Rekordversuch: Sherpa will zum 22. Mal auf den Everest

21mal war er schon auf dem höchsten Berg der Welt: Der nepalesische Sherpa Kami Rita will im Mai eine Bestmarke am Mount Everest aufstellen, mit einem 22. Aufstieg. So oft wie der 48-Jährige Nepalese stand noch kein Mensch in 8.848 Metern Höhe auf dem Gipfel. Sein Vater war einer der ersten professionellen Bergführer, nachdem Nepal 1950 die Besteigung des Everest für internationale Kletterer geöffnet hatte.

Kami Rita, Sherpa:

«Ich bin geistig und körperlich fit und habe keine gesundheitlichen Probleme. Ich besteige nicht nur den Everest, sondern auch andere Gipfel das ganze Jahr über, also habe ich genug Training in den Bergen. Ich sollte keine Schwierigkeiten haben, den Gipfel auch dieses Jahr zu erreichen."

Sein Ehrgeiz gelte nicht dem Rekord, beteuert Kami Rita. „Ich habe nicht mit dem Bergsteigen angefangen, um einen Weltrekord aufzustellen.“

RISKANTE "SONDERANGEBOTE"

Er begann zu klettern, weil er Arbeit brauchte. Bergsteiger sind in der Regel auf die Hilfe von Sherpas angewiesen. Diese werden dafür bezahlt, die Route vorzubereiten, Seile zu befestigen und das nötige Kletterzubehör wie Sauerstoff und Notmaterial zu tragen. Einige ausländische Anbieter und Bergsteiger suchen nach billigen Angeboten, was bedeutet, dass sie minderwertige, billige Sherpas bekommen. „Wer einen hohen Preis zahlt, erhält auch Qualitätssherpas“, ist Kami überzeugt. Die billigsten Anbieter verlangen rund 20.000 Dollar für die Besteigung, die teuersten nehmen das Vierfache. Die Unterschiede führen zu Spannungen am Berg. Die meist ausländischen, teuren Anbieter werfen den größtenteils nepalesisch geführten Billiganbietern vor, an der Sicherheit zu sparen, um die Kosten niedrig zu halten und gleichzeitig Kunden zu akzeptieren, denen es an Erfahrung im Hochgebirgsklettern mangelt.

Kami profitiert inzwischen beträchtlich von der lukrativen Bergsportindustrie, die sich aus dem Everest-Kletterboom in den vergangenen zwei Jahrzehnten in China und Nepal entwickelt hat. Er arbeitet für " Alpine Ascents ", einen amerikanischen Anbieter von Kletterreisen. Der verlangt für die Everest-Besteigung 65.000 Dollar (52.500 Euro). Den aktuellen Rekord von 21 erfolgreichen Besteigungen hält er zusammen mit zwei nepalesischen Sherpas, die jedoch nicht mehr arbeiten. Allein Nepal nahm im vergangenen Jahr vier Millionen US-Dollar (rund 3,3 Millionen Euro) an Gebühren für die Genehmigungen ein. Es sind lebenswichtige Einnahmen für die Staatskasse des armen Landes.

AUF DEN SPUREN VON EDMUND HILLARY UND TENZING NORGAY

Seit der Erstbesteigung 1953 haben rund 4.000 Menschen den Everest bezwungen - als der heute 48-Jährige Kami 1994 zum ersten Mal auf dem Everest stand, hatten zuvor erst 49 Bergsteiger den Gipfel erreicht. Mehr als 290 Bergsteiger kamen bei dem Versuch ums Leben. Der höchste Berg lockt auch viele Unerfahrene an. Im vergangenen Jahr gab es denn auch einen anderen Rekord: die höchste Zahl von Bergrettungen. In dieser Saison wird der 65. Jahrestag der Erstbesteigung von Edmund Hillary und Tenzing Norgay begangen und am Berg wird es mindestens genauso betriebsam zugehen, wie im vergangenen Jahr, als es 634 Menschen zum Gipfel schafften – trotz Staus an den Schlüsselstellen.

Gute Sherpas sind gefragt. „Früher mussten wir an die Türen der Firmen klopfen, um Arbeit zu finden“, so Kami. Jetzt haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Die Sherpas suchen sich die Firmen aus, mit denen sie arbeiten möchten.

Auch wenn ihm der Rekord gelinge, wolle er den Everest weiter besteigen, sagt Kami. Sein Ziel sei es, den Gipfel 25 Mal zu erreichen – Bescheidenheit hin, Bescheidenheit her. „Ich will Geschichte schreiben“, so der Sherpa selbstbewusst.

su