Reisegutscheine nach Absage aus Brüssel vor dem Aus

Strand in Porto Cesareo in Italien

Nach dem Veto von EU-Kommission zur Gutscheinlösung stellt die Bundesregierung den Reiseveranstaltern staatliche Zuschüsse in Aussicht. "Wir arbeiten an einem neuen, zusätzlichen Hilfspaket für Unternehmen, die längerfristig von Corona betroffen sind", sagte der Tourismusbeauftragte Thomas Bareiß (CDU) dem "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe). Der Staat könne zudem Entschädigungen an Kunden aus einem Fonds "quasi vorfinanzieren".

Die Bundesregierung wollte es Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern ursprünglich ermöglichen, ihre Kunden in der Corona-Krise nicht mit der Rückzahlung des Kaufpreises für stornierte Leistungen, sondern lediglich mit einem Gutschein zu entschädigen. EU-Verkehrskommissarin Adina Valean machte nach Informationen der ARD jedoch in einem Brief abermals deutlich, dass Fluggäste eine solche Regelung nicht akzeptieren müssen und auf eine Rückerstattung der Kosten bestehen können.

Die europäischen Fluggastrechte hätten auch in der Corona-Krise Gültigkeit, heißt es demnach in dem Schreiben aus Brüssel. Valean sprach sich aber dafür aus, Gutscheine so attraktiv für Kunden zu gestalten, dass sie freiwillig angenommen werden.

Bareiß bedauerte das Scheitern der Gutscheinlösung. Dem "Tagesspiegel" sagte er: Eine andere Lösung "könnte ein Fonds sein, der die Rückerstattungen an die Kunden übernimmt. Der Staat könnte diesen Fonds zunächst auffüllen, und die Reiseveranstalter könnten das Geld dann peu à peu zurückzahlen." Wie auch immer die Lösung aussehe: "Die Zeit drängt."

Auch die SPD schlägt einen staatlich finanzierten Fonds vor, aus dem die Reisegelder zurückerstattet werden, wie der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner, dem "Handelsblatt" vom Dienstag sagte. Ein solcher Sicherungsfonds würde innerhalb einer bestimmten Frist von der betroffenen Reisebranche selbst wieder aufgefüllt, "damit die Kosten nicht am Steuerzahler hängenbleiben".