Regisseur Jean-Luc Godard im Alter von 91 Jahren gestorben

Der französisch-schweizerische Star-Regisseur Jean-Luc Godard ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Godard starb zu Hause in der Schweiz im Kreis seiner Angehörigen, wie seine Familie am Dienstag mitteilte. Der Kino-Rebell Godard gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Nouvelle Vague. Er wurde mit Filmen wie "Außer Atem" mit Jean-Paul Belmondo und "Die Verachtung" bekannt.

Wegen seiner zahlreichen Krankheiten habe Godard die in der Schweiz legale Beihilfe zum Suizid in Anspruch genommen, erklärte Patrick Jeanneret, ein Berater der Familie. Nach Angaben der Familie ist keine offizielle Trauerfeier geplant.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Godard als einen "nationalen Schatz". "Jean-Luc Godard, der größte Bilderstürmer unter den Filmemachern der Nouvelle Vague, hat eine äußerst moderne und sehr freie Kunst erschaffen", schrieb Macron auf Twitter. Er veröffentlichte dazu ein Foto, das Godard mit seiner typischen Hornbrille und Filmkamera zeigt.

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin nannten Godard "einen der einflussreichsten und innovativsten Regisseure der Filmgeschichte". Godard war mit zahlreichen Filmen Gast der Berlinale: 1965 erhielt er für "Alphaville" den Goldenen Bären. "Godard inspiriert bis heute weltweit Filmemacher*innen" betonte das Berlinale-Leitungsduo Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian.

"Godard schuf 'Die Verachtung' und nun ist er außer Atem zum Firmament der letzten großen Erschaffer der Sterne aufgestiegen", schrieb Brigitte Bardot auf Twitter. Die Schauspielerin war in "Die Verachtung" von 1963 in einer berühmt gewordenen Nacktszene zu sehen, in der sie ihren Filmpartner Michel Piccoli lasziv fragt, ob er ihren Hintern hübsch finde.

Mit Godard verliere "das europäische Kino einen seiner wichtigsten und einflussreichsten Filmemacher", erklärte die deutsche Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Der Regisseur habe "Filmgeschichte geschrieben und die Sprache des Kinos neu erfunden".

"Er ist der Filmemacher, der das Kino am stärksten verändert hat", sagte auch sein Biograf Antoine de Baecque der Nachrichtenagentur AFP. Godard habe weder gedreht wie andere noch im Schnitt so gearbeitet wie andere. "Er war sich bewusst, der Totengräber des alten Kinos zu sein", sagte de Baecque.

Ein Godard-Film sei innerhalb weniger Sekunden zu erkennen, fügte de Baecque hinzu. Godard habe mit der bis dahin gültigen Bildsprache gebrochen. Allein im Film "Außer Atem" gebe es 116 "falsche Übergänge", in denen Godard auf brutale Weise von einem zum nächsten Bild springe, erklärte der Biograf.

"Jede Geschichte muss einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben. Aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge", meinte seinerseits Godard, der für seine Spruchweisheiten bekannt war.

Der Kino-Rebell stammte aus einer wohlhabenden französisch-schweizerischen Familie und lebte abwechselnd in beiden Ländern. An der Pariser Sorbonne-Universität entdeckte er seine Liebe zum Kino. 1968 setzte er sich dafür ein, das Filmfestival von Cannes aus Solidarität mit streikenden Studenten und Arbeitern abzusagen.

Seit den 70er Jahren war Godard mit Anne-Marie Miéville liiert, die Ko-Autorin und -Regisseurin seiner Filme wurde. Das Paar lebte in der Schweiz, am Ufer des Genfer Sees.

Die letzten Werke Godards wurden immer rätselhafter und nach Meinung auch mancher seiner früheren Fans langweiliger. Der Filmemacher heimste zahlreiche internationale Auszeichnungen ein, unter anderem einen Ehren-Oscar und eine Sonder-Palme in Cannes. Er verzichtete jedoch darauf, sie persönlich in Empfang zu nehmen.

Auf die Frage, ob das Kino sterben werde, wenn er selber sterbe, antwortete er einmal: "Das hoffe ich doch. Dann hätte ich wenigstens ein Ziel in meinem Leben."

kol/kbh