Renault-Chef Carlos Ghosn hängt noch eine weitere Amtszeit dran. Sein Ziel: Beim Gewinn soll der Konzern kräftig zulegen.


Carlos Ghosn führt seit 18 Jahren Nissan und seit zwölf Jahren Renault. Der Franko-Libanese pendelt ständig zwischen den Kontinenten und lebt im Flugzeug. Am Donnerstag hat der Renault-Verwaltungsrat den Vertrag des fast 64-Jährigen als CEO um vier Jahre verlängert. Er bleibt zugleich Mitglied des Rats. In den kommenden Jahren soll er sich vor allem darum kümmern, dass die Allianz mit Nissan und Mitsubishi, wo er den Verwaltungsräten vorsitzt, eine dauerhafte Struktur erhält.

Freitag ging er mit viel Selbstironie darauf ein: „Für mich stellt sich die Frage nicht, in den vergangenen Jahren hat sie sich nicht gestellt.“ Die Allianz funktioniere gut. Da hat er zweifellos recht, die Allianz ist zum größten Autohersteller der Welt aufgestiegen (ohne Lkw). Und Renault hat das beste Jahr seiner Geschichte hinter sich: 2017 hat das Unternehmen seine Umsatzrendite auf 6,6 Prozent gesteigert, bei einem auf 58,7 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz.

„Aber ich lebe nicht ewig“, fuhr Ghosn fort, „und die Frage stellen Leute, die grübeln: Was geschieht, wenn er nicht mehr da ist, wie werden die Entscheidungen getroffen, was passiert, wenn er geht?“ Daran werde er in den nächsten Jahren arbeiten. „Es geht um die juristische Struktur, es geht auch um steuerliche Fragen, alle Aktionäre und auch die beteiligten Staaten müssen mit der künftigen Form zufrieden sein, sonst wird es nicht gutgehen.“


Lange Jahre lag Ghosn im Clinch mit dem französischen Staat über die Frage, welche Form die Allianz annehmen solle. Renault ist mit 43 Prozent an Nissan beteiligt, das japanische Unternehmen hält 15 Prozent der Renault-Aktien. Nissan besitzt außerdem 34 Prozent von Mitsubishi und 100 Prozent von Datsun. Die Japaner haben aber auf Mitspracherechte bei Renault verzichtet. Die Struktur ist also recht komplex.

Deshalb hatte Emmanuel Macron, als er noch Wirtschaftsminister war, von Ghosn verlangt, die Allianz auf die Zeit nach ihm vorzubereiten. Der wollte davon nichts wissen und machte geltend, dass jede Änderung an dem heiklen Gleichgewicht die Japaner auf den Plan rufen könne.

Mittlerweile aber – Macron ist immerhin Staatspräsident geworden – hat Ghosn sich erweichen lassen, das Problem anzugehen. Gleichzeitig hat er Thierry Bolloré als seinen operativen Chef bei Renault installiert, ähnlich wie er es vor einem Jahr bei Nissan gehandhabt hat: „Ich kümmere mich nicht mehr um das Mikro-Management“, sagte Ghosn am Freitag. Parallel dazu hat er eine Verringerung seiner Vergütung um 30 Prozent akzeptiert.

Seine zweistelliger Millionenverdienst hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Ärger gesorgt. „Ohne diese Reduzierung hätten die staatlichen Vertreter im Verwaltungsrat Ghosn nicht unterstützt“, sagte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Freitag. Langfristig könne man überlegen, ob Nissan und Renault nicht fusionieren sollten.


Wer glaubt, Bolloré sei nun der natürliche Nachfolger von Ghosn, irrt sich allerdings. Der 54-Jährige muss sich bewähren, und bislang hat der eher still und reserviert wirkende Franzose noch nicht das Charisma eines Carlos Ghosn erkennen lassen. Der legte am Freitag die Latte schon mal recht hoch: Die Rendite bei Renault müsse weiter auf dem gerade erreichten stolzen Niveau bleiben, das sei die Voraussetzung für dauerhaften Erfolg. Und er erinnerte an die Ziele des Herstellers für 2022: Mehr als 70 Milliarden Euro Umsatz und mehr als sieben Prozent Rendite.

Ghosn hat nun vier Jahre Zeit, sich um die eigene Nachfolge und um die künftige Struktur der französisch-japanischen Allianz zu kümmern. Kann er überhaupt loslassen? „Ich lerne einen neuen Job, aber ich gehe da mit viel gutem Willen dran.“