"Nicht im Rennen": Hisst Liverpool schon die weiße Fahne?

Tobias Wiltschek
·Lesedauer: 4 Min.

Es sind keine guten Zeiten in Liverpool, was irgendwie auch immer noch mit Corona zu tun hat.

Das gefährliche Virus konnte zwar die Meisterschaft des Liverpool Football Club in der vergangenen Saison nicht verhindern. Aber standesgemäß feiern konnte diese fußballverrückte Stadt den ersten Premier-League-Titel seit 30 Jahren auch nicht.

Wer die Parade nach dem Champions-League-Triumph 2019 noch in Erinnerung hat, kann sich lebhaft vorstellen, was im Sommer letzten Jahres auf den Straßen dieser Stadt losgewesen wäre.

Wäre! Denn diese Parade fand bis jetzt nicht statt. Und niemand weiß, ob und wann das Team um Jürgen Klopp das verdiente Bad in der riesengroßen roten Menge noch genießen kann.

Feiert Liverpool den Titel nicht als Meister?

Immer wahrscheinlicher wird jedenfalls, dass die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr Meister ist. Was durchaus einen Einfluss auf die Feierlichkeiten haben könnte.

Nach dem 0:1 gegen Brighton & Hove Albion an der heimischen Anfield Road wird bereits offen zugegeben, dass der Zug in Richtung Meisterschaft abgefahren sein könnte. (Die Tabelle der Premier League)

Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Manchester City, und die Citizens dürfen auch noch ein Spiel nachholen. Sie hätten also in der bereinigten Tabelle im Falle eines Sieges beim FC Everton – das Spiel wurde noch nicht neu terminiert – zehn Punkte Vorsprung auf den Titelverteidiger.

"Im Moment sind wir nicht im Titelrennen", gestand Linksverteidiger Andy Robertson bei BT Sports, wohlwissend, dass der Rückstand auf City in ein paar Tagen schon noch weiter angewachsen sein könnte. (Ergebnisse und Spielplan der Premier League)

Liverpool empfängt Manchester City

Am kommenden Sonntag nämlich empfangen die Reds den Tabellenführer, den sie in der vergangenen Saison noch um 18 Punkte distanziert hatten.

In dieser Spielzeit aber könnten sich die Verhältnisse schon bald umgekehrt haben. Für diese trüben Aussichten aus Liverpooler Sicht gibt es gleich mehrere Gründe.

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Zunächst einmal ist die Mannschaft offenbar am Ende ihrer Reserven angekommen. "Wir waren heute nicht frisch genug, mental und körperlich", sagte Klopp nach der Niederlage gegen Brighton. "Häufig haben wir den Ball zu leicht verloren. Ich weiß, dass die Jungs den Ball von A nach B spielen können. Aber das ist nicht passiert."

Um die körperliche und geistige Frische wieder herzustellen, ist Liverpool auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv geworden. Denn natürlich liegt der derzeit hohe Kräfteverschleiß auch und immer noch daran, dass mit Virgil van Dijk, Joe Gomez und nun auch noch Joel Matip gleich drei Innenverteidiger langfristig ausfallen.

Integration von Davies und Kabak wird dauern

Dabei ist es nicht so, dass Liverpool zurzeit mehr Spiele zu bestreiten hat als andere Teams. Ganz im Gegenteil: City und Manchester United (je 10) haben seit Jahresbeginn schon zwei Partien mehr in den Knochen als die Reds (8).

Mit Ben Davies und dem Ex-Schalker Ozan Kabak sind zwar zwei Spieler für die Abwehrzentrale verpflichtet worden. Doch es wird ein paar Wochen dauern, bis sie ins Spiel der Reds integriert sind.

Dass sie zuletzt nach 68 Heimspielen in Folge ohne Niederlage wieder zwei Partien in Anfield verloren haben, muss nicht unbedingt ein negatives Signal sein. Dafür sind die Unterschiede zwischen Heim- und Auswärtsspielen durch Corona einfach nicht so prägnant wie zu normalen Zeiten.

Klopp-Team verliert gegen Außenseiter

Größere Sorgen macht den Reds, dass sie zuletzt vor allem gegen die kleineren Mannschaften große Probleme hatten. Die beiden vergangenen Heimspiele gegen den FC Burnley und Brighton verlor Liverpool gegen Mannschaften, die im Tabellenkeller stecken.

Auch gegen Southampton setzte es eine Niederlage, und Newcastle United sowie West Bromwich trotzten den Reds immerhin ein Unentschieden ab. Alles Teams, die in der unteren Tabellenhälfte angesiedelt sind.

Punktverluste gegen solche Kaliber sollte sich Klopps Team tunlichst nicht mehr leisten, wenn es irgendwann in dieser Saison noch mal um den Titel mitspielen will. Denn die tun auch deshalb sehr weh, weil die Reds gegen die Top-Teams der Liga gar nicht schlecht aussehen.

Zuletzt gab es zwei 3:1-Erfolge gegen West Ham United und Tottenham Hotspur.

Die Motivation dürfte auch gegen Manchester City am Sonntag groß sein - aber auch einer der wenigen Faktoren, die auf einen Sieg hoffen lassen.

Auf dass die Reds ihren Titel vom letzten Jahr nicht als einer der großen Verlierer dieser Saison feiern müssen.