Renault: Seit Spa mehr Punkte geholt als Red Bull! Woran liegt's?

Christian Nimmervoll
·Lesedauer: 3 Min.

Das Renault-Team liegt nach 13 von 17 geplanten Rennen der Formel-1-Saison 2020 auf dem dritten Platz der Konstrukteurs-WM. Das wäre das beste Abschneiden seit 2007 (damals mit Giancarlo Fisichella und Heikki Kovalainen). Dabei hatten die ersten beiden "Tripleheader" in diesem Jahr nicht auf das möglicherweise beste Abschneiden seit 13 Jahren hingedeutet.

In den ersten sechs Rennen erreichte jeder der beiden Fahrer zwei achte Plätze. Dazu kam ein positiver Ausreißer mit 20 Punkten in Silverstone 1 (P4 für Daniel Ricciardo und P6 für Esteban Ocon). Renault lag an sechster Stelle der Konstrukteurs-WM und hatte auf Racing Point (P3) schon 27 Punkte Rückstand.

Doch von da an ging's sukzessive aufwärts. Ab Spa holten Ricciardo/Ocon in jedem Rennen mindestens zwölf Punkte (einzige Ausnahme: Portimao mit sechs). Würde man nur die vergangenen sieben Grands Prix für die Berechnung heranziehen, wäre Renault sogar WM-Zweiter, mit 99:91 Punkten vor Red Bull.

Renault liegt im Vierkampf um den dritten Platz je einen Punkt vor McLaren und Racing Point und 32 Punkte vor Ferrari. "Man muss immer anschauen, wer die beste Steigerung hat im Verlauf des Jahres. Und da gewinnt eindeutig Renault", analysiert Marc Surer in einem Video-Interview, das am Samstag auf dem YouTube-Kanal unseres Schwesterportals Motorsport-Total.com veröffentlicht wurde.

Der Formel-1-Experte hat seine ganz eigene Theorie, was hinter dem plötzlichen Renault-Aufschwung stecken könnte: "Ich habe das Gefühl, seit Pat Fry da gelandet ist, geht es aufwärts. Das ist vielleicht auch so einer, der einfach weiß, wie man die Leute in die richtige Richtung führt."

"Vielleicht ist es auch nur Zufall. Aber Pat Fry kam zu dieser Truppe dazu, und seither geht's aufwärts. Erst hatten sie ein Auto, das nur auf schnellen Strecken ging. Und jetzt plötzlich geht's auch auf den anderen Strecken. Das heißt, irgendjemand arbeitet hier in die richtige Richtung", beobachtet Surer.

Fry war bei McLaren bis 2010 als leitender Ingenieur tätig, wechselte aber dann zu Ferrari. Ende 2014 verließ er Maranello, um 2016/17 als technischer Berater mit Manor in die Formel 1 zurückzukehren. Von dort aus wechselte er wieder zu McLaren. Seit 5. Februar 2020 ist er aber als Technischer Direktor für das Chassis für Renault in Enstone tätig.

"Es sind sicherlich auch noch andere Leute gekommen, von denen ich nichts weiß. Aber das fällt schon auf", sagt Surer über Fry. "Das heißt, die arbeiten in die richtige Richtung, und das ist immer eine Tendenz, wo man ganz klar sagen kann, wenn einer eine Steigerung hat im Laufe des Jahres, dann hat er auch die besten Chancen, das bis Ende noch fortzusetzen."

Die Weichen, die Fry womöglich gestellt hat, waren letztendlich natürlich technischer Natur. Das sieht auch Marcin Budkowski so, als geschäftsführender Direktor in Enstone sozusagen Frys Vorgesetzter. "Wir haben einige Upgrades gebracht, die das Auto schneller gemacht haben, und wir haben unser Auto besser verstanden", sagt er.

"Jetzt funktioniert das Auto exakt so, wie es der Windkanal verspricht. Der Windkanal ist ein Ebenbild deines Autos auf der Strecke", so Budkowski im Interview mit 'auto motor und sport'. "Je besser du die Charakteristik deines Autos verstehst, umso besser bist du mit der Fahrzeugabstimmung. Und dann bist du auch nicht mehr so abhängig vom Streckenprofil."

Also alles ein Korrelationsproblem? "Unser Auto funktioniert jetzt eigentlich auf jedem Kurs. Das war zu Saisonbeginn noch nicht so", hält Budkowski fest. "Nur in Portimao hatten wir einen kleinen Hänger. Unser Problem dort waren die Reifentemperaturen. Ein paar Grad zu viel oder zu wenig sind gleich eine bis eineinhalb Sekunden auf der Uhr."

Übrigens: Das ganze Interview mit Marc Surer (55 Minuten) gibt's in ungekürzter Fassung als "Starting-Grid"-Podcast, bei iTunes oder direkt bei unserem Kooperationspartner meinsportpodcast.de. Weitere Videoclips aus dem Podcast sind in den vergangenen Tagen auf den YouTube-Channels von Motorsport-Total.com und Formel1.de veröffentlicht worden.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.