Regierungskritischer Zeichentrickfilm über Wladimir Putin

Bereits vor sechs Jahren veröffentlichte Jegor Schgun einen Zeichentrickfilm über den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Nun folgt ein weiterer Clip, der wie eine Mischung aus “Die Simpsons” und “Der Herr der Ringe” wirkt.

Wladimir Putin ist Protagonist in Schguns Animationsfilm. (Bild-Copyright: Yuri Kadobnov/Foto Pool via AP)

Wladimir Putin hat sich weitere Jahre als russisches Staatsoberhaupt gesichert. Ein Anlass für den Grafiker Jegor Schgun, erneut einen Film über den alten, neuen Präsidenten zu machen. In dem Video, das den Titel “Noch sechs Jahre Putin” trägt, fasst der Künstler die wichtigsten Ereignisse von Putins dritter Amtszeit zusammen. In jeder Szene wimmelt es nur so von politischen Anspielungen.

In dem Kurzfilm sitzt Putin an seinem Schreibtisch und erinnert in Mimik und Gestik an die “Simpsons”-Figur Mr. Burns. Links neben ihm fällt der Drucker in Form des Duma-Gebäudes ins Auge, der fleißig Papier ausspuckt. Er soll das Parlament symbolisieren, das in großer Geschwindigkeit auf Geheiß des Kreml Gesetze verabschiedet, lautet die Interpretation auf dem Portal “Meduza.io”. Eine Anspielung auf Russlands Abhängigkeit von Erdöl und -gas ist ganz rechts im Bild zu sehen. Dort steht ein Baum aus Geldscheinen auf einem Ölfass.

Schgun thematisiert in seinem Putin-Trickfilm außerdem die Propaganda des Staatsfernsehens. Hinter dem animierten Präsidenten hängt ein Bildschirm, auf dem die Moderatoren des staatlichen TV-Senders Rossija 1, Dmitri Kisseljow und Wladimir Solowjow, eingeblendet werden.

Interessant wird es im Mittelteil des Videos: Putin hält die Krim in Händen, die immer stärker zu glühen beginnt und damit an den Einen Ring in “Der Herr der Ringe” erinnert. Gleichzeitig sitzt der animierte Putin von einem zum anderen Moment ohne Kleidung an seinem Tisch, wird immer dünner und ähnelt schließlich der Figur Gollum, die dem Ring der Macht verfällt.

Selbst US-Präsident Donald Trump hat es in Schguns Animationsfilm geschafft. Auf dem TV-Bildschirm im Hintergrund steigen seine schlechten Umfragewerte, nachdem auf Putins Gesicht kurz eine Maske aufgetaucht ist, die dem Symbolbild der Hackergruppe Anonymous ähnelt, aber den Schnauzbart von Stalin trägt – eine Andeutung, dass der mächtigste Mann Russlands den US-Wahlkampf beeinflusst haben könnte.

Auf ein Happy End in Schguns Film wartet man vergeblich. Putin sitzt umgeben von Fernsehern, die rot-schwarze, marschierende Hämmer zeigen. Die Szene stammt aus dem Pink-Floyd-Video “The Wall”. Die Hämmer sollen für ein faschistisches Militärregime stehen.

Bei “Maischberger” wurde über Putin diskutiert.