"Reines Geldszenario" - Hamilton greift F1-Bosse an

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"Reines Geldszenario" - Hamilton greift F1-Bosse an
"Reines Geldszenario" - Hamilton greift F1-Bosse an

Der Große Preis von Belgien mutiert zu einem der außergewöhnlichsten Rennen der Geschichte. Nur zwei Runden kommen in die Wertung, am Ende bleiben vor allem die Zuschauer der große Verlierer. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Lewis Hamilton ärgert sich über die Entscheidung der Verantwortlichen und moniert, dass es in der Königsklasse nur um Geld geht. Sebastian Vettel und viele andere Piloten haben derweil Mitleid mit den durchnässten Fans an der Strecke

George Russell, der aufgrund der Vorkommnisse erstmalig auf dem Podium stand, misst der Art und Weise, wie er auf selbiges gekommen ist, nicht allzu viel Bedeutung bei.

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SPORT1 fasst die Stimmen zum Rennen in Spa von Sky, aus der Boxengasse und der Pressekonferenz zusammen.

Max Verstappen (Red Bull), Platz 1:

“Es war uns sehr wichtig, diese Pole zu holen. Es ist sehr schade, dass wir keine echten Runden fahren konnten, da die Bedingungen wirklich so schwierig waren. Um halb vier habe ich gesagt ‚Lets go, es geht vielleicht ganz anständig’, aber die Sicht war schlecht. Wären wir direkt gestartet, hätten wir eventuell eine bessere Chance gehabt, aber danach ist es so geblieben. Das ist ein Sieg, wie du ihn dir nicht wünschst. Dennoch ein großes Kompliment an die Fans, die an der Strecke geblieben sind – bei Wind und Regen. Die sind eigentlich die Gewinner.”

zu seinem Sieg: “Es ist ein Sieg, aber so möchte man natürlich nicht gewinnen. Im Nachhinein war es sehr wichtig, die Poleposition einzufahren.”

zum WM-Kampf: “Wir müssen weiter pushen, weiter rankommen und weiter nach vorne schauen. Es gibt noch einige Rennen, in denen wir das tun können. Ich bin zuversichtlich – wir haben ein gutes Auto, können weiter versuchen, da noch mehr rauszuholen.” (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

George Russell (Williams), Platz 2:

“Es hat keine Bedeutung, wie man aufs Podium kommt. Wenn man in die Geschichtsbücher guckt, dann war es schon etwas Besonderes. Wir haben nicht oft solche Qualifying-Leistungen gehabt, diesmal hat es geklappt. Danke an die Fans für diese Unterstützung. Wir sitzen alle im selben Boot unter diesen Bedingungen. Schade, dass wir das Rennen nicht fahren konnten, aber für das Team ist das ein tolles Ergebnis.”

zu seiner starken Qualifying-Leistung: “Den Samstag haben wir gefeiert. Das ganze Team hat es verdient, da so viel harte Arbeit in den vergangenen drei Jahren reingesteckt wurde, wir die Resultate aber nicht zeigen konnten. Samstag haben wir es voll gezeigt und letztes Jahr hätte ich nicht erwartet, dass ich aufs Podium komme.” (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Lewis Hamilton (Mercedes), Platz 3:

“Es hat mir so leidgetan für die Fans. Da kann allerdings keiner was für. Es war unglaublich, dass die Fans die ganze Zeit bei der Stange geblieben sind und auf ein Rennen gehofft haben. Als man uns zum Schluss rausgeschickt hat wusste man, es würde nicht besser werden und wir machen nur die beiden Runden hinterm Safety Car. Die sind notwendig für eine Wertung.”

zur Frage, ob ein normales Rennen möglich war: “Nein, überhaupt nicht. Fünf Meter vor dir sind die Autos verschwunden. Auf den Geraden war es ganz schwierig, selbst die Blinklichter waren nicht sichtbar. Es ging nicht, man wusste nicht wo das Auto vor einem war. Ich wäre gerne ein Rennen gefahren – es hätte ein tolles Rennen werden können. Allerdings hätte es nicht regnen dürfen.”

zur Frage, wie er die Entscheidung der Renn-Durchführung bewertet: “Geld regiert die Welt. Und es war buchstäblich so, dass die zwei Runden des Rennens ein reines Geldszenario waren. Jeder bekommt also sein Geld, und ich denke, die Fans sollten es auch zurückbekommen, denn leider haben sie nicht gesehen, wofür sie gekommen sind und bezahlt haben. Der Sport hat eine schlechte Entscheidung getroffen. Sie haben uns also nur aus einem Grund rausgeschickt. Daher tut es mir für die Fans auch sehr leid.”

