Regierungskreise: Saudiarabischer Prinz Miteb aus der Haft entlassen

Der einflussreiche saudiarabische Prinz Miteb bin Abdullah ist wieder frei. Der Prinz sei am Morgen freigelassen worden, erfuhr AFP am Mittwoch aus saudiarabischen Regierungskreisen

Gut drei Wochen nach der der Festnahmewelle in Saudi-Arabien ist der einflussreiche Prinz Miteb bin Abdullah am Mittwoch freigelassen worden. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus saudiarabischen Regierungskreisen. Prinz Miteb war als Chef der Nationalgarde entlassen worden, bevor er Anfang November mit mehr als 200 Prinzen, Ministern und Geschäftsleuten auf Geheiß von Kronprinz Mohammed bin Salman wegen Korruption festgenommen wurde.

Das Informationsministerium des Landes bestätigte Prinz Mitebs Freilassung zunächst nicht. Beiträge der königlichen Familie in den sozialen Netzwerken sprachen aber ebenfalls für die Freilassung des Prinzen. Der 64-jährige Sohn des verstorbenen Königs Abdullah war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Prinz Miteb, der einst als Anwärter auf den Thron galt, ist das bislang prominenteste Mitglied der Königsfamilie, das freigelassen wurde. Einigen Experten zufolge wollte Kronprinz Mohammed, der auch Verteidigungsminister ist, mit der Entmachtung von Prinz Miteb seine Kontrolle über den Sicherheitsapparat des Landes festigen. Die Regierung in Riad versichert aber, dass es ausschließlich um die Bekämpfung der Korruption gegangen sein.

In einem vergangene Woche veröffentlichten Interview mit der "Newe York Times" hatte Kronprinz Mohammed gesagt, 95 Prozent der Festgenommenen seien bereit zu einem Vergleich und der Rückerstattung veruntreuter Güter und Gelder.

"Dass Prinz Miteb offenbar freigelassen wurde, könnte ein Anzeichen dafür sein, dass die saudiarabischen Behörden Fortschritte dabei machen, Vereinbarungen mit den Festgenommen zu vereinbaren", sagte Kristian Ulrichsen von der Rice University in Texas. Es handle sich um den Versuch, die Auswirkungen der Maßnahmen des Kronprinzen zu minimieren und Bedenken über politische Risiken bei Geschäften in Saudi-Arabien vorzubeugen.

Die Festnahmewelle hatte in dem Königreich große Unruhe ausgelöst. Die Zugriffe waren unmittelbar nach der Einsetzung einer Anti-Korruptions-Kommission unter Leitung des Kronprinzen Mohammed bin Salman erfolgt. Das Vermögen der Betroffenen wurde eingefroren. Ein solches Vorgehen innerhalb der weit verzweigten königlichen Familie ist in der modernen Geschichte Saudi-Arabiens ohne Beispiel.

Der im Juni zum Kronprinzen ernannte Sohn des 81-jährigen Königs Salman plant umfassende Reformen. Nach seiner Ernennung hatte er einen Modernisierungskurs angekündigt. Der Kronprinz gilt bereits als De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens. Er dürfte das Ziel haben, bis zu seiner endgültigen Machtübernahme alle Widersacher aus dem Weg zu räumen.