Rente mit 70: „Wahre Lüge“

·Lesedauer: 3 Min.
Rente nachdenklicher Mann prüft Unterlage
Rente nachdenklicher Mann prüft Unterlage

Die Rente mit 70 ist ein heikles Thema. Im Endeffekt beschleicht mich immer ein wenig das Gefühl: Je mehr über solche Dinge diskutiert wird, desto wahrscheinlicher ist es im Endeffekt. Wobei alleine das Auslösen der Diskussion natürlich den Raum für Möglichkeiten schafft. Möglichkeiten … ein „tolles“ Wort in diesem Kontext.

Allerdings ist die Realität möglicherweise näher, als wir alle denken. Die Rente mit 70 ist vielleicht schon ein Fakt. Oder eine wahre Lüge, die wir ungerne glauben möchten. Riskieren wir einen Blick darauf, wie wir das in den größeren Kontext einordnen können.

Rente mit 70: Mehr als nur noch Theorie?

Die Rente mit 70 ist nichts, was uns irgendjemand antun möchte. Weder mir noch dir. Noch einem anderen von uns. Trotzdem ist sie in der Diskussion und besitzt verschiedene theoretische und konkrete Adaptionen. Fragen gehen beispielsweise dahin, wie man bis zu seinem 70. Lebensjahr arbeiten soll, wenn man in einem körperbetonten Beruf sein Brot verdient.

Wir wollen heute jedoch einen anderen Fokus wählen. Ökonomen beschäftigen sich nämlich eher mit der Leistbarkeit der Rente und fordern deshalb seit einiger Zeit ein Anheben der Regelaltersgrenze auf 70 Jahre. Die Politik würde sich wiederum selbst belügen, wenn sie diesem Thema ausweichend begegne. Aufgrund von Problemen in der Finanzierung, alternder Babyboomer und weniger nachkommenden Einzahlern gibt es schon heute eine Lücke. Eine, die grundsätzlich noch größer werden dürfte und ein Verschieben der Altersgrenze nach hinten notwendig mache.

Aber ist die Rente mit 70 deshalb alternativlos? Auch das wiederum eröffnet eine ganze Menge Ansatzpunkte für Diskussionen. Fakt scheint jedenfalls zu sein: So, wie es heute läuft, ist die Ausgangslage nicht nachhaltig. Veränderungen müssen her. Das Verschieben der Grenze nach hinten ist jedoch nicht die einzige Variante. Zumindest nicht, wenn du mich fragst.

Alternativen müssen her!

Wer die Rente mit 70 nicht haben möchte, der muss sich natürlich auf andere Wege einlassen. Beziehungsweise Kompromisse. Denn immerhin können wir sagen, dass es keinen Free Lunch bei diesem Thema gibt. Es gibt ja noch nicht einmal Zinsen, was grundsätzlich eine andere Baustelle ist. Aber eine, die ebenfalls Relevanz besitzt.

Wer nicht so spät in den Ruhestand übergehen möchte, der sollte entweder gewillt sein, mehr von seinem Erwerbseinkommen für ein nachhaltiges System aufzuwenden. Oder es müssten mehr Zahler und Bezieher in dieses Sozialsystem eingegliedert werden, was rein praktisch vermutlich schwierig umzusetzen ist. Eine letzte Option wäre ein Ausgleich über Rendite. Natürlich über längere Zeiträume hinweg und nicht als Soforthilfemaßnahme. Aber eine Aktienrente mit einem kleineren Teil der Einzahlungen könnte einen Ausgleich schaffen.

Im Endeffekt besteht außerdem noch die Möglichkeit, der Rente mit 70 persönlich entgegenzuwirken. Auch das setzte Sparen und Investieren und damit Rendite voraus. Anders als bei der Aktienrente würde man mit Negativzinsen keinen Blumentopf gewinnen. Ich jedenfalls lese hieraus: Alternativlos ist das Verschieben der Altersgrenze nicht. Aber es müssen definitiv andere Wege als bisher gegangen werden, um das System zu sichern.

Der Artikel Rente mit 70: „Wahre Lüge“ ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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