings sind die finanziellen Bedingungen in Anbetracht nach wie vor tiefen negativer US-Realrenditen so locker, das ein weiterer Eingriff nicht nötig ist.

Die Bonds aus der Peripherie dürften vom Anziehen der Renditen der US-Treasuries wenig betroffen sein. Bei ihnen spielt die Nachfrage infolge der Suche nach Rendite die übergeordnete Rolle. Entsprechend entwickelte sich die Peripherie am Donnerstag ein klein wenig besser als die Kernländer. Innerhalb der Peripherie zeigten portugiesische Papiere bei mittleren und langen Laufzeiten die beste Performance. Das dürfte an den Informationen zur Bruttoinanspruchnahme des Kapitalmarktes durch Portugal liegen. In 2021 sollen 15 Milliarden Euro aufgenommen werden. Die Analysten der Commerzbank gingen beispielsweise von 16,5 Milliarden Euro aus. Portugiesische Bonds dürften also in 2021 knapp bleiben.

In Italien bemüht sich Ministerpräsident Giuseppe Conte darum, eine Regierungskrise zu vermeiden. Mit den jüngsten Vorschlägen zur Verwendung der Mittel aus dem Aufbaufonds versucht er, den Wünschen des Parteichefs von Italia Viva entgegen zu kommen. Allerdings sieht dieses Entgegenkommen gemäß eines vorläufigen Entwurfes, den Bloomberg einsah, eine vollständige Nutzung aller zur Verfügung stehenden Mittel aus dem Aufbaufonds vor. Das steht im Gegensatz zu Aussagen von Conte von Ende 2020, in denen aufgrund der Verschuldungssituation Italiens vor der Nutzung aller Mittel warnte. Dieser politisch motivierte Schwenk könnte an den Kapitalmärkte schlecht ankommen, so dass eine Underperformance der BTPs gegen die Peers gerechnet werden muss.

Der Tag mit Bloomberg: Aktienfutures steigen; Trump lenkt ein

Unter dem Eindruck weiter anziehender Treasury-Renditen sowie dem Risk-on in Asien dürften die Kernlandanleihen den Tag Freitag mit leichten Kursverlusten beginnen. Die teilweise Abkoppelung der Renditeentwicklung im Euroraum von den USA dürfte jedoch Bestand haben. Die Peripherie könnten ihre leichte Outperformance fortsetzen.

Konjunkturdaten

Aus dem Euroraum werden unter anderem zahlreiche Industrieproduktionsdaten aus dem November gemeldet. Besonders viel Bedeutung wird ihnen an den Kapitalmärkten vermutlich nicht beigemessen werden, auch wenn sie darauf hindeuten könnten, dass das Wachstum im vierten Quartal nicht ganz so düster wird, wie es die Lockdowns befürchten lassen.

Das Hauptinteresse der Investoren richtet sich auf den US-Arbeitsmarktbericht. Im Dezember sollen nur noch 50.000 neue Stellen außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors geschaffen worden sein. Der Arbeitsplatzaufbau wäre gemäß der Konsensusprognose nahezu zum Erliegen gekommen.

Selbst wenn ein paar 10.000 Stellen mehr geschaffen würden, als es erwartet wird, dürften die Rufe nach fiskalischer Unterstützung noch lauter werden. Daher dürfte selbst ein sehr schwacher Arbeitsmarktbericht wie bereits der ADP-Report am Mittwoch nicht zwingend einen Rückgänge der Treasury-Renditen auslösen, sondern im besten Fall zu keiner Reaktion führen. Wahrscheinlich sind jedoch steigende Renditen die Folge, da ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht über die Forderung nach mehr Stimulus die Inflationserwartungen schüren dürfte.

Am Nachmittag wird sich außerdem der Vizepräsident der US-Notenbank, Richard Clarida, zu den wirtschaftlichen Perspektiven und zur Geldpolitik äußern. Bei seinem Auftritt dürften die Anleger erneut vor allem daran interessiert sein, wie er zu den Anleiheankäufen und einem potenziellen Tapering steht.

Bonitätseinschätzungen

Am Freitagabend ist lediglich die Bekanntgabe der Aktualisierung des Rating-Einschätzung von DBRS Morningstar zu Malta geplant. Das Rating ist mit einem stabilen Ausblick versehen, so dass es zu keinen Anpassungen der Note kommen dürfte. Größere Bedeutung für die Kapitalmärkte hätte ein Anpassung nicht. Malta hat insgesamt nur Anleihen und Geldmarktpapiere mit einem Nominalvolumen von 6,1 Milliarden Euro ausstehend.

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