Renitentes Reichsbürgerpaar verbarrikadiert sich vor Polizei in Auto

Ein "Pass" eines Reichsbürgers

Ein renitentes Ehepaar amtsbekannter sogenannter Reichsbürger hat sich im niedersächsischen Hameln vor der Polizei in seinem Auto verbarrikadiert. Letztlich hätten Beamte unter Blicken zahlreicher Passanten eine Seitenscheibe einschlagen müssen, teilte die Polizei am Montag mit. Der 59-Jährige und die 62-Jährige wurden demnach mit mehreren Haftbefehlen gesucht.

Einem Streifenwagen war der Wagen zunächst wegen Verkehrsverstößen aufgefallen. Nach dem Stopp verschloss das Paar von innen die Türen, verweigerte die Kommunikation mit den Einsatzkräften und telefonierte - möglicherweise, um Unterstützer heranzuholen. Die Polizei keilte das Auto mit mehreren Fahrzeugen ein, um eine Flucht zu verhindern. Letztlich schlugen Beamte eine Scheibe ein.

Die Gesuchten beleidigten die Polizisten, ließen sich unter den Augen vieler Schaulustiger in der Hamelner Innenstadt aber ohne größeren Widerstand festnehmen. Der Mann kam aufgrund der gegen ihn vorliegenden Haftbefehle in ein Gefängnis, seine Frau wurde nach Zahlung einer Geldstrafe wieder entlassen. Beiden drohen nun diverse neue Verfahren, vor allem dem fahrenden Ehemann. Unter anderem waren die Kennzeichen nach Polizeiangaben "verfälscht".

Die Reichsbürger sind eine in Kleingruppen zersplitterte Szene, die die Bundesrepublik, ihre Institutionen und Gesetze nicht anerkennt. Für viele von ihnen besteht das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 fort. Laut aktuellem Verfassungsschutzbericht gehören der Bewegung etwa 18.000 Menschen an, etwa 900 sind rechtsextrem. Viele Reichsbürger verfügen den Behörden zufolge auch über Waffen.