Im Rennanzug von Lance Stroll: So kam es zu Hülkenbergs Comeback

Maria Reyer

Nico Hülkenberg ist zurück. Der Deutsche war gestern auf dem Weg zum Nürburgring, als sich Racing Point bei ihm meldete. Teamchef Otmar Szafnauer schildert, dass er keine Überzeugungsarbeit leisten musste. Schwieriger gestaltete sich hingegen die Organisation des überraschenden Comebacks. "Wir mussten sehr viel in sehr kurzer Zeit erledigen", erklärt er im 'Sky'-Interview.

Um 14:20 Uhr Ortszeit habe Racing Point vom positiven Coronatest von Sergio Perez erfahren. "Ab diesem Zeitpunkt mussten wir Hülkenberg finden und ihn dazu bringen, das auch zu machen - das war nicht so schwierig. Ich denke, er hatte Bock drauf."

Statt auf dem Nürburgring zu testen, stieg Hülkenberg ins Flugzeug Richtung Großbritannien. Danach musste sichergestellt werden, dass er COVID-19 negativ ist. Ein Test am Freitagmorgen gab endgültige Gewissheit. Zuvor waren allerdings noch viele andere Schritte notwendig, um Hülkenberg ins Cockpit zu bringen.

45 Minuten Vorbereitung im Simulator

"Wir mussten ihm eine Superlizenz besorgen, was nicht so einfach ist, da man einen Vertrag braucht, der muss wiederum vom Contract Recognition Board abgesegnet werden. Dann mussten wir ihm parallel dazu noch vieles über das Auto erklären und er das Lenkrad verstehen."

Um sich an den RP20 zu gewöhnen, fuhr Hülkenberg daher am Freitagmorgen 45 Minuten im Simulator von Racing Point. Um ausgerüstet zu sein, hatte der Emmericher zumindest seinen Helm schon auf der Reise bei sich. Einen Rennanzug konnte er sich von Lance Stroll ausborgen, wie 'Sky' berichtet. Der Kanadier ist nur um zwei Zentimeter kleiner als Hülkenberg.

Im ersten Freien Training fährt Hülkenberg auf P9

Im ersten Freien Training fährt Hülkenberg auf P9 Motorsport Images

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Zunächst waren allerdings andere Fahrer als Favoriten für den Perez-Ersatz gehandelt worden: Etwa die Mercedes-Ersatzfahrer Stoffel Vandoorne und Esteban Gutierrez. Allerdings war recht schnell klar, dass Hülkenberg die erste Wahl sein wird.

"Stoffel fährt Rennen in Deutschland, daher konnte er nicht hier sein. Und Nico kennt das Team deutlich besser als Esteban", erklärt Szafnauer die Überlegung. "Und wir hatten genau einen Tag Zeit, um einen Fahrer zu finden. Es war sehr wichtig, dass wir jemanden finden, der das Team kennt."

Hülkenberg war bereits von 2014 bis 2016 für das Team, damals noch bekannt unter dem Namen Force India, tätig. "Nico war lange genug bei uns. Er kennt die Ingenieure, er war schon zuvor in unserem Simulator, er kennt die Abläufe. Und das wird der Schlüssel sein, damit er schnell auf Touren kommt."

Viele Beobachter rechnen dem Deutschen gar Chancen auf das Podium in Silverstone aus. Damit könnte er seinen unrühmlichen Rekord - die meisten Rennen ohne Podiumsplatz - endlich ablegen. "Ich denke, er hat eine Chance. Das wäre wohl die größte Ironie", schmunzelt Szafnauer.

Perez "ohne Symptome" isoliert

Wie geht es seinem Stammfahrer nach der Hiobsbotschaft? "Sergio geht es gut. Er zeigt keinerlei Symptome und fühlt sich gut. Wir werden seine Gesundheit täglich überprüfen. Ein Arzt wird immer wieder nach ihm sehen. Er befindet sich in Selbstisolation und hoffentlich wird der Virus mit der Zeit aus seinem Körper verschwinden."

Bis zu zehn Tage könnte Perez nun in Selbstisolation verbringen. Er befinde sich aktuell in einem Apartment. "Dort ist er vollkommen isoliert", betont der Teamchef. Dadurch dürfte er auch das zweite Rennen in Großbritannien verpassen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.