Reifenpoker bringt Vettel in Bedrängnis - Vorwürfe an Pirelli

Ljubo Herceg
Sebastian Vettel ist beim Qualifying zum Großen Preis von Spanien nur auf Rang drei gelandet

Sebastian Vettel startet beim Großen Preis von Spanien nur von Platz drei. Einerseits geht der Reifenpoker nicht auf, andererseits hilft Pirelli angeblich Mercedes mit einer Änderung.

Nachdem Vettel in den vergangenen drei Qualifyings dominiert hatte, riss seine Pole-Serie in Barcelona. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas stehen in Startreihe eins, während der Heppenheimer von Rang drei ins Rennen geht. (SERVICE: Die Fahrer-Wertung)

Gut eine Zehntelsekunde fehlte Vettel auf den britischen Pole-Setter. In Q3 war es dann der Reifenpoker, der eine entscheidende Rolle spielte.

Während die Mercedes-Piloten in beiden entscheidenden Runs auf den vermeintlich schnelleren Supersofts unterwegs waren, setzte das Ferrari-Duo zuerst auf Supersoft, dann auf den etwas härteren Soft, mit dem Vettel und Räikkönen in Q2 und Q1 Bestzeiten gefahren waren. 

Vettel hadert mit Verbremser

"Ich hatte im ersten Versuch einen kleinen Verbremser in Kurve eins. Danach war es klar, dass das nicht mehr für Pole reicht", erklärte Vettel. "Aber ich habe mich auf den Reifen auch nicht so ganz wohl gefühlt, deshalb sind wir im letzten Versuch zurück auf Soft gegangen - was die richtige Entscheidung war." (Die Stimmen zum Qualifying)

Ferraris Reifenpoker hätte durchaus aufgehen können. Daniel Ricciardo wechselte als Erster auf Soft: Im ersten Sektor verlor der Red-Bull-Pilot aber zu viel, fuhr dann im dritten Sektor absolute Bestzeit.

Vettel machte es besser und sprang im zweiten Run auf Soft noch auf Platz drei. "Die Ferraris sind nach dem letzten freien Training stark zurückgekommen", so Mercedes-Sportchef Toto Wolff. "Der gelbe Reifen ist wahrscheinlich etwas schneller." So lautete seine Erklärung für Ferraris Reifenwahl.


Mercedes-Vorteil durch Pirelli-Änderungen?

Dabei hatte Mercedes zuletzt deutlich mehr Schwierigkeiten, den Extra-Grip aus den weicheren Supersofts herauszuholen. In Barcelona war es genau andersherum. "Ich habe keine Ahnung, warum das so ist", spielte Hamilton gegenüber Motorsport-Magazin.com den Erstaunten.

Vettel hat dagegen eine Ahnung: "Die Reifen hier haben zwar die gleichen Farben wie sonst auch, aber sie sind dünner, vor allem aber härter." Damit spielte der Heppenheimer auf Pirellis Antrag für eine Sondergenehmigung bei der FIA an. (SERVICE: Die Team-Wertung)

Der Reifenausrüster liefert für die drei Rennen in Spanien, Frankreich und Großbritannien dünnere Reifen. Für den extrem glatten Asphalt wurde die Lauffläche um 0,4 Millimeter dünner gemacht, damit die Reifen nicht überhitzen und Blasen bilden.

Der neue Asphalt bietet nämlich Extra-Grip und lässt die Reifen kaum verschleißen. "Aber es ist für alle gleich", musste Vettel mürrisch zugeben. Aber: Hinter vorgehaltener Hand denkt Ferrari, dass die Silberpfeile von den dünneren Reifen mehr profitieren.

Laut Pirelli habe das jedoch keinerlei Auswirkung. Und so wollte Hamilton von der unterstellten Schützenhilfe für Mercedes auch nichts wissen und meinte: "Das wäre schön."


Barcelona als Fingerzeig für Saisonverlauf

Darüber hinaus könnte Hamiltons Vorstellung auch ein Fingerzeig für die Entwicklung der Kräfteverhältnisse sein: Mercedes hat den Rückstand auf Ferrari aufgeholt. Mit dem fünften Rennen des Jahres (So. ab 15.10 Uhr im LIVETICKER) startet die Saison gewissermaßen wieder neu.

Die Teams stecken mitten im Wettrüsten und haben Ausbaustufen ihrer Autos an den Start gebracht. Ferraris Technik-Trick ging aber nacht hinten los und wurde von der FIA als illegal erklärt.

Vettel hofft auf Start und Reifen

Nach den ersten beiden Quali-Abschnitten sah Vettel lange Zeit wie der Top-Anwärter auf die Pole aus und gab deutlich das Tempo vor. Doch im Gegensatz zu Hamilton konnte er sich in Q3 nicht mehr steigern. "Es ist sehr eng an der Spitze, Kleinigkeiten können den Unterschied ausmachen", sagte Vettel.

Die Hoffnung für das Rennen hat er aber noch nicht aufgegeben, obwohl in Barcelona Überholen recht schwierig ist: "Aber der Weg bis zur ersten Kurve ist extrem lang. Zwar nicht ganz so lang wie in Russland, aber Platz drei ist da schon eine gute Position", so Vettel. "Und auch danach gibt es Chancen, der Reifenverschleiß kann entscheidend werden."

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