Reimann-Holding kauft Dr Pepper


Die von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann kontrollierte JAB Holding macht erneut durch einen Milliardendeal auf sich aufmerksam. Sie fusioniert den Kaffeehersteller Keurig Green Mountain mit dem Getränkehersteller Dr Pepper Snapple. Zu Dr Pepper gehören auch bekannte Marken wie 7UP oder Bai. Das fusionierte Unternehmen kommt auf einen Jahresumsatz von rund 11 Milliarden US-Dollar.

Aktionäre von Dr Pepper erhalten eine Sonderdividende von 103,75 Dollar je Aktie sowie 13 Prozent der Anteile des neuen Unternehmens. Die Aktie war am Freitag bei 95,65 Dollar aus dem Handel gegangen. JAB finanziert den Deal, der im zweiten Quartal abgeschlossen werden soll, durch eine Investition von 9 Milliarden Dollar. Danach will JAB 87 Prozent am verschmolzenen Unternehmen Keurig Dr Pepper halten. Aktionäre und Aufseher müssen aber noch zustimmen. Dr-Pepper-Aktien schossen am Montag 32 Prozent auf einen Rekordwert von 126,14 Dollar in die Höhe.

Erst kürzlich hatte die Holding im Handelsblatt-Interview weitere Zukäufe angekündigt. „Unsere Transaktionen werden immer größer, wir brauchen mehr Geld“, sagte JAB-Co-Chef Bart Becht Anfang des Monats. An den von JAB aufgelegten Fonds seien unter anderem Staatsfonds und vermögende europäische Familien beteiligt. Interessant seien für JAB Akquisitionen im Kaffee- und Tee-Geschäft sowie bei Kosmetika.


Seit 2015 ist JAB der weltgrößte Kaffee-Konzern, zu ihm gehören unter anderem die Marken Jacobs, Senseo und Tassimo. Die Holding ist außerdem größter Aktionär des US-Kosmetikriesen Coty mit seiner Shampoo-Marke Wella.

Die Familie Reimann ist das Phantom unter den deutschen Industriellenfamilien: In der Öffentlichkeit tauchen die Erben der Mannheimer Chemiedynastie persönlich kaum auf. Grundstein des Vermögens der Familie, die zu den reichsten Deutschlands zählt, ist der Sagrotan-Anbieter Reckitt Benckiser.

Begonnen haben die Erben des Mannheimer Chemie-Industriellen Albert Reimann vergleichsweise bescheiden. Bei dessen Tod 1984 überraschte das Testament die neun Kinder – fünf eigene und vier adoptierte Nichten und Neffen: Sie sollen zuvor nicht gewusst haben, dass ihrem Vater die Chemiefabrik, die er leitete, auch gehörte. Mit 450 Millionen Mark Umsatz gehörte das Benckiser-Werk zu den Kleineren der Branche. Als studierte Naturwissenschaftler waren die Erben nicht vorbereitet auf eine Führungsaufgabe und legten das Unternehmen wie im Testament vorgesehen in die Hände der Manager.

1992 kaufte Benckiser dem US-Pharmaunternehmen Pfizer für 440 Millionen Dollar dessen Parfümsparte Coty ab, um das eigene Duft-Geschäft darin zu integrieren. 1999 fusionierte Benckiser mit dem britischen Unternehmen Reckitt & Coleman. Becht baute aus dem Konzern um Marken wie Calgonit und Durex einen der profitabelsten Konsumgüterkonzerne der Welt. Coty ist heute an der Börse 14,6 Milliarden Dollar wert, Reckitt Benckiser fast 56 Milliarden Euro.