Wie die Rekordtemperaturen in Kanada gefährliche "Feuerwolken" erzeugen

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Eine Feuerwolke über Washington.
Eine Feuerwolke über Washington.

Es ist ein Teufelskreis: Ist es in einer Region über einen Zeitraum hinweg sehr heiß, kann es zu Waldbränden kommen, die wiederum zu sogenannten Feuerwolken (Pyrocumulonimbus) führen können. Dabei handelt es sich um einen Wolkentyp, der in Folge von Feuerstürmen auftritt und massive Stürme, Gewitter und in seltenen Fällen auch Tornados mit sich bringt.

So geschah es auch in dem kanadischen Ort Lyott, südlich von Vancouver. Dort herrschten in den vergangenen Tagen Rekordtemperaturen in Höhe von 50 Grad. Am Mittwoch meldete der Waldbranddienst bereits zwei Brände in der Provinz. Am Donnerstag kam es dann zu einem weiteren verheerenden Waldbrand — bei dem 90 Prozent der Ortschaft zerstört wurden. Auf einem Satellitenbild, dass der Meteorologe Dakota Smith, Mitarbeiter des Genossenschaftsinstituts für Atmosphärenforschung in Colorado, getwittert hat, ist genau zu sehen, wie sich am Mittwochabend kurz vor dem großen Waldbrand Feuerwolken über Lyott gebildet haben.

https://twitter.com/weatherdak/status/1410429592213413889

Wer über dem Rauch von Waldbränden Wolken sieht, denkt meist an Gewitterwolken. Stattdessen handelt es sich aber um Pyrocumulonimbus. Eine andere Bezeichnung für die Feuerwolken lautet übrigens "Cumulonimbus Flammagenitus", was so viel bedeutet wie "aus Flammen entstanden".

So kommt es zu den Feuerwolken

Normalerweise bilden sich Gewitter, wenn viel warme, feuchte Luft vom Boden in den Himmel aufsteigt. Tritt diese in den den untersten Teil der Atmosphäre ein, kühlt die Luft ab und sinkt wieder in Richtung Erde. Dort erwärmt sie sich erneut und steigt anschließend wieder auf. Diesen Zyklus nennen Experten Konvektion — er führt zur Entstehung der Gewitterwolken.

Steigt die warme Luft allerdings nicht vom Boden, sondern einem rauchigen Flächenbrand auf, entstehen statt Gewitter- die beschriebenen Feuerwolken. Sie treten ambossförmig auf und können wie andere Wolken Regen erzeugen. Oft produzieren sie aber keine dringend notwendigen Tropfen, sondern kräftige Luftstöße, die als "Downbursts" bezeichnet werden.

Diese drücken die trockene Luft wieder zurück auf den Boden, wodurch die Glut und der Rauch eines Feuers über weite Strecken weitergetragen werden. Die Flammen, die den Sturm überhaupt erst ausgelöst haben, werden zusätzlich angefacht. Pyrocumulonimbus-Stürme können zudem starke Blitze erzeugen, die neue Brände entfachen. Die größte Wolke dieser Art wurde im September 2020 über Kalifornien gesichtet — mit einer Fläche, in die dreimal die Stadt Seattle gepasst hätte.

Ein Bild von einer Pyrocumulonimbus-Wolke über einem Lauffeuerr in Kalifornien  im Jahr 2020.
Ein Bild von einer Pyrocumulonimbus-Wolke über einem Lauffeuerr in Kalifornien im Jahr 2020.

Im schlimmsten Fall bildet die konvektierende Luft in einer Pyrocumulonimbus-Wolkenbank eine wirbelnde, kreisförmige Säule und der Sturm verwandelt sich in in einen "Feuertornado". Das geschah 2003 in der Nähe von Canberra in Australien, nachdem ein Buschfeuer zwei Wochen lang rund um die Stadt gebrannt hatte.

Es kann zudem passieren, dass sich nicht nur ein Feuersturm bildet, sondern gleich mehrere. Im Frühjahr 2009 etwa brannten im Südosten Australiens enorme Buschfeuer auf einer Fläche von rund 4500 Quadratkilometern. Drei sperate Pyrocumulonimbus-Stürme sind entstanden — von denen einige Höhen von knapp 14.500 Metern erreichten.

Stürme dringen manchmal sogar in die Stratosphäre ein

Weil die Temperaturen steigen und die Luft trockener wird, kommt es immer häufiger zu Waldbränden. Weil diese in ihrer Häufigkeit und Schwere zunehmen, gibt es auch mehr Feuerstürme. Bildeten sich im Jahr 2002 in Kanada, den USA und Mexiko noch insgesamt 17 solcher Stürme, waren es zwei Jahrzehnte später allein im Westen Nordamerikas 25 Stück, berichtet das Umweltmagazin Yale360.

Diese Stürme können sogar so hoch werden, dass sie in die Stratosphäre eindringen und Rauch vom Boden dorthin gelangt. Dieser kann dort für Monate oder sogar Jahre gespeichert werden. Eine Studie aus dem 2018 zeigte, dass eine große Pyrocumulonimbus-Wolke so viele Rauchpartikel in die Stratosphäre schicken kann wie ein mittelgroßer Vulkanausbruch.

Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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