Sebastian Vettel (Aston Martin), Platz 5:

“Wir sind trocken, aber schon während der Fahrerparade hat man Mitleid mit den Leuten draußen gehabt. Das sie noch drei Stunden da sitzen mussten bei dem Wetter ist extrem schade. Wir sind den Bedingungen ausgeliefert und können nichts machen. Man sieht einfach nichts. Ich war auf dem fünften Platz noch im vorderen Feld, hinten dran wird es noch schlimmer. Und ich habe auf den Geraden schon nichts gesehen. So sind einfach die Autos.”

zur Entscheidungsfindung: “Es ist sehr schwer, denn es gibt verschiedene Interessen, die man berücksichtigen muss, und das höchste Interesse sollte unsere Sicherheit sein, in dieser Hinsicht war es die richtige Entscheidung. Aber für die Leute ist es natürlich bitter. Ich weiß nicht, wie viele da am Fernsehen ausgeharrt haben, das ist natürlich schade. Wahrscheinlich war es letztlich jedoch die richtige Entscheidung, da es einfach nicht nötig ist, ein solches Risiko eingehen.”

am Funk, als er erfährt, dass das Rennen nach stundenlanger Wartezeit gestartet werden soll: “Was ist jetzt der Unterschied? Ich denke, das TV-Geld ist der Unterschied.”

Toto Wolf (Teamchef Mercedes):

zur Entscheidung, nur zwei Runden zu fahren und die Punkte zu halbieren: “Wir – alle Teamchefs – müssen beginnen, zu diskutieren. Am Ende des Tages ist es aber so, dass wenn das Reglement es so besagt, dann muss man es aufs Kinn nehmen und auf das nächste Rennen schauen.” (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

zur langen Wartezeit vor der endgültigen Entscheidung: “Ich glaube, dass die Rennleitung und die Formel 1 gehofft haben, dass sich das Wetter auflockert. Dies ist nicht geschehen und das ist enttäuschend. Dass die Fans so lange geblieben sind, ist allerdings beeindruckend.”

zum WM-Kampf: “Natürlich haben wir Punkte verloren, aber so ist das Regelwerk, worüber wir diskutieren werden. Da gibt es nichts zu machen, sondern es gilt, abzuschließen und auf das nächste Rennen zu blicken.”

Dr. Helmut Marko (Sportchef Red Bull):

“Wir sind nicht stolz auf diesen Sieg. Der Veranstalter und die Ausrichter haben alles versucht, dieses Rennen über die Bühne zu bringen und dann kam man – damit alle Bedingungen erfüllt sind – zu dieser Kompromisslösung. Ich finde es nicht gut, dass man das Publikum so lange hingehalten hat, das hätte man gleich am Anfang machen können. Es herrschte eine große Unsicherheit – geht es los oder nicht. Es war kein angenehmer Renntag – man sollte sich für die Zukunft etwas Besseres einfallen lassen”

zur Frage, wie dies aussehen könnte: “Wenn die Konditionen so schlecht sind, sollte man direkt so verfahren wie heute oder das Rennen verschieben – nicht mehrere Stunden warten. Nachdem das nächste Rennen in Zandvoort ist - das ist nicht weit entfernt von hier. Daher wäre es von der Logistik möglich gewesen. Wie das von den Regularien und TV-Rechten gewesen wäre, weiß ich allerdings nicht.”

Jost Capito (Teamchef Williams):

“Auf der einen Seite denke ich mir ‘Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul’, gleichzeitig wurde der Grundstein am Samstag gelegt und Sonntag waren die Bedingungen so, dass man kein Rennen fahren konnte. Es war richtig, dass so über die Bühne zu bringen und ein Rennen zu haben. Es waren außergewöhnliche Bedingungen. Das wir so schnell zu einem Podium kommen, hätten wir nicht erwartet. Es ist sehr wichtig, um den achten Platz zu behalten. Das gibt Lust auf mehr. Die Erfahrung für das Team ist ebenfalls enorm wichtig. Wenn wir das weiter vorwärtsbringen, haben wir noch enorm viel Spaß in der Saison.”

zur Zukunft von Russell: “Der Toto hat mir nicht mitgeteilt, wie seine Entscheidung lautet. Nach den Leistungen, die der George in den letzten Wochen erbracht hat, würde es mich wundern, wenn die Entscheidung nicht auf George fällt.”

zur Frage, ob Kritik an der Renn-Durchführung berechtigt ist: “Ich kann den Frust verstehen. Es gibt ein paar Teams, die davon profitieren und ein paar, die davon nicht profitieren. Das ist Racing und man kann das Wetter nicht beeinflussen. Es gibt ein Reglement und nach dem ist alles abgelaufen. Mal sehen, was da noch kommt aber für mich ist alles nach Reglement abgelaufen.”

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