Rekord trotz Rotation: DFB-Elf vollendet perfekte WM-Quali

SID
Rekord trotz Rotation: DFB-Elf vollendet perfekte WM-Quali

In der Kabine warteten schon Pizza, Würstchen und Bier. Nach dem letzten Torfestival einer perfekten WM-Qualifikation hatten sich Bundestrainer Joachim Löw und seine makellosen Fußball-Weltmeister eine Belohnung auf dem Betzenberg verdient. Zehn Siege in zehn Spielen, insgesamt 43:4 Tore - die WM 2018 in Russland kann kommen, auch wenn dort ganz andere Prüfsteine warten als beim 5:1 (1:1) gegen Aserbaidschan am Sonntag in Kaiserslautern.
Mit dem WM-Ticket in der Tasche und sieben Änderungen in der Startelf schien allerdings drei Tage nach dem 3:1 gegen Nordirland etwas die Luft raus. Leon Goretzka traf zwar noch zauberhaft per Hacke (8.), danach wurden jedoch Abstimmungsprobleme offenbar, die Ramil Scheydajew (34.) zum Ausgleich nutzte. Sandro Wagner (54.), ein Eigentor von Badawi Hüsejnow (64.), erneut Goretzka (66.) und Emre Can (81.) bewahrten die Weltmeister vor einem Fleckchen auf der weißen Weste. 
"Die erste Halbzeit war nicht so toll, aber dann haben wir noch schöne Tore gemacht", sagte Wagner, Löw nannte die Phase nach der frühen Führung "sehr schwierig". Des Bundestrainers Augenmerk ist jedoch längst auf die WM gerichtet - seinen Spielern schärfte er ein: "Alle 23 müssen auf den Punkt genau auf dem höchsten Niveau sein, um zu jeder Minute, zu jeder Sekunde des Turniers Topleistung abzurufen. Nur dann ist der Titel möglich!" Doppeltorschütze Goretzka will auf jeden Fall seinen Platz im 23er-Kader erkämpfen: "Mein Weg soll noch nicht zu Ende sein."
Der Deutsche Fußball-Bund will mit Löw ohnehin auch über die WM hinaus weitermachen, daher erstickte Oliver Bierhoff Gerüchte über ein Engagement bei Bayern München im Keim. "Zum einen hat Jogi bis 2020 Vertrag. Zum anderen: Wenn die Bayern um die Ecke schauen, werde ich schon einen Riegel vorschieben", sagte der Manager.
Löw ermöglichte einigen Spielern ihre verdiente Pause. Nur zwei Weltmeister standen in der Startelf: Shkodran Mustafi, der mit Verdacht auf Muskelbündelriss nach 35 Minuten raus musste, und Thomas Müller, der in Abwesenheit des verletzten Torhüters Manuel Neuer (Mittelfußbruch) wieder Kapitän war.
Sieben Veränderungen leistete sich der Bundestrainer vor 37.613 Zuschauern auf dem Betzenberg insgesamt. Torhüter Bernd Leno, Mustafi, Niklas Süle, Can, Julian Brandt und Leroy Sane auf den Außen, Lars Stindl im Sturm - alle kamen neu in die Mannschaft, die im 3-1-4-2-System mehr schlecht als recht spielte.
Größere Umstellungsschwierigkeiten blieben anfangs aus. Da Aserbaidschan ins Pressing ging, bot sich durch wenige kluge Pässe viel Raum, noch verstärkt nach Goretzkas Zaubertor. Doch stand der Gegner hinten und wartete, gestaltete sich der deutsche Aufbau zäh und behäbig. Löw zeterte. Überdies musste Süle (22.) mit muskulären Problemen raus, Mustafi folgte 14 Minuten später. Für Süle kam Antonio Rüdiger, der vor dem Ausgleich dreimal ausgetanzt wurde. Leno sah auch schlecht aus. 
Das Spiel wurde unansehnlich, das Glück fehlte: Wagner traf nach einer guten Kombination frei den Pfosten (31.) und erwischte den Abpraller nicht. Auch Sane vergab eine Riesenchance kläglich (45.+2). Danach wurde es wieder schwungvoller, intensiver, der klare Favorit zog hart die Zügel an. Wagner köpfte sein 5. Tor im 5. Länderspiel und empfahl sich erneut für einen WM-Platz - Sane vergab dagegen erneut (52.). Stindl schoss an den Pfosten (61.).
Danach fielen die Tore plötzlich fast im Minutentakt. Hüsejnow fälschte einen Rüdiger-Kopfball ins Tor ab, spätestens mit Goretzkas zweitem Treffer war das nun doch einseitige Spiel entschieden. Can ließ aus mehr als 20 Metern das fünfte Tor folgen.