Rekorde, Krankheit, Männer: So geht es bei Vonn weiter

Andreas Kloo
Für Lindsey Vonn waren es in Pyeongchang die letzten Olympischen Spiele

Tränen gab es diesmal ausnahmsweise nicht zu sehen bei Lindsey Vonn.

Nach ihrem Ausscheiden in der Super-Kombination der Damen - dem letzten olympischen Rennen ihrer Karriere - fluchte sie kurz laut und fuhr dann den Hang hinunter ins Ziel.

Dort lachte sie sogar bei den Glückwünschen für die Medaillengewinnerinnen und bei den Interviews. "Alle Tränen sind bereits geflossen", erklärte Vonn ihre überraschend gute Stimmung.

Am Vortag war Vonns großer Traum vom zweiten Olympia-Gold in der Abfahrt geplatzt, emotional und unter Tränen verabschiedete sich die Amerikanerin hinterher auf der Pressekonferenz von den Olympischen Spielen.

Eine Medaille in der Super-Kombination wäre auch für sie selbst "ein Wunder" gewesen, da sie nur noch selten Slalom trainiert.

"Ich habe meinen Frieden mit Olympia gemacht", sagte Vonn im NBC-Interview. Jetzt gelte es, sich neuen Zielen zuzuwenden. Und die liegen für die 33-Jährige noch immer auf der Skipiste.

Stenmark-Rekord im Visier

Denn nach dem zerplatzten Olympia-Gold hat sie noch ein großes Ziel vor Augen: den Rekord für die meisten Siege im Ski-Weltcup.

Noch hält diesen der Schwede Ingemar Stenmark mit 86 Siegen, aber Vonn ist ihm mit 81 Erfolgen bereits dicht auf den Fersen.

"Die Olympischen Medaillen sind für Amerikaner sicher wichtig. Aber für mich ist der Sieg-Rekord von Ingemar das Wichtigste", erklärte sie SPORT1 im Vorjahr die Bedeutung dieser Bestmarke.

Nach den Olympischen Spielen stehen jedoch nur noch drei Speed-Rennen auf dem Programm, in diesem Winter könnte Vonn also maximal auf 84 Siege kommen. (SERVICE: Der Weltcup-Kalender)


Traum von Rennen gegen Männer

Das heißt, dass sie auch in der nächsten Saison noch im Ski-Weltcup aktiv sein wird. Und ob dann 2019 Schluss für sie sein wird, wenn sie Stenmarks Marke tatsächlich erreicht hat, steht auch noch nicht definitiv fest.

Zumal Vonn noch einen weiteren Traum hat: einmal gegen die Männer zu fahren. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)

Der Weltverband FIS prüft diesen Vorschlag zumindest und überlegt, inwieweit das umsetzbar ist.

"Ich werde fahren, bis es mich nicht mehr happy macht. Ich weiß nicht, wann das sein wird", sagte sie SPORT1 zu ihrer Zukunftsplanung.


Skifahren gegen Depressionen

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum Vonn noch nicht ans Aufhören denkt: ihre Depressionen.

Noch immer nimmt sie Medikamente gegen die Krankheit, aber die beste Medizin sei Skifahren für sie. "Das macht mich happy", sagte sie kürzlich dem Münchner Merkur.

Vonn möchte also das Karriereende so lange wie möglich hinauszögern - auch weil sie nicht weiß, was sie danach machen soll.

"Ich mache zuhause auch Therapien, wenn es mir ab und zu sehr schlecht geht. Aber Skifahren hilft mir sehr, sehr viel. Deshalb weiß ich nicht, was ich nach der Karriere machen werde."

Von Verletzungen gezeichnet

Fragt sich nur, wie lange ihr Körper das Skifahren noch mitmacht.

18 Jahre im Weltcup haben Spuren hinterlassen, vor allem ihr mehrfach operiertes rechtes Knie macht ihr zu schaffen: "Natürlich fühle ich, dass mein Körper nicht mehr so jung ist. Ich arbeite hart daran, dass sich mein Körper gut fühlt. Ich bin jeden Tag gut drauf, das hilft sicher. Aber ich spüre den Verschleiß fast immer."

Irgendwann wird der Tag kommen, an dem der Verschleiß trotz harten Fitnesstrainings auch für Vonn zu groß ist.


Höfl-Riesch als Vorbild?

Der Fitnessbereich bietet aber eine mögliche berufliche Alternative für die Amerikanerin. Ihre Freundin Maria Höfl-Riesch kann dabei als Vorbild dienen. Die deutsche Doppel-Olympiasiegerin ist neben ihrer Tätigkeit als TV-Expertin auch als Fitnessberaterin aktiv und gibt Kurse auf Kreuzfahrten.

Vonn hat bereits ein Buch veröffentlicht, in dem es um Fitness, natürliche Schönheit und Ernährung geht.

Darüber hinaus wird sie sich mit Sicherheit um den amerikanischen Ski-Nachwuchs kümmern. Bereits jetzt unterstützt sie junge Talente finanziell mit der "Lindsey Vonn Foundation".

Und dann ist da noch Vonns privates Glück. Nach der Trennung von Golf-Superstar Tiger Woods ging auch die Beziehung zu Footballcoach Kenan Smith in die Brüche.

"Ich musste die Beziehung beenden, weil meine Ziele zu wichtig waren für mich. Skifahren ist für mich immer die Nummer eins, beides war nicht zu vereinbaren", erklärte sie das Liebes-Aus.

Doch noch hat sie die Hoffnung auf den Traummann nicht aufgegeben: "Ich habe Zeit, bin noch jung - das bereitet mir keine Sorgen."