Das lief beim BVB-Videobeweis schief

Martin Hoffmann, Christoph Küppers
Schiedsrichter Patrick Ittrich (l.) ließ sich nach dem Tor von Sokratis vom Videobeweis helfen

Riesen-Ärger um den Videobeweis - und mehr offene Fragen als beantwortete.

Schiedsrichter Patrick Ittrich erkannte beim 5:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen 1. FC Köln ein Tor von Sokratis an, das allem Anschein nach trotzdem irregulär war. Köln hat darauf Protest gegen die Wertung der Partie angekündigt.

Was ist da passiert kurz vor dem Pausenpfiff der turbulenten Bundesliga-Partie?

 

Schiedsrichter Ittrich korrigiert sich

Mit Hilfe von Videoschiedsrichter Dr. Felix Brych erkannte Ittrich kurz vor der Halbzeit das Tor von Dortmunds Sokratis als regulär an - obwohl er es eigentlich schon als ungültig abgepfiffen hatte.

Nach einem Eckstoß von Andrey Yarmolenko war es nämlich nicht - wie zuvor vermutet - ein Dortmunder, der an Kölns Torwart Timo Horn anrempelte. Es war Teamkollege Dominique Heintz, an dem Horn beim Herauslaufen hängen blieb.

Der Schlussmann verlor den Ball, der Dortmunder Abwehrmann schob aus rund fünf Metern zum 2:0 ein. Sokratis' Zweikampfverhalten, bevor er zum Schuss kam, wurde als regulär eingeordnet.

So weit, so in Ordnung - allerdings beging das Schiedsrichter-Team dabei anscheinend trotzdem mindestens einen Fehler.

 

Pfiff beim BVB-Tor kam offenbar zu früh

Zwei Angriffspunkte nämlich blieben den Kölnern. Erstens: Die TV-Bilder des übertragenden Senders Sky legen nahe, dass der Ball die Linie noch nicht passiert hatte, als Ittrich pfiff, womit das Tor ungültig gewesen wäre.

Sichtbar war das allerdings erst nach eingehender Anschauung des Materials, in der Halbzeit-Analyse war Sky noch von einem regulären Tor ausgegangen.

 

Der später vorgebrachte Einwand von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ("Wäre der Ball sonst zurückgefallen?") ist gegenstandslos: Sollte der Pfiff wirklich vor dem Übertritt passiert sein, war das Tor automatisch irregulär - das ist den Regeln klar festgelegt.

Schmadtke: Video-Schiri hat Kompetenzen überschritten

Punkt zwei: Die Kölner Verantwortlichen wandten ein, dass in Ittrichs Pfiff keine "klare Fehlentscheidung" vorlag und damit gemäß Regularien kein Anlass für einen Eingriff des Videoschiedsrichters.

Nachdem Ittrich auf Tor entschied, redeten folglich unter anderem Schmadtke und auch Kölns Coach Peter Stöger und frustriert auf den 38 Jahre alten Unparteiischen aus Hamburg ein.

 

"Ich bin ein totaler Befürwortet des Videobeweises", sagte Schmadtke nach Abpfiff bei Sky: "Aber hier wurde das Protokoll nicht befolgt. Es kann nicht jeder machen, was er will. Wenn wir anfangen, den Video-Schiedsrichter zum Oberschiedsrichter zu machen, wird es schwierig."

Schmadtke wertete die strittige Szene als "spielentscheidend" und teilte mit, dass der Klub Protest einlegen wird - worauf Watzke, der die Situation auch nach der Partie anders sah, sarkastisch giftete: "Chapeau, dass man nach einem 0:5 so auftritt."

Schiedsrichter Ittrich selbst lehnte eine Stellungnahme zur Videobeweis-Szene ab. Mit Verweis "auf ein laufendes Verfahren" dürfe und werde er sich nicht äußern, sagte er.

Zweiter Videobeweis sorgt für Elfmeter

Kurios: In der 58. Minute folgte gleich der nächste Videobeweis, der zu einem Dortmunder Tor führte.

Kölns Lukas Klünter berührte im Strafraum mit der Hand den Ball, als Maximilian Philipp eine Flanke von Yarmolenko einköpfen wollte. Pierre-Emerick Aubameyang verwandelte den fälligen Strafstoß.

Maximilian Philipp hatte zuvor nur 111 Sekunden für sein erstes BVB-Tor gebraucht. Aubameyang legte das 4:0 nach (60.), dann traf erneut Philipp (69.).

 

Der Stunk um den Videobeweis überschattete das sportliche Geschehen aber völlig. Selbst BVB-Fans sangen an diesem denkwürdigen Abend: "Ihr macht unseren Sport kaputt."

Im Video: Stöger sauer